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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 27.04.2012

Datenmissbrauch, Terroristen, Schatzsucher

Shumeet Baluja: "Silicon Jungle", Suhrkamp, Berlin 2012, 375 Seiten

Was passiert mit unseren Daten? Balujas Roman entwirft ein abenteuerliches Szenario. (AP)
Was passiert mit unseren Daten? Balujas Roman entwirft ein abenteuerliches Szenario. (AP)

Es ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit: Datenschutz, Datenmissbrauch. Google-Chefentwickler Shumeet Baluja wählt als Schauplatz seines ersten Romanes seine Arbeitswelt - einen Suchmaschinenkonzern.

Er ist ein junger Informatiker im Silicon Valley. Sein erstes Startup hat Stephen Thorpe bereits in den Sand gesetzt, und mangels Alternativen wartet er nun Computer in einer ökologisch angehauchten Kaufhauskette. Um der Fadheit seines Jobs zu entfliehen, bewirbt er sich auf Anraten seiner Freundin um ein Praktikum beim Suchmaschinenkonzern Ubatoo - der Nummer eins am Platze. Ubatoo, überzeugt vom Potential des jungen Mannes, steckt Stephen sogleich in ein Projekt mit oberster Priorität: Als Mitglied einer Data-Mining-Gruppe soll er aus Benutzerprofilen Algorithmen erstellen, mit denen sich das (Kauf-)Verhalten von Ubatoo-Usern vorhersagen lässt. Das Ziel: Produktwerbung zielsicher und gewinnträchtig zu platzieren.

Es ist eines der Top-Themen unserer Zeit, das Googles Chefentwickler Shumeet Baluja in den Mittelpunkt seines ersten Romans "Silicon Jungle" gerückt hat: die viel diskutierte Gefahr des Datenmissbrauchs im Internet. Um diese reale Bedrohung plastisch zu machen, lässt er Stephen Thorpe und seine Mitstreiter aber nicht nur ungeniert in den von Ubatoo angehäuften persönlichen Daten der User wildern. Baluja hat noch andere Begehrlichkeiten im Blick, nämlich die von Staatsschützern und Terroristen, die den Datenschatz von Ubatoo für ihre eigenen Zwecke anzapfen wollen.

Letzteren kommt der ehrgeizige Stephen Thorpe, der mehr will, als nur die Kaufwahrscheinlichkeit von Diätpillen und teuren Autos zu errechnen, gerade recht. Als ein vermeintlicher Bürgerrechtler ihn bittet, die Rechner von Ubatoo nach Nutzern zu durchforsten, die fälschlicherweise auf eine Terror-Liste der Regierung geraten sein könnten, willigt dieser nichts ahnend ein. Erst zu spät merkt er, dass er die brisanten Informationen in Wirklichkeit Terroristen zuspielt.

Das Szenario, das Shumeet Baluja in "Silicon Jungle" entwirft, wirkt erschreckend realistisch. Suchmaschinenmitarbeiter, die hemmungslos E-Mails, Suchanfragen und Kreditkartenabbuchungen der User inspizieren; Terroristen und Staatsschützer, die Maulwürfe installieren - genau so kann man sich das Verschachern unserer Daten vorstellen. Insofern rüttelt das Buch wach. Und auch der Insiderblick, mit dem Baluja detailliert den Alltag bei Ubatoo beschreibt - jeder denkt dabei natürlich sofort an Google -, fasziniert. Es ist eine Welt, in der die brillantesten Köpfe besessen um die besten Lösungen wetteifern, wenn auch nur zur Optimierung des Unternehmensgewinns.

Dennoch bleibt ein schales Gefühl zurück. Die Sprache ist zu einfach gestrickt, die Charaktere zu reduziert gezeichnet - und erst in der Mitte des Buches nimmt die Geschichte Fahrt auf. Vor allem aber fragt man sich, was Shumeet Baluja mit seinem Roman eigentlich bewirken will. Als führender Google-Mitarbeiter ist er schließlich Teil jener undurchsichtigen Datenpolitik, vor der er im Buch warnt. Denn was Google mit unseren Userdaten tatsächlich macht, darüber hält sich das Unternehmen hartnäckig bedeckt.

Besprochen von Vera Linß

Shumeet Baluja: Silicon Jungle
Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Suhrkamp, Berlin 2012
375 Seiten, 14,99 Euro

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