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Feiertag / Archiv | Beitrag vom 27.01.2013

Darf das Heil etwas kosten?

Von Kirchensteuer, Spenden und Kirchgeld

Von Ute Eberl, Berlin

Jesus am Kreuz
Jesus am Kreuz (Stock.XCHNG / Robert Aichinger)

Glaube und Geld: das will nicht recht zusammenpassen. So sehr auch nachvollziehbar ist, dass die Kirche für ihre vielfältigen Aufgaben Geld benötigt, so sehr gerät man ins Stocken, wenn der Zugang zu den Sakramenten an einen pekuniären Beitrag gebunden ist. Seltsam, dass die Begegnung mit dem Heiligen etwas kosten soll.

Religion und Geld sind schon ein seltsames Gespann. Man kann trefflich über Sinn und Unsinn der Kirchensteuer diskutieren. Auch darüber streiten, ob es nicht viel zu teuer ist, alle Kirchengebäude zu erhalten. Und unterschiedlicher Meinung darf man sein, wenn die Ausgaben von Papstreisen beziffert werden. Aber wenn es ans Eingemachte geht, an den Kern des Glaubens - dann klingt es fast unanständig, von Geld zu sprechen. Glaube hat doch nichts mit Geld zu tun! Glauben können ist ein Geschenk, eine Gnade - absolut unbezahlbar, absolut unverfügbar!

In einem Atemzug von Glaube und Geld sprechen - da sperrt sich was. So sehr auch nachvollziehbar ist, dass die Kirche für ihre vielfältigen Aufgaben Geld benötigt, so sehr gerät man ins Stocken, wenn die Begegnung mit dem Heiligen etwas kosten soll.

Umso spannender die Debatte Ende letzten Jahres, als die deutschen Bischöfe klarstellten, was zu erwarten hat, wer aus der Kirche austritt. Genauer gesagt: wer aus der Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts austritt und somit auch keine Kirchensteuer mehr zahlt.

Die deutschen Bischöfe haben im September letzten Jahres ein Schreiben aufgesetzt, das per Brief vom jeweiligen Ortspfarrer an Austrittswillige verschickt werden soll. In dem Schreiben der Bischöfe heißt es:

"Die Erklärung des Kirchenaustritts zieht folgende Rechtsfolgen nach sich:
Als aus der Kirche ausgetretene Person
- dürfen Sie die Sakramente der Buße, Eucharistie, Firmung und Krankensalbung – außer in Todesgefahr - nicht empfangen,
- können Sie keine kirchlichen Ämter bekleiden und keine Funktionen in der Kirche wahrnehmen,
- können Sie nicht Taufpate und nicht Firmpate sein,
- Wenn Sie eine kirchliche Ehe schließen möchten, muss zuvor eine Erlaubnis zur
Eheschließungsassistenz beim Ortsordinarius eingeholt werden. Diese setzt Versprechen über die Bewahrung des Glaubens und die katholische Kindererziehung voraus.
Ebenso kann Ihnen, falls Sie nicht vor dem Tod irgendein Zeichen der Reue gezeigt haben,
das kirchliche Begräbnis verweigert werden."


Das Schreiben der Bischöfe - vom Stil her eine Belehrung - endet mit einer durchaus ernstgemeinten Einladung zum Gespräch: möglicherweise überdenkt der Austrittswillige ja seinen Schritt noch mal. "Aber "- so heißt es weiter - "auch wenn Sie nicht an eine Änderung Ihres Entschlusses denken, bin ich an einem Gespräch mit Ihnen interessiert".

Nicht nur in den katholischen Gemeinden, auch im Blätterwald der Medien rauschte es mächtig: "Wer nicht zahlt, muss draußen bleiben" wurde da getitelt ( Die Welt 21.09.12). Oder anders: "Wehe, Ihr zahlt nicht mehr!" (ZEIT: 24.12.2012)

Die Verlautbarung der Bischöfe hat einen seltsamen Beigeschmack. Aus mehreren Gründen. Menschen, die aus voller Überzeugung der Kirche den Rücken kehren wollen, wird das Schreiben nicht allzu sehr wehtun. Anders werden es die hören, die aus dem Kirchensteuersystem austreten wollen, nicht aber aus ihrem Glauben. Denn getauft ist getauft - und da rüttelt keine Kirchensteuer dran.

