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Interview | Beitrag vom 05.02.2016

Das neue Cabaret Voltaire"Eine Bühne für die Obsessionen"

Adrian Notz im Gespräch mit Marianne Allweiss und André Hatting

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Adrian Notz, Direktor des 2004 neu eröffneten Cabaret Voltaire in Zürich. Hier nahm der Dadaismus vor 100 Jahren, am 5.2. 1916, seinen Anfang. Notz hält einen von Dada-Künstler Hans Arp gestalteten Geldschein hoch.. (picture alliance/dpa/Thierry Gachon)
Adrian Notz, Direktor des neuen Cabaret Voltaire. (picture alliance/dpa/Thierry Gachon)

Das Cabaret Voltaire ist tot - es lebe das Cabaret Voltaire! 2004 wagte Adrian Notz den Neuanfang der Kleinkunst-Bühne, die vor 100 Jahren die Keimzelle des Dadaismus war. Oft habe in den vergangenen Jahren ein scharfer politischer Gegenwind geweht, sagt Notz.

Wer heute nach Zürich reist, findet es immer noch: das Cabaret Voltaire, Keimzelle des Dadaimus. Am heutigen 5. Februar wird dort kräftig gefeiert. Allerdings hat dort beileibe nicht 100 Jahre lang der Dada-Bär gesteppt, im Gegenteil: Bis vor etwa 15 Jahren sah es ganz so aus, als würde das schöne alte Gebäude in der Zürcher Spiegelgasse verfallen. Dann sollte es luxussaniert werden. Doch das wollten Künstler verhindern, besetzten das Haus und machten so auch die Politik auf ein schützenswertes Stück Kunst- und Kulturgeschichte aufmerksam.

Seit 2004 gibt es dank eines reichen Sponsors wieder ein Cabaret Voltaire, das nicht nur ein Museum sein will, das an vergangene Zeiten erinnert, sondern Dada lebendig werden lassen will. Wie schwierig war für den neuen Voltaire-Direktor Adrian Notz der Neuanfang?

Der Enthusiasmus des Anfangs ist Gegenwind gewichen

"Der Anfang ist natürlich immer leicht, weil ja dann der Enthusiasmus sehr groß ist. Erst nach zwei, drei Jahren ist es dann ein bisschen schwieriger geworden, weil gerade von der Politik, von unseren Freunden von der rechten Partei, immer sehr starken Widerstand gab, der - für Zürcher Verhältnisse – für ein paar Skandale gesorgt hat." Jetzt gelte es vor allem, die Finanzierung dauerhaft zu sichern.

Er freue sich aber sehr, dass sich anlässlich des Jubiläums wieder bestätige, welche Bedeutung Dada immer noch habe, auch in der Schweiz – sodass er mit seinen Mitstreitern "einfach nur hier sein und bereit sein" müsse. Mit den aktuellen Feierlichkeiten wollen Adrian Notz und sein Team versuchen, "das Cabaret Voltaire aus der Historie heraus in eine zeitgenössische Kunst zu bringen und vielleicht an die Zukunft denken zu können."

Eine Dada-Bühne

Aktuell zeigt das Cabaret Voltaire eine Ausstellung mit dem Titel "Obsession Dada", die mehr als nur eine normale Ausstellung sein will: 

"Wir habe eine Bühne für die Obsessionen – damit wir wöchentlich Künstler einladen können." Diese Bühne sei aus Kupfer - Sinnbild für viel Energie, die umgeleitet werden soll, von den Künstlern in das Cabaret Voltaire.

Was es heute dringend brauche, sei eine neue Besessenheit - ähnlich der Besessenheit der Ur-Dadaisten. "Damit die Kunst wieder nur Kunst sein kann." Von Erben und Nachkommen der Dadaisten können man vielleicht nicht sprechen, doch gebe es etliche Künstler, die sich von den Dadaisten inspirieren ließen - und sei es, um einen Dada-Gegenentwurf zu liefern wie etwa Jonathan Meese mit seiner "Diktatur der Kunst".

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