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Radiofeuilleton - Kino und Film / Archiv | Beitrag vom 03.06.2012

Das Tabu der "Blutschuld"

Wie der Dichter Georg Trakl die verbotene Liebe zu seiner Schwester Grete in seiner Lyrik verarbeitete

Von Ilka Lorenzen

Verbotene Liebe: Peri Baumeister und Lars Eidinger im neuen Trakl-Film "Tabu" (picture alliance / dpa - Camino Filmverleih)
Verbotene Liebe: Peri Baumeister und Lars Eidinger im neuen Trakl-Film "Tabu" (picture alliance / dpa - Camino Filmverleih)

Mit nur 27 Jahren starb mit Georg Trakl wohl eines der größten deutschsprachigen Dichter-Talente - zerrissen von Depressionen und diversen Schaffenskrisen - belastet vor allem durch die hoffnungslose Liebe zu seiner Schwester, für die er in seinen Gedichten die Mutter Gottes um Verzeihung anflehte.

"Es dräut die Nacht am Lager unsrer Küsse.
Es flüstert wo: Wer nimmt von euch die Schuld?
Noch bebend von verruchter Wollust Süße
Wir beten: Verzeih uns, Maria, in deiner Huld!"

Diese ersten Zeilen aus dem Gedicht "Blutschuld" von Georg Trakl sprechen für sich und sicher auch für die extreme Zuneigung des Dichters zu seiner jüngeren Schwester Grete. Eben diese "verbotene Liebe" zwischen den beiden ist Thema des neuen Kinofilms "Tabu - Es ist die Seele... ein Fremdes auf Erden" von Regisseur Christoph Stark.

Georg Trakl, geboren 1887 in Salzburg, entsprach mit seiner damaligen Lebensführung ganz dem heutigen Klischeebild eines Künstlers: Er schlug sich mit Depressionen und Schaffenskrisen herum, nahm allerlei Drogen und starb mit nur 27 Jahren nach einer Überdosis Heroin. Nicht zuletzt hatte Trakl zudem Zeit seines kurzen Lebens diese besonders innige, vermutlich auch sexuelle Beziehung zu Grete.

"Glaubst du, dass es eine Sünde ist?" "Ich weiß es nicht – es ist mir egal."

Die Hauptdarsteller Lars Eidinger und Peri Baumeister verkörpern diese Geschwisterliebe, diesen Kampf gegen die starken Gefühle zwischen Georg und Grete sehr authentisch, was den anspruchsvollen Film zum großen Teil ausmacht.

"Fast ein halbes Jahr, und kein einziger Brief Georg!" – "Ich hab Hunderte geschrieben und keinen einzigen abgeschickt, …, sei froh!" - "Ich komm nach Wien, zu Brückner in die Meisterklasse." - "Das machst du nicht!"

Grete geht aber doch nach Wien und heiratet auf Wunsch ihrer Mutter ihren 20 Jahre älteren Wiener Musikprofessor Brückner – ganz anders als im wahren Leben. Doch Regisseur Christoph Stark wollte eben kein dokumentarisches Werk über den Lyriker und seine Zeit schaffen, sondern einen Film über

"eine große, leidenschaftliche, aber unmögliche Liebe. So wie Romeo und Julia an ihren verfeindeten Familien zu Grunde gingen, arbeiteten sich Georg und Grete an einem Tabu ab."

"Verzeih uns, Maria, in deiner Huld!"


Mehr Infos zu diesem Film auf dradio.de:

Kino und Film - "Extreme Sehnsucht"

Filme der Woche: "Tabu - Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden" - Drama über den Dichter Georg Trakl und seine Schwester

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