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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 08.12.2010

Das pure Vergnügen

Robert Nippoldt/Daniel Kothenschulte: "Hollywood in den 30er Jahren", Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2010, 160 Seiten

Fred Astaire und Ginger Rogers im Film "Swing Time" aus dem Jahr 1936. (AP Archiv)
Fred Astaire und Ginger Rogers im Film "Swing Time" aus dem Jahr 1936. (AP Archiv)

"Hollywood in den 30er Jahren" ist ein perfekt in Szene gesetzter Bildband, der optisch und inhaltlich auf ganzer Linie überzeugt. Oder anders gesagt: Er ist schön wie die Garbo, elegant wie Fred Astaire und quirlig wie die Marx Brothers.

Das Buch beginnt wie ein Film. Wer das golden glitzernde Cover mit den nicht enden wollenden Beinen Marlenes aufschlägt, sieht zunächst einen Vorspann: acht Seiten reine Illustration. Eine kleine Geschichte, die vom scheinwerferbeleuchteten Nachthimmel über Los Angeles zu einer drängelnden Menge am roten Teppich führt und schließlich mitten hinein in das grandiose Innere eines Filmpalastes. Und über die Leinwand flimmert ein Titel: "Hollywood in den 30er Jahren. Ein Buch von Robert Nippoldt und Daniel Kothenschulte." Was für ein verheißungsvoller Auftakt, was für ein ungewöhnliches Buchprojekt!

Tatsächlich kommt dieser Band gänzlich ohne Fotos aus. Er setzt allein auf die Ausdruckskraft seiner Gestaltung sowie den Kenntnisreichtum und die Eleganz seiner Texte. Für das eine zeichnet der preisgekrönte Buchkünstler Robert Nippoldt verantwortlich, für das andere der renommierte Filmkritiker Daniel Kothenschulte. Ein perfektes Team, denn so leichtfüßig, so lebendig, so geistreich, aber vor allem so originell wurde diese Epoche sicher noch nie porträtiert.

Allein das Inhaltsverzeichnis ist ein Augenschmaus. Es versammelt auf einer Doppelseite all die Filmheldinnen und -helden, denen Kothenschulte sich im Folgenden widmet. Als vier Zentimeter hohe Figürchen stehen sie dort beieinander in ihren bekanntesten Rollen. Da tanzt Judy Garland auf ihrer Reise nach Oz, da erscheint Errol Flynn als Robin Hood, da droht King Kong mit ausgebreiteten Armen, da swingen Fred Astaire und Ginger Rogers übers Papier. Bereits hier werden Größe und Glamour des gesamten Filmjahrzehnts deutlich – mit Hilfe von kleinen, herrlich gezeichneten Figuren. Aber Nippoldt kann auch anders. Oftmals sind seine Illustrationen gar Seiten füllend; die Porträts der Stars ebenso wie die berühmter Szenen oder ganzer Filmsequenzen. Die Kolorierung taucht dabei das ganze Buch in zartes Violett und cremiges Beige.

Ein wunderbares Umfeld für die schönen Texte von Daniel Kothenschulte. Anekdotenreich und mit einer unglaublichen Detailfülle fängt er Glanz und Gloria dieser Epoche ein. Er schreibt über Größen wie über Randfiguren, über Legenden und Mythen genauso wie über winzige Nebensächlichkeiten: Man erfährt, dass Jean Harlow ihren Schönheitsfleck von Film zu Film neu positionierte, und dass Fred Astaires erste Probeaufnahmen ein Desaster waren ("Kann nicht spielen. Kann nicht singen. Kahlköpfig. Tanzt ein bisschen."). Aber man bekommt auch harte Fakten serviert. Etwa, dass 1930 in den USA pro Woche sagenhafte 80 Millionen Kinokarten verkauft wurden oder ein durchschnittlicher Filmabend mit Trailern, Wochenschau, Cartoon, Vorfilm und A- und B-Film gut vier Stunden dauerte. Filmhistorisches und Klatschgeschichten – Kothenschulte hat beides drauf, und unterhält seine Leser auf höchstem Niveau.

Von Eva Hepper

Robert Nippoldt/Daniel Kothenschulte: Hollywood in den 30er Jahren
Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2010
160 Seiten, 39,95 Euro

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