Aufgerührt hat es aber auch manche, die ganz bewusst in der Kirche sind. So sehr die einen die Klarstellung der Bischöfe begrüßten, so entsetzt und verärgert regierte so mancher Pfarrer auf den Vorstoß der Bischöfe. Eine "Keule" sei er, "was von den Bischöfen als pastorales Schreiben übertitelt ist, sei nichts anderes als eine unverhohlene Drohung", hieß es in den Nürnberger Nachrichten (21. Nov. 2012, S. 15).

Der Protest aus unterschiedlichen Ecken zeigte Wirkung. Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, kündigte an, dass das Schreiben nochmal überarbeitet wird. Der Ton soll versöhnlicher werden.

Der Beigeschmack, den das Schreiben der Bischöfe hervorrief, hat aber noch eine andere Frage wachgerüttelt - fast kurios: kostet ein Sakrament, kostet das Heil etwa doch etwas? Den Beitrag meiner Kirchensteuer?

Würde ich als Katholikin in Frankreich leben, wäre mir die Kirchensteuer fremd. Allerdings würde ich in Frankreich vom Bischof meiner Diözese gebeten, einen persönlichen Beitrag zur Finanzierung der Kirche zu leisten. Auch wenn ich es nicht täte, keiner käme auf die Idee, mich deshalb nicht als Katholikin zu sehen oder mich gar von den Sakramenten auszuschließen.

Würde ich als Katholikin in Italien leben, so wäre ich zwar vom Staat zur Abgabe einer Kultursteuer verpflichtet, dürfte aber selbst entscheiden, ob ich diese Steuer für meine Kirche, für die Denkmalpflege oder für soziale Zwecke verwendet sehen will. Das könnte ich auf meiner Steuererklärung angeben. Und: ich bliebe durch und durch katholisch, auch wenn ich mich für eine Sozialabgabe und nicht für meine Kirche entscheiden würde.

Allerdings könnte ich weder in Italien, noch in Frankreich aus der Kirche austreten. Ich kann mich bewusst abwenden, die Kirche kann mir egal sein: aber austreten kann ich nicht. Denn getauft ist getauft. Und das Siegel der Taufe ist unauslöschbar. Die Kirche versteht sich ja nicht in erster Linie als Verein mit Mitgliedsbeiträgen, sondern als Heilsgemeinschaft, zu der ich durch die Taufe gehöre.

Es ist deutsches Sondergut, die Zugehörigkeit zur Kirche an der Kirchensteuer festzumachen, die dazu auch noch vom Staat eingezogen wird. Geschichtlich gewachsen und nicht vom Himmel gefallen. Das deutsche System ist einmalig. Als Katholik versteht man sich ja aber immer auch als Weltbürger: daher kann man die deutsche Kirchenfinanzregelung vernünftig und gut heißen oder - mit Blick in andere Länder - auch ganz anderer Meinung sein.
Im katholischen Kirchenrecht - und das gilt weltweit für alle Katholiken - heißt es im Kapitel "Rechte und Pflichten aller Gläubigen" lapidar:

"Die Gläubigen sind verpflichtet, für die Erfordernisse der Kirche Beiträge zu leisten, damit ihr die Mittel zur Verfügung stehen, die für den Gottesdienst, die Werke des Apostolats und der Caritas sowie für einen angemessenen Unterhalt der in ihrem Dienst Stehenden notwendig sind." (CIC, Can. 222 — § 1.)

Dass Seelsorge kostet ist einsichtig. Wie diese Beiträge zu leisten sind, ob durch Naturalien, Spenden, Kirchgeld oder eben Kirchensteuer, das wird in der Weltkirche sehr unterschiedlich beantwortet und geregelt.

Es gibt noch eine andere Seite der Medaille 'Geld und Religion' - jenseits der Fragen um die Kirchensteuer: Viele Menschen - auch ich - zünden gern in der Kirche eine Kerze an. Und sie haben kein Problem damit, dafür einige Münzen in das bereitstehende Kästchen fallen zu lassen. Ein Teelicht kostet höchstens 20 Cent. Ich kann mich nicht erinnern, jemals nur 20 Cent dagelassen zu haben. Eine seltsame Bewegung ist das. Glaube ich, dass mein Gebet dann eine wohlwollendere Fürsprache erhält? Oder ist es einfach gute Gewohnheit - aus dem Vertrauen heraus, dass meine Spende gerade hier, in der Kirche, gut aufgehoben ist. Oder ist es der Wunsch etwas tun zu können, wenn Menschenwerk nicht mehr helfen kann?

