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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 21.12.2012

Der Charme der Knochen

Jean-Baptiste de Panafieu: "Die Geschichte der Skelette", Knesebeck Verlag, 34 Seiten

Megalania, der ausgestorbene australische Riesenwaran (Museum Melbourne)
Megalania, der ausgestorbene australische Riesenwaran (Museum Melbourne)

Nach seinem spektakulären Bildband "Evolution" von 2007 wendet sich der Biologe Jean-Baptiste de Panafieu nun an ein Kinderpublikum: Gezeigt wird eine Tierwelt ohne Fleisch und ohne Fell, ganz knöchern und doch sehr lebendig.

Eine Doppelseite tiefschwarzes Papier. Links unten schiebt sich das helle, fein konturierte Skelett eines kleinen Säugetier-Kletterers einen Baumstamm hinauf. Zur Buchmitte hin folgt das zweite Skelett: Springend verlässt das Tier den Ast und greift mit seinen Zehen in die Luft. Das nächste Skelett streckt sich im Flug und hält seine – schon stark gedehnten – Zehen weit aufgespannt. Am rechten Bildrand schließlich segelt der Flughund, wie er heute lebt. Deutlich sieht man die langgezogenen, filigranen Knochen der vorderen Extremitäten, die dem Tier eine Flügelspannweite von fast zwei Metern verschaffen.

Das ist Evolution! Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Ganz auf den Charme der weißen Knochen setzen Sachbuchautor Jean-Baptiste de Panafieu und Fotograf Patrick Gries in ihrem neuen Buch "Die Geschichte der Skelette". Nach dem spektakulären Bildband "Evolution" von 2007 wendet sich das kreative Duo mit der Skelett-Idee nun an ein Kinderpublikum und macht seine Sache noch einmal mit Bravour.

Viele Themen greifen die Autoren auf: Um Bauformen geht es – Skelette und Schutzpanzer, Hälse und Köpfe. In die Geschichte der Tierfamilien taucht das Buch ein, beleuchtet weltweite Verwandtschaftsverhältnisse. Dann wird hart gekämpft, Räuber mit scharfen Zähnen setzen flinken Beutetieren nach. Die begleitenden Texte führen anschaulich in zoologische Prinzipien ein – Evolution, Fortpflanzung, Vererbung. Überraschend springt das Buch aber auch immer wieder in spannende Details, begutachtet den langen Hals der Giraffe und lässt Elefanten den Rüssel schwingen. Mit dem Wandel der Arten klingt es aus. Seelöwen paddeln wie Fische, Wölfe transformieren sich in Pekinesen – und alles das bebildert ohne Fleisch und ohne Fell, ganz knöchern und doch hoch lebendig.

Seine liebenswürdige Gestaltung lässt dieses Kinderbuch leben und atmen. Einer Laune der Layouter folgend, die jedoch wunderbar funktioniert, orientieren sich Typografie und viele grafische Elemente am Western-Stil, was dem ganzen Buch eine Anmutung von karger Prärie und amerikanischer Pionierzeit verleiht. Während die linken Buchseiten rot, gelb, grün und blau in den Grundfarben leuchten, bietet sich rechts jener tiefer Schwarzton dar, auf dem die geradezu zarten Skelett-Fotografien von Patrick Gries umso detailreicher und plastischer zur Geltung kommen.

Der bei Kindern beliebten Mode des Klappbildes folgend, lassen sich Teile dieser schwarzen Seiten loslösen und umlegen, wobei zuvor eine Frage beantwortet werden soll: Welches Skelett trägt den falschen Schädel? Lebt die Schildkröte wirklich im Inneren eines Gehäuses? Hinter den Klappen tun sich weitere schöne Fotos und Antworten auf. So bietet dieses Buch sogar eine interaktive Note – man kann es anfassen und mit ihm sprechen. Im Fazit lässt sich da nur sagen: Wer ein besonderes Jugendsachbuch sucht, hier ist es.

Besprochen von Susanne Billig

Jean-Baptiste de Panafieu: Die Geschichte der Skelette. Warum alle mit allen verwandt sind
Fotografien von Patrick Gries
Deutsch von Werner Damson
Knesebeck Verlag, München 2012
34 Seiten, 24,95 Euro

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