Fazit / Archiv /

Das harte Brot der Filmjurys

Ein Berlinale-Spielfilm beleuchtet die Arbeit der Juroren

Von Gerd Brendel

Am Ende beschließt die "Jury" einer Jurorin den Preis zu geben.
Am Ende beschließt die "Jury" einer Jurorin den Preis zu geben. (Stock.XCHNG - Janusz Gawron)

Die Entscheidungen von Filmjurys fallen hinter verschlossenen Türen. Ein kleiner asiatischer Streifen erlaubt einen Blick durchs Schlüsselloch. Kim Don Ho, langjähriger Leiter eines der größten Festivals in Südkorea, hat in "Jury" seine Erfahrungen ironisch auf den Punkt gebracht.

Nach dem Film darf das Publikum den Regisseur befragen auf der Berlinale und anderen Festivals.
Das Busan-Filmfestival ist die Berlinale von Korea und was Dieter Kosslick für Berlin ist, war jahrelang Kim Dong Ho für Busan. Der ist allerdings im Gegensatz zu seinem Berliner Kollegen schon in Rente und hat auf seine alten Tage beschlossen, die Seiten zu wechseln und unter die Filmemacher zu gehen.

"Please welcome Kim Don Ho!” (Applaus) "

Kim Don Ho: " "Nachdem ich in Pension gegangen bin, baten mich die Kollegen vom internationalen Kurzfilmfestival um den Eröffnungsfilm, und da ich schon in mindestens 20 Filmjurys saß, dachte ich, dass ich darüber einen Film machen kann."

In seinem 20-minütigen Erstlingswerk "Jury" zeigt Kim Dong Ho das, was kein Festivalpublikum je zu sehen bekommt. Die Beratungen der Festival-Jury.

Hat eher das sozialkritische Bergarbeiter-Epos den Preis verdient, der romantische Liebesfilm, oder keiner von beiden? Die Jury wird sich einfach nicht einig. Das einzige westliche Jury-Mitglied murmelt seine Kritik am asiatischen Film allgemein in seine Campingweste. Der Jungregisseur plädiert für den engagierten Film, die berühmte Schauspielerin für Herzschmerz, dem Jury-Präsident knurrt der Magen und die japanische Filmemacherin schweigt lächelnd wie ein Glücksbuddha, weil sie die koreanisch-englischen Beratungen sowieso nicht versteht. Wie viele seiner realen Jury-Erlebnisse hat Kim Dong Ho im Film verarbeitet?

"Als ich 1999 Präsident der Jury des Rotterdamer Filmfestivals war, habe ich miterlebt wie die Leitung uns ganz schön zugesetzt hat, damit ein chinesischer Regisseur, der seinen Film ohne die Erlaubnis seiner Regierung eingereicht hatte, den Preis bekam, aber ich war von der künstlerischen Qualität nicht überzeugt. Und es gab heftige Diskussionen in der Jury."

In Kims Film eskaliert die Beratung zur handfesten Schlägerei. Am Ende hat die japanische Filmemacherin das letzte Wort. "Menschen gehen ins Kino, weil sie ihrem Alltag entfliehen wollen. Filme sind Träume", sagt sie. Da fällt es den Jury-Mitgliedern wie Schuppen von den Augen und sie beschließen, ihrer Kollegin den Preis zu geben. Das Plädoyer für die große Traummaschine allerdings entpuppt sich selbst als Traum der Japanerin, die im Kino eingeschlafen ist.

Abspann, Applaus, der Regisseur kommt auf die Bühne. Fragen aus dem Publikum? Ein verstohlener Blick auf die schlafende Sitznachbarin. Bloß nicht aufwecken. Sie könnte in einer der zahlreichen Filmjurys sitzen und gerade den nächsten Festivalfilm zusammenträumen.

Links bei dradio.de:

Sammelportal Berlinale 2013 auf dradio.de

Gesamtübersicht: Unser Programm zur 63. Berlinale - <br> Alle Sendungen im Überblick



Mehr bei deutschlandradio.de

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsÜber den "Volkswagen unter Shakespeare-Zitaten"

Ein bislang unbekanntes Portrait des englischen Lyrikers William Shakespeare, das im Februar 2014 in Mainz präsentiert wurde. 

Anlässlich des 450. Geburtstages von William Shakespeare interpretiert die "Berliner Zeitung" Zitate des Dramatikers. "Sein oder Nichtsein" vergleicht sie mit einem VW. Und wie sähe dann ein Mercedes unter Zitaten aus?

 

Fazit

InternetScheinheiliger Springer-Brief

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender Axel Spinger AG

Der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner schrieb heute in der FAZ: "Wir haben Angst vor Google". Springer habe eher Angst, bedeutungslos zu werden, meint Michael Meyer.

Sozialistische Gebäude als Weltkulturerbe?

Narzissen blühen am 30.03.2014 auf dem Mittelstreifen der Karl-Marx-Allee in Berlin. Im Hintergrund stehen die Wohntürme am Frankfurter Tor.

Die Berliner Karl-Marx-Allee, früher Stalinallee genannt, ist mit Bars, Cafés und Galerien wieder hip geworden. Der kilometerlange Komplex sozialistischen Städtebaus hat es zu einer Bewerbung für die Welterbeliste geschafft.

Künstler-NomadenFilmfreundlicher als Los Angeles

Ein Vespa-Fahrer vor einem Motiv des Street-Art-Künstlers "El Bocho" - "Little Lucy", die mit der Schrotflinte in der Hand ihre Katze jagt, aufgenommen in Berlin im Bezirk Prenzlauer Berg im Oktober 2011. 

Bright Blue Gorilla - hinter diesem schillernden Namen verbergen sich zwei US-Künstler: das Ehepaar Robyn Rosenkrantz und Michael Glover. Seit 25 Jahren reisen sie um die Welt, machen Musik und Filme.