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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 12.01.2007

Das Einfache als Erfolgsrezept

Raketenkonstrukteur Sergej Koroljow brachte die sowjetische Raumfahrt voran

Von Mirko Smiljanic

Juri Gagarins Jungfernflug wäre ohne Koroljows Arbeit nicht möglich gewesen. (AP Archiv)
Juri Gagarins Jungfernflug wäre ohne Koroljows Arbeit nicht möglich gewesen. (AP Archiv)

Sergej Pawlowitsch Koroljow gilt als Vater der sowjetischen Raumfahrt. Unter seiner Leitung wurde der erste Sputnik in den Orbit geschossen, kurze Zeit später folgten eine Hündin und Juri Gagarin als der erste Mensch. Vor 100 Jahren wurde Koroljow geboren.

Es ist die Nacht vom 11. zum 12 April 1961. Das Raketenstartgelände Baikonur in der Steppe nordöstlich des Aralsees ist wie ausgestorben, niemand hält sich draußen auf. Nur eine mächtige Trägerrakete signalisiert, dass irgendetwas anders ist als sonst. Niemand ahnt, dass die Sowjetunion in wenigen Stunden Juri Gagarin als ersten Menschen in den Weltraum transportiert.

"Auf geht's!", so Gagarins Kommentar. Der Rest ist Geschichte: Die bemannte Raumfahrt nahm hier ihren Anfang, und Amerika setzte zu einer gewaltigen Aufholjagd an. Immerhin herrschte der Kalte Krieg, und dass die Sowjetunion gerade auf diesem prestigeträchtigen Feld die Nase vorn hatte, war ein Schock. Ausgelöst hat ihn der damals 53-jährige Sergej Pawlowitsch Koroljow.

"Koroljow war ein unglaublich intelligenter Ingenieur und Konstrukteur, ein sehr weitsichtiger Mensch, man vergleicht ihn gerne mit Wernher von Braun, der also die sowjetische Raketenentwicklung und später auch Entwicklung von Satelliten und später auch von bemannten Flugkörpern vorangetrieben hat","

erklärt der Raumfahrtexperte Mathias Gründer. Koroljow wurde am 12. Januar 1907 in Shitomir in der Ukraine geboren. Er studierte am Moskauer Luftfahrtinstitut und trat 1931 als Gründungsmitglied der Moskauer "Gruppe zum Studium der Rückstoßbewegung" bei, zwei Jahre später veröffentlichte er eine Arbeit mit dem Titel "Der Raketenflug in die Stratosphäre". Koroljow war ein Visionär, aber er war kein Fantast.

""Man nannte ihn einen russischen Preußen, weil er unglaublich viel Wert legte auf Ordnung, Disziplin, gerade an den Bereich der Hochtechnologie kann man ja nicht mit dem Vorschlaghammer herangehen."

Was ihm allerdings nichts gegen Stalins Schergen half. 1938 verhaftete ihn der KGB unter dem Vorwand, die Kosten für den Umbau eines Gebäudes künstlich in die Höhe getrieben zu haben, um damit den Bau eines Instituts für Raketen- und Weltraumtechnologie zu unterstützen. Der Prozess dauerte wenige Minuten, Koroljow wurde zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt. Einige Jahre später holte man ihn aber nach Moskau zurück. Von 1942 bis zu seiner Freilassung 1944 konstruierte er Triebwerke für Jagdflugzeuge. Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges schickte ihn die Regierung nach Deutschland, damit er sich dort einen Überblick über den Stand der Raketenentwicklung verschafft. Er kam mit Plänen und Ingenieuren zurück.

"Koroljows zentrale Leistung war, dass er aus den eigenen Entwicklungen vor dem Krieg und den Erkenntnissen, die er aus den erbeuteten deutschen Unterlagen gewonnen hat, eine funktionsfähige strategische Kampfrakete entwickelt hat,"

eine Rakete, die Atomsprengköpfe bis in die USA transportieren kann. Er hat sie konstruiert, sein Ziel aber war die friedliche Raumfahrt: Er wollte einen Satelliten im All aussetzen. Koroljow ahnte nicht, was für eine Lawine er damit losgetreten hatte.

"Es überschlugen sich die Ereignisse, man verlangte von ihm binnen kürzester Zeit einen Satelliten zu bauen, binnen kürzester Zeit einen zweiten Satelliten mit einem Hund hinterherzuschicken und dann zu sagen, jetzt müssen wir einen Menschen ins Weltall schicken, denn das wurde ja im Propagandakrieg unglaublich ausgeschlachtet."

Sergej Pawlowitsch Koroljow - seine Mitarbeiter nannten ihn einfach SP - verschwand aus der Öffentlichkeit. Trotz mancher Rückschläge hat der russische Preuße aber alle Aufgaben gemeistert: Ohne ihn hätte die sowjetische Raumfahrt dieses Niveau nicht erreicht, was übrigens bis heute nachwirkt. Unter Koroljows Führung startete 1957 die erste Sojus-Rakete. Sie ist ein einfaches, unverwüstbares Arbeitstier der Raumfahrt, dem bis heute ein sauberer Start nach dem anderen gelingt, im Gegensatz zum krisengeschüttelten US-amerikanischen Shuttle-Programm.

"Einer von Koroljows Sprüchen, der heute ein geflügeltes Wort der russischen Raumfahrt ist, heißt: 'Kompliziert bauen kann jeder, die Einfachheit bestimmt unser Tun.'"

Sergej Pawlowitsch Koroljow starb 1966 nach einer Routineoperation im Alter von nur 59 Jahren.

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