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Fazit / Archiv | Beitrag vom 12.02.2013

Das harte Brot der Filmjurys

Ein Berlinale-Spielfilm beleuchtet die Arbeit der Juroren

Von Gerd Brendel

Am Ende beschließt die "Jury" einer Jurorin den Preis zu geben.
Am Ende beschließt die "Jury" einer Jurorin den Preis zu geben. (Stock.XCHNG - Janusz Gawron)

Die Entscheidungen von Filmjurys fallen hinter verschlossenen Türen. Ein kleiner asiatischer Streifen erlaubt einen Blick durchs Schlüsselloch. Kim Don Ho, langjähriger Leiter eines der größten Festivals in Südkorea, hat in "Jury" seine Erfahrungen ironisch auf den Punkt gebracht.

Nach dem Film darf das Publikum den Regisseur befragen auf der Berlinale und anderen Festivals.
Das Busan-Filmfestival ist die Berlinale von Korea und was Dieter Kosslick für Berlin ist, war jahrelang Kim Dong Ho für Busan. Der ist allerdings im Gegensatz zu seinem Berliner Kollegen schon in Rente und hat auf seine alten Tage beschlossen, die Seiten zu wechseln und unter die Filmemacher zu gehen.

"Please welcome Kim Don Ho!” (Applaus) "

Kim Don Ho: " "Nachdem ich in Pension gegangen bin, baten mich die Kollegen vom internationalen Kurzfilmfestival um den Eröffnungsfilm, und da ich schon in mindestens 20 Filmjurys saß, dachte ich, dass ich darüber einen Film machen kann."

In seinem 20-minütigen Erstlingswerk "Jury" zeigt Kim Dong Ho das, was kein Festivalpublikum je zu sehen bekommt. Die Beratungen der Festival-Jury.

Hat eher das sozialkritische Bergarbeiter-Epos den Preis verdient, der romantische Liebesfilm, oder keiner von beiden? Die Jury wird sich einfach nicht einig. Das einzige westliche Jury-Mitglied murmelt seine Kritik am asiatischen Film allgemein in seine Campingweste. Der Jungregisseur plädiert für den engagierten Film, die berühmte Schauspielerin für Herzschmerz, dem Jury-Präsident knurrt der Magen und die japanische Filmemacherin schweigt lächelnd wie ein Glücksbuddha, weil sie die koreanisch-englischen Beratungen sowieso nicht versteht. Wie viele seiner realen Jury-Erlebnisse hat Kim Dong Ho im Film verarbeitet?

"Als ich 1999 Präsident der Jury des Rotterdamer Filmfestivals war, habe ich miterlebt wie die Leitung uns ganz schön zugesetzt hat, damit ein chinesischer Regisseur, der seinen Film ohne die Erlaubnis seiner Regierung eingereicht hatte, den Preis bekam, aber ich war von der künstlerischen Qualität nicht überzeugt. Und es gab heftige Diskussionen in der Jury."

In Kims Film eskaliert die Beratung zur handfesten Schlägerei. Am Ende hat die japanische Filmemacherin das letzte Wort. "Menschen gehen ins Kino, weil sie ihrem Alltag entfliehen wollen. Filme sind Träume", sagt sie. Da fällt es den Jury-Mitgliedern wie Schuppen von den Augen und sie beschließen, ihrer Kollegin den Preis zu geben. Das Plädoyer für die große Traummaschine allerdings entpuppt sich selbst als Traum der Japanerin, die im Kino eingeschlafen ist.

Abspann, Applaus, der Regisseur kommt auf die Bühne. Fragen aus dem Publikum? Ein verstohlener Blick auf die schlafende Sitznachbarin. Bloß nicht aufwecken. Sie könnte in einer der zahlreichen Filmjurys sitzen und gerade den nächsten Festivalfilm zusammenträumen.

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