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Das Ende der weißen Flecken

Dank der neuen Technologie LTE sollen bald auch die letzten Dörfer mit schnellem Internet versorgt werden

Von Po Keung Cheung

LTE kommt nicht über Land, sondern per Funk.
LTE kommt nicht über Land, sondern per Funk. (Stock.XCHNG / Vangelis Thomaidis)

Wer im ländlichen Raum wohnt, hat oft kein schnelles Internet. Für die Netzbetreiber ist es zu teuer, die Kabel auch in das kleinste Dorf zu verlegen. Mit LTE (long term evolution) soll das anders werden. LTE ist ein neuer und vor allem schneller Internet-Funkstandard.

Wustermark in Brandenburg, westlich von Berlin. Am Fuße eines rund 50 Meter hohen Sendemastes stehen zwei Techniker des Mobilfunkbetreibers Vodafone. In einem geöffneten Schaltschrank schieben sie eine kleine Steckkarte ein. Der Startschuss für LTE für die 8.000-Seelen-Gemeinde. Techniker Michael Roth:

"Dann wollen wir sie mal in Betrieb nehmen. Jetzt schließen wir hier praktisch oben die Endstufen an. So, Verbindungen sind hergestellt und der Kollege wird jetzt prüfen, ob oben alles erkannt wird."

Sein Kollege Sven Fiedler schaut auf sein Notebook und wartet, bis Steckkarte und Endstufen vom Netz erkannt werden. Das geht schneller als erwartet.

"So, die fünf Minuten sind nicht ganz um, sondern haben es in drei Minuten geschafft. Jetzt sendet die Vodafone-LTE-Station und ist für den Endkunden und Endverbraucher nutzbar."

LTE, der neueste Standard, bei dem die Datenübertragung im Mittelpunkt steht. Er ermöglicht nicht nur schnellere Verbindungen per Mobilfunk, sondern auch gegenüber den meisten kabelgebundenen Internet-Anschlüssen, etwa DSL. Hoffnung für etwa 770.000 Haushalte in den Gebieten, die bislang vergeblich auf Breitband-Internet gewartet haben. Für die Anbieter war das Verlegen von Leitungen in das letzte Dorf zu aufwändig und teuer. LTE ist nun eine Chance, die "weißen Flecken" zu stopfen, sagt Helmut Zeitz, bei Vodafone für den Technik-Bereich verantwortlich.

"Heute geht es um die Versorgung des ländlichen Raums und da besteht immer noch eine digitale Kluft. Gerade da, wo es auch wirklich gebraucht wird, von den Gewerbetreibenden, aber auch von den Bürgern, da ist es noch nicht verfügbar. Und wir haben vor anderthalb Jahren daher damit begonnen, das auch im ländlichen Raum zuerst auszustatten, die Stationen, die wir bereits auch seit früher betreiben. Und an den Orten, wo heute LTE verfügbar ist, haben Sie den Unterschied zwischen Stadt und Land beseitigt."

Dieses Engagement ist aber weniger eine milde Geste. Eher eine harte Lizenzauflage. Denn nur wer sich an der Versorgung des ländlichen Raumes mit schnellem Internet beteiligt, darf das Frequenzband 800 Megahertz nutzen. Dieses gilt als besonders lukrativ, denn seine Reichweite ist größer als bei höheren Frequenzen. Die Anbieter können so mit weniger Funkmasten eine Fläche mit Internet-Zugängen von bis zu 50 Megabit pro Sekunde versorgen. Neben Vodafone haben auch Telekom und O2 das lukrative Frequenzband ersteigert. Nach Vorgabe der Bundesnetzagentur müssen nun bis 2016 90 Prozent aller kleinen Orte und 50 Prozent der Bevölkerung mit schnellem Internet versorgt werden.

"Dass ich diese Möglichkeit habe, Breitbandanschlüsse per LTE zu nutzen, ermöglicht es vielen Gemeinden erstmal, neue Ansiedlungen vorzunehmen. Denn Unternehmen siedeln sich nur dort an, wo die Voraussetzungen stimmen."

