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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 22.11.2009

Das Universum der Currywurst

Tobias Hürter und Max Rauner: "Die verrückte Welt der Paralleluniversen", Piper Verlag, München 2009, 269 Seiten

Sonnenaufgang aus dem Weltall (NASA)
Sonnenaufgang aus dem Weltall (NASA)

Sind die Forscher noch ganz dicht? Zu dieser ehrlich empfundenen Verwirrung kann man kommen, wenn man hört, was manche Wissenschaftler ernsthaft in Betracht ziehen: Unser Kosmos ist nicht einzigartig, sondern es gibt unendlich viele.

Und in zahlreichen dieser parallelen Welten leben Doppelgänger von uns, die in diesem Augenblick genau dasselbe tun wie wir. Diese Ideen stellen Tobias Hürter und Max Rauner, ihrerseits keine Spinner, sondern Mathematiker und Physiker, in "Die verrückte Welt der Paralleluniversen" vor.

"Manche Universen bestehen aus einer sprechenden Currywurst und der Zahl sieben", schreiben sie. Kann man die Konsequenzen schöner auf den Punkt bringen, die das Nachdenken über möglicherweise unendlich viele Universen mit sich bringt? Wenn es unendlich viele andere Welten gibt, dann existiert jede Welt, die überhaupt nur vorstellbar ist.

Das Nachdenken über die Entstehung und Entwicklung unseres Universums hat eine lange Geschichte. Tobias Hürter und Max Rauner zeichnen die einflussreichsten Weltbilder der vergangenen 2500 Jahre nach, die mit den Namen von Aristoteles, Ptolemäus, Kopernikus, Kepler, Newton und Einstein verbunden sind, bevor sie sich im Detail dem "Multiversum" widmen, der wohl abenteuerlichsten Vorstellung bislang. Wie kommen Physiker auf solch eine absonderliche Idee? Die Quantenmechanik und die Mathematik hinter der Stringtheorie sind schuld. Manche ihrer Gleichungen weisen eine unüberschaubar große Anzahl an Lösungsmöglichkeiten auf. Jede davon erklärt die Beschaffenheit eines etwas anderen Universums. Eines davon ist unseres. Ein anderes vielleicht das der sprechenden Currywurst.

Die zentrale Frage, um die das Buch immer wieder kreist, stellt sich schon sehr früh: Ist das eigentlich noch Physik? Oder schon Metaphysik und Philosophie? Gibt es solche Welten wirklich, nur weil sie mathematisch beschreibbar sind? Genau hier scheiden sich die Geister und spaltet sich die Forschergemeinde.

Tobias Hürter und Max Rauner dramatisieren diesen Zwiespalt zu einem Grabenkrieg innerhalb der Physik, sprechen vom Ausbruch eines Bürgerkriegs zwischen verfeindeten Lagern, von einer Eskalation zwischen seriöser Forschung und Esoterik.

Das größte Problem aber ist: Kein Vertreter dieser unvereinbaren Positionen wird je beweisen oder widerlegen können, ob es tatsächlich andere Universen außerhalb unseres eigenen gibt. Denn selbst wenn sie existierten, könnten wir keinen Kontakt zu ihnen aufnehmen.

Leicht verständlich und mit Spaß an der Zuspitzung führen die Autoren durch den unvorstellbaren Quantenschaum, als der der Kosmos plötzlich im Lichte dieser Ideen erscheint. Jeder nur halbwegs philosophisch interessierte Leser wird am Ende dieser spannenden Auseinandersetzung einen Strauß anregender Fragen mit sich nehmen. Das Buch lässt jedenfalls nichts unversucht, ein wenig Verwirrung zu stiften. Ob sich an der Frage der Paralleluniversen wirklich das Ende der Wissenschaft abzeichnet, weil ihre Ergebnisse nicht mehr überprüfbar sind und ihre Ansichten zur Glaubensfrage werden? Müsste man mal drüber nachdenken.

Besprochen von Gerrit Stratmann

Tobias Hürter und Max Rauner: Die verrückte Welt der Paralleluniversen
Piper Verlag, München 2009
269 Seiten, 14,95 Euro

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