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Der Code-Knacker

Ausstellung über den Mathematiker Alan Turing im Paderborner Nixdorf Museums-Forum

Von Michael Engel

Alan Turing entschlüsselte geheime Nachrichten im Zweiten Weltkrieg
Alan Turing entschlüsselte geheime Nachrichten im Zweiten Weltkrieg (bletchleypark.org.uk)

Er entschlüsselte den Code der deutschen Marine im Zweiten Weltkrieg und trug maßgeblich zur Entwicklung moderner Computer bei. Dennoch wurde der geniale Wissenschaftler Alan Turing Anfang der 50er in Großbritannien vor Gericht gestellt - wegen Homosexualität.

Musik im Foyer des Nixdorf Museums-Forum in Paderborn, genauer gesagt, Filmmusik. Und dann steht es da auch schon: "Das Boot". Ein 5,5 Meter langes Modell, Leihgabe der Bavaria Film GmbH,, das im preisgekrönten Film auf Tauchfahrt ging. Über dem Boot hängt eine Leinwand für filmische Einblendungen. Der Kommandant der U96, gespielt von Jürgen Prochnow, tippt gerade auf einer Art "Schreibmaschine". Es ist die berühmte "Enigma", eine Verschlüsselungsmaschine, die in Paderborn auch im Original zu sehen ist. Pressesprecher Andreas Stolte:

"Das ist eine sogenannte 'Vier-Walzen-Enigma' der Marine, die Texte verschlüsselt. Das heißt, ich drücke auf einen Buchstaben. Eine Walze wird weiter geschaltet und der Strom fließt durch die vier Walzen, durch das Steckerbrett und erzeugt dann hier einen Buchstaben der leuchtet. Das 'D' wird zu einem 'F'."

Es gab 139 Trillionen Möglichkeiten, einen Buchstaben zu verschlüsseln. Das Ergebnis wurde dann per Funk übermittelt. Es war die einzige Möglichkeit im Zweiten Weltkrieg, Kontakt aufzunehmen, erklärt Kurator Jochen Viehoff:

"Das war der Reichsmarine sofort klar, dass, wenn ein Boot 1000 oder 2000 Kilometer draußen im Atlantik unterwegs ist, im Einsatz ist, dass es überhaupt nur per Funk im Wesentlichen kommunizieren kann. Und das war natürlich auch klar, dass dieser Kurzwellenfunk selbstverständlich auch von den alliierten Kräften mitgehört und abgefangen werden konnte. Insofern war die Marine von Anfang an auch an einem sehr sicheren Verfahren der Verschlüsselung interessiert. Und hier kam diese berühmte Enigma-Maschine auch zu Einsatz."

Es war Alan Turing, der den Geheimcode der deutschen Marine knackte. Aus dem Fundus des 1954 verstorbenen Mathematikers und Computerpioniers sind allerdings nur noch ein Löffel und ein Teddybär aus Kindertagen vorhanden. So begnügt sich die Ausstellung neben Funkgeräten, dem Modell der U96 und der Enigma mit einer Wandtafel, die an das Genie erinnert.

"Er hat auf jeden Fall den vielleicht wichtigsten Grundstein gelegt, dass man mit 200 'Turing-Bomben', also diese Maschine, die er auch designet hat, entwickelt hat, um die Enigma-Sprüche zu knacken - die Schlüssel zu finden. Da waren am Ende 200 Maschinen im Einsatz. Dass man das so systematisiert hat, das Entschlüsseln, dafür hat Turing die wissenschaftlichen und theoretischen Grundlagen definitiv gelegt."

Häufig war der Code schon nach 15 Minuten geknackt. Alle Operationen der deutschen Marine im Nordatlantik waren damit von vornherein bekannt. So gilt Alan Turing als ein Mann, der Großbritannien zum Sieg führte. Doch galt er in Bletchley-Park, der Entschlüsselungszentrale der Briten, als Exzentriker, sagt Stefan Stein, Kurator im Nixdorf Museums-Forum:

"Wenn Alltagsprobleme auftraten, dann hatte Alan Turing oft eine ungewöhnliche Lösung parat. Zum Beispiel als die Armbanduhr verschwunden war, schnallte er sich einfach einen Wecker um. Als die Hose wegen eines defekten Gürtels nicht mehr hielt, nahm er ein Stück Strick. Wir nennen das gerne so die komplizierte Logik des Alltags, den er nicht immer so bewältigt hat, wie das in einer formvollendeten britischen Gesellschaft vielleicht erwartet wurde."

Die formvollendete Gesellschaft sah darüber hinweg. Auch über seine Homosexualität. Jedenfalls solange Krieg herrschte und Turing eine kriegsentscheidende Bedeutung hatte. Das änderte sich dann aber rasch. 1952 wurde er von der Polizei angezeigt - wegen seiner Homosexualität.

"Turing wurde vor die Wahl gestellt, entweder ins Gefängnis zu gehen oder eine chemische Hormonbehandlung über sich ergehen zu lassen. Das war konkret eine chemische Kastration. Also ihm wurden weibliche Geschlechtshormone gespritzt, um seinen Sexualtrieb zu dämpfen, was dann dazu führte, dass ihm zum Beispiel Brüste wuchsen und andere körperliche Merkmale sich veränderten."

1954 - nach der Hormonbehandlung - wurde Alan Turing tot aufgefunden: Er starb an einer Cyanidvergiftung. Ob es ein Selbstmord war, konnte nie geklärt werden, denn es gab keine Untersuchung. US-Präsident Barak Obama stellte Alan Turing kürzlich in die Riege genialer Wissenschaftler und nannte Namen wie Isaac Newton, Charles Darwin und Albert Einstein. Nun kümmert sich sogar Hollywood um den exzentrischen Wissenschaftler. Leonardo DiCaprio ist an der Hauptrolle interessiert, und einen Titel gibt es auch schon: "Imitation Game".

Wer nicht warten will, bis der Streifen auf die Leinwand kommt, ist im Paderborner Nixdorf Museums-Forum gut aufgehoben. Das weltgrößte Computermuseum zeigt Turing als Kryptologe, als Computerwissenschaftler, als Künstler - insgesamt sind es 10 Etappen über's Jahr verteilt. Einfach mal googlen oder www.hnf.de.

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