Seit 13:05 Uhr Musik im Gespräch
 
Donnerstag, 5. Mai 2016MESZ14:27 Uhr

Literatur / Archiv | Beitrag vom 24.06.2012

"Das Beben beim Klang der Stufen"

Literarische Texte von der Treppe

Von Tobias Wenzel

Treppen sind für Schriftsteller ein reizvoller Ort. (Stock.XCHNG)
Treppen sind für Schriftsteller ein reizvoller Ort. (Stock.XCHNG)

Wir treten sie mit Füßen, ohne sie zu beachten. Dabei wäre eine Welt ohne die Treppe auch im übertragenen Sinn flacher. Das jedenfalls behauptet der Schweizer Autor Thomas Hürlimann. Damit ist er bei weitem nicht der einzige Treppenliebhaber unter den Schriftstellern.

Der US-Amerikaner Nicholson Baker hat die Handlung eines seiner Romane auf einer Rolltreppe angesiedelt, in Heimito von Doderers Roman "Die Strudlhofstiege" wird die Treppe zum stummen Hauptakteur und Zeitzeugen. Andere Schriftsteller benutzen die technische Konstruktion, um Spannung zu erzeugen oder einen Ort der Magie zu schaffen. "Ich bebte allemal, wenn sie (die Stufen) von einem Paar Füßen in einem mir unbekannten Ton heraufgespielt wurden", notierte Georg Christoph Lichtenberg in eines seiner Sudelbücher.

Die Treppe ist so reizvoll, weil sie etwas über den Menschen verrät, der sie betritt, so Friedrich Mielke. Der 87-Jährige hat die Treppe zur wissenschaftlichen Disziplin erhoben und auch literarische Texte analysiert. "Don Quijote", sagt Mielke, kann ohne Sancho Panza nicht leben, aber Sancho Panza sehr gut ohne Don Quijote. Der Diener ist immer der stärkere. Und die Treppe ist der Diener."


Manuskript zur Sendung als PDF-Dokument oder im barrierefreien Textformat

Literatur

Lyrik lesen Gedichte im Gespräch
Die für den Leipziger Buchpreis nominierte Autorin Marion Poschmann sitzt am 17.03.2016 auf der Buchmesse in Leipzig (picture-alliance / dpa / Jan Woitas)

Aktuelle Verse von Marion Poschmann, Charles Simic und Hendrik Rost: In der Premiere von "Lyrik lesen" diskutieren Jan Bürger, Gregor Dotzauer und Insa Wilke über die Gedichtbände – und haben jeweils auch einen eigenen Lyrik-Tipp im Gepäck.Mehr

SelbstentblößungVon der Bekenntniswut der Autoren
Der österreichische Schriftsteller Josef Winkler (picture-alliance/ dpa / Fredrik von Erichsen)

Das eigene Leiden auszustellen ist keineswegs neu. Der Schmerz als Versicherung der eigenen Existenz ist Teil der abendländischen Tradition in Literatur und Kunst. In jüngerer Zeit fällt jedoch auf, wie sehr der Bekenntnismut umschlägt in regelrechte Bekenntniswut. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

fghjghj