Die Netzbetreiber haben aber nicht nur den ländlichen Bereich im Auge. Auch Städte werden mit LTE versorgt. Das dürfen sie erst, wenn in dem Bundesland genügend "weiße Flecken" gestopft sind. Obwohl die Städte meist eine gute Versorgung mit schnellem Internet haben, ist der Ausbau mit LTE trotzdem lukrativ, sagt Telekom-Sprecher Georg von Wagner:

"Die hilft uns dabei, Kapazitäten aufzustocken. Das heißt also, die Menschen, die große Datenmengen verschicken wollen, haben mit LTE in den Städten jetzt die Möglichkeit, auch in Zeiten, wo sehr viel Verkehr im Mobilfunk ist, diese Daten wegzuschicken und stehen dann nicht länger im Stau. Das ist die Strategie, die wir damit verfolgen, die Netze der vorherigen Generationen durch die neue Generation zu entlasten."

Anders als auf dem Land nutzt die Telekom in den Städten LTE auf der höheren Frequenz 1.800 Megahertz. Sie bietet zwar eine kleinere Reichweite pro Sendemast, aber dafür höhere Geschwindigkeiten: bis zu 100 Megabit pro Sekunde. Darüber hinaus gibt es auch noch den Frequenzband 2.600 Megahertz, den Vodafone und O2 später nutzen wollen, um ähnlich schnelle Verbindungen anbieten zu können. Breitband-Internet, das ist eine große Herausforderung für die Netzbetreiber, sagt Telekom-Sprecher Georg von Wagner.

"Der Breitbandhunger der Deutschen ist ungebremst, gerade in den letzten Jahren, also wir stellen fest, dass wir mit normalen Megabytes da fest nicht mehr hinkommen, also mussten wir auf der Luftschnittstelle etwas tun."

Von komplexer Technik und Frequenz-Wirrwar soll der Kunde aber nichts mitbekommen. Er will einfach und überall ins Netz gehen können, egal ob mobil, zuhause oder im Büro. Dafür gibt es verschiedene Lösungen. Zum Beispiel einen LTE-Stick. Er wird in einen mobilen Computer gesteckt, wie Helmut Zeitz von Vodafone es vorführt.

"Starten wir es einfach mal und wir sehen, wir sind wirklich eins, zwei fix bei 16 MBit pro Sekunde, trotz dieser kleinen Anordnung hier. Ich öffne jetzt einfach mal eine von diesen Mediatheken, so da ist sie schon - die WISO-Sendung von gestern. Auch wenn ich sie verpasst habe, ich kann sie mir unterwegs anschauen."

Auch Mobiltelefone gibt es mittlerweile mit dem Datenturbo LTE. Und für die Nutzung zuhause oder im Büro werden spezielle Router verkauft, die per Funk mit dem Internet verbunden sind. Mit ihnen kann LTE wie ein normaler DSL-Anschluss genutzt werden. Diese Flexibilität, mobile und stationäre Nutzung, macht LTE so besonders, sagt Helmut Zeitz.

"Es geht heute nicht mehr darum, schnelle Internetzugänge zu nutzen, sondern sie überall nutzen zu können. Schauen wir uns an, wie mobil unsere Welt geworden ist. Wir haben die Gewerbetreibenden, die unterwegs darauf angewiesen sind, auf Firmennetzwerke zuzugreifen. Aber auch den Bürger, wer in der einen oder anderen Art und Weise sozial verknüpft ist und seine Netzwerke nutzen möchte, von überall her, wo er gerade ist."

Ein Komfort, der kostet, denn LTE ist teurer als ein normaler DSL-Anschluss. Je nachdem welchen Anbieter man wählt und vor allem welches Paket man bucht. Immerhin zeigt die Erfahrung, dass Preise langfristig sinken. Die Netzbetreiber argumentieren mit ihren hohen Anfangsinvestitionen, schließlich arbeiteten sie mit Hochdruck am Ausbau des LTE-Netzes. Aber sie versprechen: Schon in wenigen Jahren sind die meisten "weißen Flecken" auf der Breitband-Landkarte verschwunden.

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