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Buchkritik

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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 09.11.2012

Denkräume für junge Leser

Jostein Gaarder: "Fragen fragen", Umberto Eco: "Geschichten für aufgeweckte Kinder", Hanser Verlag

Zwei Bestsellerautoren haben die großen Fragen der Welt kindgerecht aufbereitet.
Zwei Bestsellerautoren haben die großen Fragen der Welt kindgerecht aufbereitet. (picture alliance / dpa)

Zwei liebevoll illustrierte Sachbücher für junge Leser sind im Hanser Verlag erschienen. "Fragen fragen" des norwegischen Erfolgautors Jostein Gaarder und "Geschichten für aufgeweckte Kinder" widmen sich Existenzfragen und großen Menschheitsthemen.

Was ist Zeit? Wie will ich leben? Vor welchem Verlust habe ich die allergrößte Angst? Was geschieht mit mir, wenn ich sterbe? Es sind durchweg große philosophische, nicht zuletzt Kinder umtreibende Fragen, die Jostein Gaarder in seinem neuen Buch versammelt.

In "Fragen fragen" ist es daher auch ein kleiner Junge, den der weltberühmte Autor von "Sofies Welt" (1991) gemeinsam mit dem Illustrator Akin Düzakin auftreten lässt. Während Gaarder auf der jeweils linken Buchseite seine tiefgründigen Fragen platziert – jeweils mittig und in großen Lettern gesetzt – zeigt der Grafiker auf der gegenüberliegenden Seite die Hauptfigur in verschiedenen Situationen.

Denkt der Leser anfangs noch, es handele sich bei den Illustrationen um Einzelbilder, wird ihm langsam klar, dass sich stattdessen parallel zu Gaarders Fragen eine eigenständige, rätselhafte Bildergeschichte entfaltet. Mit leichtem Strich, ohne scharfe Konturen und in zarten, pastellfarbenen Tönen erzählt der Illustrator von einem kleinen Jungen, der eines Nachts in den Wald aufbricht und seiner Vergangenheit, seinen Träumen, Wünschen, Hoffnungen und Ängsten begegnet. Begleitet von einem Hund und einem Geistwesen und vielen, vielen Fragen.

Gaarder und Düzikin erweisen sich hier als ebenbürtiges Duo. Beide eröffnen wunderbare Denk- und Assoziationsräume und regen mit diesem so klugen wie poetischen und leicht melancholischen Buch dazu an, eigene Antworten auf existenzielle Fragen zu finden.

Großen Menschheitsthemen widmet sich auch Umberto Eco mit seinen "Geschichten für aufgeweckte Kinder", von Eugenio Carmi illustriert. Krieg und Frieden, Fremdenhass und Nächstenliebe, Umweltzerstörung und nachhaltiges Handeln sind die Problemstellungen dieser durchweg fantastisch anmutenden Erzählungen. Sie handeln etwa von intelligenten Außerirdischen, die sich nicht mit den fragwürdigen Errungenschaften der Menschheit beglücken lassen wollen oder von schlauen Atomen, die machtversessenen Generälen den Dienst verweigern, indem sie heimlich die Bomben verlassen, die aufs Feindesland geworfen werden.

Eco erzählt mit Witz, Verve und großer Fabulierlust. Bisweilen allerdings gerät ihm seine Zivilisationskritik eine Spur zu simpel: Böse Generäle, dumme Erdenbürger, gute Außerirdische – seine Geschichten, zumal sie sich an "aufgeweckte Kinder" wenden, hätten auch weniger Schwarz-Weiß vertragen.

Dass das Buch dennoch ein absolutes Highlight ist, verdankt es den herausragenden Illustrationen Eugenio Carmis. Der 1920 in Genua geborene Künstler zeigt hier Seite für Seite Bildfindungen von großer Freiheit und Schönheit. Den Orden liebenden General etwa stellt er lediglich mit Stofffetzen dar, und drei Kosmonauten unterschiedlicher Nationalität werden durch Collagen landestypischer Verpackungsaufschriften symbolisiert. Das ist originell, für jeden, der Carmi nicht kennt, eine wirkliche Entdeckung und für ein Kinderbuch außergewöhnlich.

Besprochen von Eva Hepper

Jostein Gaarder: Fragen fragen
Illustriert von Akin Düzakin
Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs
Altersempfehlung: 3 bis 6 Jahre
Hanser Verlag, München 2012
80 Seiten, 10 Euro

Umberto Eco: Geschichten für aufgeweckte Kinder
Illustriert von Eugenio Carmi
Aus dem Italienischen von Elise Dinkelmann
Altersempfehlung: 8 bis 10 Jahre
Hanser Verlag, München 2012
112 Seiten, 14,90 Euro