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Buchkritik

Mexiko-RomanWeiblicher Widerstand im Drogenkrieg
Angehörige demonstrieren am 25.11.2003 mit Pappfiguren als Symbole für die getöteten Frauen in Ciudad Juarez. Die mexikanische Grenzstadt Ciudad Juárez erlangte international Berühmtheit - zwischen 993 und 2007 wurden hier 393 Frauen ermordet. "Welthauptstadt der Frauenmorde" ist deshalb das Image, das der Stadt weltweit anhängt.

Das Mädchen Ladydi wächst in den mexikanischen Bergen auf. Dort sind die Männer verschwunden und die Frauen verstecken ihre Töchter vor den Drogenbossen. Doch Ladydi sieht einen Ausweg aus dieser unwirtlichen Welt. Mehr

BoxenEin grelles Porträt voller Leidenschaft
Eine Szene aus dem Kampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht zwischen George Foreman (l) und Muhammad Ali am 1. Oktober 1975 in Manila.

George Foreman und Muhammad Ali: Ihr Boxkampf in Kinshasa Mitte der 70er-Jahre gilt bis heute als ein Kampf der Giganten. Er verzögerte sich allerdings mehrere Wochen. In dieser Zeit entstand die Reportage des amerikanischen Journalisten Bill Cardoso.Mehr

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Literatur

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Die Wartburg Eisenach (Thüringen)

In fast zehn Jahrhunderten wechselvoller deutscher Geschichte war die Burg Zuflucht oder Bühne großer historischer Figuren. Trägt das symbolische Kapital bis heute?Mehr

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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 08.11.2012

Der blühende Geist der Jetztzeit-Utopie

John Jordan, Isabelle Fremeaux: "Pfade durch Utopia", Edition Nautilus, Hamburg 2012, 320 Seiten

Kapitalismus = Tod steht in spanischer Schrift auf einem Bauzaun.
Kapitalismus = Tod steht in spanischer Schrift auf einem Bauzaun. (picture alliance / dpa / Bodo Marks)

In ihrem Reportagebuch beschäftigen sich die Kunstaktivisten John Jordan und Isabelle Fremeaux mit Gegenentwürfen zum Kapitalismus. Auf einer Reise durch Europa haben sie Alternativprojekte besucht, die zeigen, dass erfolgreiche Existenzen jenseits der gängigen Lebensentwürfe möglich sind.

Dieses Buch ist an der Querseite gebunden statt wie üblich an der Längsseite. Auch der Einband unterscheidet es von anderen. Er gleicht einer braunen Papiertüte, wie sie in Biomärkten für die Verpackung von Obst und Gemüse genutzt wird. Der Buchstabe O im Titel "Pfade durch Utopia" gibt den Blick auf die beiliegende DVD frei. Und das Inhaltsverzeichnis kommt als Landkarte daher. Leser können so die elf Stationen der beschriebenen Reise auf einen Blick geografisch verorten.

Die Autoren, Isabelle Fremeaux und John Jordan, beschreiben ihre Eindrücke und Erfahrungen einer siebenmonatigen Reise quer durch Europa. Ihre Ziele sind nicht Paris, Berlin oder Barcelona. Sie besuchen Menschen, die sich jenseits der gängigen Lebensentwürfe eine Existenz aufgebaut haben. "Wir wollten mit eigenen Augen die Vielfalt sehen, mit der man heute in Europa trotz des Kapitalismus auf ganz unterschiedliche Weise Mensch sein kann."

Fremeaux und John erzählen von den Schülern und Lehrern einer anarchistischen Schule im spanischen Ort Merida, vom erfolgreichen Widerstand gegen den geplanten Bau einer dritten Startbahn am Londoner Flughafen Heathrow und von einem "Laboratorium für die Politik der freien Liebe" in Osteuropa.

Die beiden sind im wahren Leben ein Paar. Sie haben sich vor ihrer Reise als libertäre Aktivisten im antikapitalistischen Widerstand engagiert. Im Frühjahr 2008 machten sie sich von London aus auf den Weg. "Die US-Immobilien-Spekulationsblase war im Begriff zu platzen, als wir beim Klima-Camp von Heathrow waren", schreiben sie. "Als wir unsere nächste Etappe, Landmatters mit seinen selbst gebastelten billigen Wohnmöglichkeiten gerade hinter uns ließen, war die Northern Rock Bank ins Wanken geraten, und die Leute standen überall in Großbritannien vor den Filialen, voller Angst um ihre Ersparnisse." Und als sie auf ihrer vorletzten Station in Serbien Halt machten, in vom Bankrott ausgehöhlten Fabrikhallen, "waren die Risse im kapitalistischen System noch breiter geworden. Die Menschen konsumierten nicht mehr genug, die Schuldenblase war geplatzt, der Ölpreis hatte einen Spitzenwert erreicht."

Inzwischen leben Fremeaux und Jordan im Örtchen Longo Mai in der südlichen Bretagne. Auch dort legten sie während ihrer Reise einen Zwischenstopp ein. Es habe sich "ein unglaublich lebendiges Netzwerk von bäuerlichen Aktivistinnen" entwickelt. Dass die Autoren Leben, Arbeiten, Überzeugungen und politische Praxis miteinander verknüpfen, macht sie glaubwürdig.

Es sei nicht die Zeit für hochfliegende Gedankenkonstrukte, die definitiv gültige Schlussfolgerungen anbieten, räsonieren Fremeaux und Jordan in ihrem lesenswerten Essay am Ende des Buches. Es sei aber auch nicht angebracht, vor radikalen Veränderungen des gesamten alltäglichen Lebens zurückzuschrecken: "Unsere Reise hat uns gezeigt, dass in den unsichtbaren Rissen und Winkeln des herrschenden Systems der Geist der Jetztzeit-Utopie blüht und gedeiht."

Seit Ausbruch der Finanzkrise ist die Zahl der Bücher unüberschaubar geworden, die sich mit ideellen und praktischen Alternativen zum Kapitalismus beschäftigen. Dieses Buch ergänzt die Perspektive von Politikern, Ökonomen oder Insidern der Finanzwelt. Die Sicht von Fremeaux und Jordan ist die von Aktivisten, die erfolgreich nach praktischen Alternativen zum herrschenden Leben Ausschau gehalten haben. Und die muss man kennen, um die Dynamik neuer sozialer, antikapitalistischer Bewegungen und gesellschaftlicher Veränderungsprozesse zu verstehen.

Besprochen von Uli Müller

John Jordan, Isabelle Fremeaux: Pfade durch Utopia
(mit DVD, 109 Minuten)
Aus dem Französischen übersetzt von Sophia Deeg
Edition Nautilus, Hamburg , 2012
320 Seiten, 25,00 Euro