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Fazit / Archiv | Beitrag vom 08.03.2010

Das Geheimnis eines Films

Argentiniens Oscar-Gewinner "El Secreto de sus Ojos"

Von Victoria Eglau

Hauptdarsteller und Crew von "El Secreto de sus Ojos", ganz links Regisseur Juan José Campanella (AP)
Hauptdarsteller und Crew von "El Secreto de sus Ojos", ganz links Regisseur Juan José Campanella (AP)

Der Oscar für "Das Geheimnis ihrer Augen" ist erst der zweite in der Geschichte des argentinischen Kinos. Der Film, eine Mischung aus Thriller, Politfilm und großem Gefühlskino, wurde in Argentinien von mehr als zweieinhalb Millionen Menschen gesehen.

Buenos Aires, Ende der neunziger Jahre. Ermittler Benjamín Espósito ist vor Kurzem in den Ruhestand gegangen. Doch ein grausames Verbrechen, das sich 25 Jahre vorher zugetragen hat, lässt ihm keine Ruhe. Der verurteilte Täter gelangte damals nach kurzer Zeit auf freien Fuß, danach verlor sich seine Spur.

Espósito beschließt, einen Roman über den Fall zu schreiben. Es wird nicht nur die Geschichte einer Suche nach Gerechtigkeit, sondern auch die Geschichte seines Lebens und seines Landes in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten. Es geht um Freundschaft, Rache, Staatsterrorismus und Liebe in ihren verschiedenen Spielarten. Der argentinische Film "El Secreto de sus Ojos", auf Deutsch "Das Geheimnis ihrer Augen", erzählt diese Geschichte auf brillante Weise.

"Normalerweise steht das argentinische Publikum heimischen Produktionen eher ablehnend gegenüber. Dass 'El Secreto de sus Ojos' solch massiven Zuspruch erfahren hat, liegt einfach daran, dass der Film zu den Leuten in ihrer eigenen Sprache spricht. Er hat eine unverfälscht argentinische Prägung. Der Rahmen, die Ausdrucksweise, die Situationen, die Personen – in all dem erkennen die Zuschauer ihre eigene Geschichte und Gegenwart wieder."

… versucht der Filmkritiker Marcelo Stiletano aus Buenos Aires das Erfolgsgeheimnis von "El Secreto de sus Ojos" zu erklären. Die argentinisch-spanische Koproduktion, eine Mischung aus Thriller, Politfilm und großem Gefühlskino, sahen in Argentinien mehr als zweieinhalb Millionen Menschen und auch in Spanien war der Streifen von Juan José Campanella ein Kassenerfolg.

Das "Geheimnis ihrer Augen" spielt zum großen Teil im monumentalen Gerichtspalast von Buenos Aires. Dort wird Ermittler Benjamín Espósito Mitte der siebziger Jahre seiner neuen Chefin Irene Menendez Hastings vorgestellt: einer attraktiven Juristin aus Argentiniens Oberschicht. Zwischen Espósito, verkoerpert vom argentinischen Schauspielstar Ricardo Darín, und Irene, gespielt von Soledad Villamil, entwickelt sich eine unausgelebte, anrührende Liebe über Klassengrenzen hinweg.

Nach der brutalen Ermordung einer jungen Frau verstricken sich Espósito, sein trunksüchtiger Freund und Kollege Sandoval und Irene in den Fängen einer politisch manipulierten Justiz. Nachdem sie den Mörder mit Beharrlichkeit und Raffinesse dingfest gemacht haben, müssen sie machtlos zusehen, wie dieser freigelassen und für eine regierungsnahe Killer-Truppe rekrutiert wird. Filmkritiker Marcelo Stiletano:

"Der Film schlägt eine Brücke zwischen der argentinischen Diktatur, die 1976 begann, und den Jahren davor. Von 1973 bis zum Militärputsch wurde die peronistische Regierung vom ultrarechten Lager dominiert, das über eine antikommunistische Terror-Organisation, die Triple A, verfügte. Der Schrecken, den diese verbreitete, war letztendlich ein Vorgeschmack auf den Staatsterrorismus der Militärdiktatur."

Über die Verbrechen der antikommunistischen Allianz Triple A, die Hunderte von Oppositionellen ermordete oder ins Exil trieb, ist in Argentinien bislang weniger diskutiert worden als über die siebenjährige Militärdiktatur. Juan José Campanellas Film sei daher auch ein interessanter Beitrag zur historischen Erinnerung, meint Filmkritiker Stiletano. Für Hauptdarsteller Ricardo Darín ist dies einer der größten Verdienste von "El Secreto de sus Ojos":

"In Argentinien haben wir ein Problem damit, uns zu erinnern, das ist ganz offensichtlich. Dieser Film hilft uns dabei, bestimmte Dinge zu überdenken. Er versetzt uns zurück in einen Moment unserer Geschichte, in dem einige von uns sicher folgenreiche Entscheidungen getroffen haben. El Secreto de sus Ojos regt an, darüber nachzudenken, inwieweit wir damals verantwortlich und beteiligt waren: mit unserem Denken, unseren Worten und unserem Handeln."

Nachdem Regisseur Campanella den Oscar für den besten nicht englischsprachigen Film in Los Angeles entgegen genommen hatte, freuten sich die Schauspieler Ricardo Darín und Soledad Villamil in Buenos Aires. Bei einer in der Nacht einberufenen Pressekonferenz pries Villamil den Hollywood-erfahrenen Regisseur, der nicht nur Filme dreht, sondern auch etwa Folgen der Serie Dr. House:

"Er erzählt Geschichten von gewöhnlichen Menschen, die aussergewöhnliche Dinge erleben. Es sind Personen, mit denen sich der Zuschauer identifizieren kann: Menschen mit Schwächen und Fehlern und Ängsten, die außergewöhnliche Situationen bewältigen müssen. Ich glaube, vor allem deshalb sind die Filme von Juan José Campanella so bewegend. Und weil seine Geschichten gekonnt erzählt sind, gute Dialoge, Charaktere und Humor enthalten."

Der Oscar für "El Secreto de sus Ojos" ist der zweite in der Geschichte des argentinischen Kinos. Vor genau einem Vierteljahrhundert wurde "La Historia Oficial - Die offizielle Geschichte" von Luís Puenzo ausgezeichnet. Der Film setzte sich, nur zwei Jahre nach der Rückkehr zur Demokratie, mit dem Verbrechen des Kinderraubs unter der Diktatur auseinander. Die Kameraführung übernahm damals Felix Monti – derselbe Mann, der auch "El Secreto de sus Ojos" ins Bild gesetzt hat.

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