Thema / Archiv /

"Das Räuberische im Menschen ist immer da"

Vor 225 Jahren wurde in Darmstadt der Räuber Hannikel umgebracht

Lukas Hartmann im Gespräch mit Ulrike Timm

Den Schwachen helfen - Räuber Hannikel gab von seiner Beute auch den Armen.
Den Schwachen helfen - Räuber Hannikel gab von seiner Beute auch den Armen. (Marion Trutter)

Die Geschichte und vor allem die Volkserzählung macht bei den großen Räubern einen Unterschied: Da gibt es die üblen Ganoven, die nur einsackten. Und es gibt die Räuberhauptmänner, die ihre Beute mit den Gebeutelten, den Armen teilten. Nach Einschätzung des Autors Lukas Hartmann fängt diese Legendenbildung allerdings auch meist erst nach dem Tod der Räuber an.

Mit den Taten, den Raubzügen Hannikels in Württemberg in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, und mit der Unterstützung für ihn - oder zumindest der Duldung seiner Taten - deutete sich der Geist der französischen Revolution bereits an, meint der Autor des Romans "Räuberleben", Lukas Hartmann.

"Das war wirklich eine gute Zeit für die Räuber: In Württemberg herrschte große Armut: fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung hatten keine gültigen Papiere, waren also 'Papierlose'," sagte Hartmann im Interview. Damit fehlte vielen eine Perspektive und der Räuber Hannikel habe sich in dieser Zeit um sie gesorgt.

"Vom heutigen Standpunkt aus war er letztlich ein Kleinkrimineller. Was zum Beispiel der Herzog Karl-Eugen von Württemberg einstrich an Geld, an Gebühren, an Provisionen für den Verkauf von Soldaten, das übersteigt das, was Hannikel zusammenraubte um ein Hundertfaches."

Insbesondere bei Räubern fange die Legendenbildung nach dem Tod an. Allerdings: "Der Zusammenhalt der Bevölkerung gegenüber Hannikel war nicht übergroß. Er war gefürchtet und je weiter weg er war, desto mehr eignete er sich für Projektionen, so dass man auch sagen konnte: Ja, der hilft den Armen vielleicht auch, aber die Quellen geben da eigentlich keine klare Auskunft", schränkt der Autor die Sagen von der Fürsorge des Räubers ein.

Auch heute gebe es dieses räuberische Element, betont Hartmann: "Das Räuberische im Menschen ist immer da."

Das vollständige Gespräch können Sie bis mindestens 16. Dezember 2012 als MP3-Audio in unserem Audio-On-Demand-Player nachhören.



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Satan, Tod und Teufel

 

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Thema

Konferenz "Net Mundial""Signal an Überwachungsstaaten, dass es so nicht weitergehen kann"

Ein Messebesucher sitzt am 09.03.2014 auf dem Messegelände der CeBIT in Hannover (Niedersachsen) auf dem Stand der Firma VDE.

Rechtsexperte Matthias Kettemann sieht die Macht im Internet ungleich verteilt. Er pocht auf ein internationales Internetrecht. Das auf der "Net Mundial" diskutierte "Multi-Stakeholder-Modell" hält er nicht für durchführbar.

Seefahrt"Seeleute sind schlecht auf Heldengeschichten zu sprechen"

In Seitenlage: Der Kapitän der havarierten Costa Concordia war unter den ersten, die das Schiff verließen.

Der Kapitän geht zuletzt von Bord? Frauen und Kinder zuerst? Dass das zur See mitnichten immer so ist, zeigen die letzten größeren Schiffsunglücke.

Europa vor der Wahl"In jedem Land ganz unterschiedliche Konstellationen"

Ein Stand auf der Leipziger Buchmesse zeigt die ukrainische Fahne durchlöchert von Schüssen - in Form der Europasterne.

Ein möglicher Erfolg der Rechtsparteien bei der Europawahl habe länderspezifische Gründe, sagt der Politologe Nico Lange. Dass diese vom Ukraine-Konflikt und Putins Politik profitieren könnten, sei nicht erkennbar.