Thema / Archiv /

"Das Judenthum in der Musik"

Über Richard Wagners antisemitische Schrift aus dem Jahr 1850

Von Axel Rahmlow

Die Richard-Wagner-Büste des Bildhauers Arno Breker nahe des Festspielhauses auf dem "Grünen Hügel" in Bayreuth
Die Richard-Wagner-Büste des Bildhauers Arno Breker nahe des Festspielhauses auf dem "Grünen Hügel" in Bayreuth (AP)

Es gibt gute Gründe, warum Aufführungen von Werken des Komponisten Richard Wagner in Israel bis heute praktisch nicht stattfinden. Erst im Juni wurde eine geplante Aufführung nach großem Druck von Holocaust-Überlebenden abgesagt.

1850 veröffentliche die "Neue Zeitschrift für Musik" aus Leipzig einen Aufsatz von K. Freigedank. In "Das Judenthum in der Musik" schrieb der Autor:

"Der Jude fällt uns im gemeinen Leben zunächst durch seine äußere Erscheinung auf. […] Wir wünschen unwillkürlich mit einem so aussehenden Menschen nichts gemeinsam zu haben."

K. Freigedank war nichts anderes als ein Pseudonym, verwendet von Richard Wagner. 1869 veröffentlichte er die antisemitische Schrift ein zweites Mal - diesmal unter seinem Namen.

Einige Biografien führen die Äußerungen auf einen Minderwertigkeitskomplex zurück. Hinzu komme Wagners Rivalitätsgefühl gegenüber jüdischen Komponisten wie Felix Mendelsohn Bartholdy. Gleichzeitig pflegte er jedoch Freundschaften zu Juden und vertraute dem jüdischen Dirigenten Hermann Levi die Uraufführung seiner letzten Oper "Parsifal" an.

Im Dritten Reich verehrten die Nationalsozialisten Richard Wagner und vereinnahmten ihn und sein Werk zu Propagandazwecken. Auch weil Wagner für Adolf Hitler persönlich ein Idol war.

"Einer dieser Männer, die das feste Wesen unseres Volkes in sich verkörpern, ist Richard Wagner."

Wagner konnte sich gegen diesen Kult nicht wehren, er hat mit seinen Schriften jedoch dazu beigetragen. Deswegen ist er in Israel noch heute heftig umstritten. Die öffentliche Aufführung seiner Werke ist dort nach wie vor praktisch kaum möglich. Erst im Juni wurde eine geplante Aufführung nach großem Druck von Holocaust-Überlebenden abgesagt.

Mehr zum Thema:
"Hacking Wagner" - Ein Tanzprojekt über die Rezeption von Richard Wagner in Israel und Deutschland (MP3-Audio) - Interview mit Choreografin Saar Magal



Mehr bei deutschlandradio.de

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Thema

Russland "Nationalismus niemals so stark erlebt wie heute"

Der Kreml in Moskau

Das neue kulturpolitische Leitbild in Russland richte sich gegen Demokratie und Toleranz, sagt die Historikerin und Menschenrechtsaktivistin Irina Scherbakowa. Sie spricht von einem "blühenden Nationalismus".

ÜberwachungDeutschland muss genauer hinschauen

Überwachung Internet Computer Ausspähen Datenschutz

Deutsche Firmen stehen im Verdacht, an Staaten wie Bahrain Technologien geliefert zu haben, mit denen Menschrechtsaktivisten überwacht wurden. Eine neugegründete Initiative fordert jetzt eine Export-Prüfung wie bei Panzern.

UnterrichtWarum es zu wenig islamische Religionslehrer gibt

Der Lehrer Timur Kumlu unterrichtet an der Henri-Dunant-Schule in Frankfurt am Main islamischen Religionsunterricht.

Die Ausbildung islamischer Religionslehrer kommt voran. Trotzdem fehlt es vielerorts an Angeboten in den Schulen. Ismail Hakki Yavuzcan, der an der Uni Tübingen entsprechende Lehrkräfte ausbildet, erläutert die schwierigen Rahmenbedingungen.