Ich kenne das Bedürfnis, etwas zu geben, auch aus anderen Zusammenhängen.

Wer schon mal Pflege in Anspruch genommen hat - ob zu hause oder im Krankenhaus - der kennt den Unterschied: es gibt eine Pflege, die sich nach Leistungen verrechnen und abhaken lässt. Und es gibt Pflege, die darüber hinaus mit Zuwendung verbunden ist. Die Krankenschwester, die in mir nicht nur die Gallenblase oder die Bandscheibe, sondern mich als Person sieht, erhält meinen besonderen Dank, oft verbunden mit einem Blumenstrauß. Der Mehrwert, den ich in einer liebevollen Pflege erhalte, der taucht in keinem Kostenplan auf. Es gibt ihn trotzdem. Er weckt mein Bedürfnis, etwas zu geben, auch wenn schon alles bezahlt ist.

Ein anderes Beispiel: Ich arbeite oft mit Paaren, die sich auf die kirchliche Trauung vorbereiten. Fast eine Standartfrage der Paare an mich ist: "Und was kostet die kirchliche Trauung?". Ich versichere den Paaren dann, dass die Trauung nichts kostet, wenn sie in ihrer Pfarrei heiraten. So wird gleich nachgeschoben: "Aber was gibt man denn da so - also als Spende?" Für Hochzeiten wird heutzutage ein großer Aufwand getrieben. Die Kleidung muss stimmen, ein feines Menu soll es sein, Hotelübernachtungen für die Gäste wollen organisiert werden. Ja überhaupt die Gästeliste - wie viele Gäste können wir uns leisten? Das geht richtig ins Geld. Und dann die große Überraschung: die Feier in der Kirche kostet nichts. Obwohl doch das Ritual in der Kirche der Anlass für die Feierlichkeiten ist. Paare, die kirchlich heiraten, wünschen sich den Segen Gottes für ihre Ehe. Sie wünschen sich eine Zusage, die sie sich selbst nicht geben können.

Im Segen für das Brautpaar heißt es:

"So bitten wir dich, menschenfreundlicher Gott, schau gütig auf die beiden, die vor dir stehen und deinen Segen erhoffen.

Dein Heiliger Geist schenke ihnen Einheit und heilige den Bund ihres Lebens.
Er bewahre ihre Liebe in aller Bedrohung; er lasse sie wachsen und reifen und einander fördern in allem Guten.

Hilf ihnen, eine christliche Ehe zu führen und Verantwortung in der Welt zu übernehmen;
verleihe ihnen Offenheit für andere Menschen und die Bereitschaft, fremde Not zu lindern.
Schenke ihnen das Glück, Vater und Mutter zu werden, und hilf ihnen, ihre Kinder christlich
zu erziehen.

Gewähre ihnen Gesundheit und Lebensfreude bis ins hohe Alter, schenke ihnen Kraft und
Zuversicht in Not und in Krankheit. Am Ende ihres Lebens führe sie in die Gemeinschaft der
Heiligen, zu dem Fest ohne Ende, das du denen bereitest, die dich lieben."


Der Schritt in das Leben zu zweit soll gesegnet sein, da soll Gott seine Hand drüberhalten. Hochzeitspaare wissen genau, dass sie den Segen Gottes nicht kaufen können. Das, was sie am meisten ersehnen, ist nicht käuflich. - Und für manche heißt das: Dann doch wenigstens eine Spende geben dürfen!

Eine ähnliche Bewegung begegnet mir bei Beerdigungen. Bei der kirchlichen Beerdigung wird für den Verstorbenen gebetet wie auch für die Angehörigen. Der Sarg wird mit Weihwasser besprengt. Das Weihwasser steht für die Erinnerung an die Taufe. Der Pfarrer betet am offenen Grab für den Verstorbenen:

"Durch die Taufe gehörst du Christus an, ihm bist du gleich geworden im Tod, er führe dich zur Herrlichkeit des ewigen Lebens."

Schmerz und Trauer der Angehörigen werden ins Gebet gehoben: die Unsicherheit vor dem ungewissen Jenseits und die Angst vor dem veränderten Diesseits für die Hinterbliebenen. Sicherlich auch die Suche nach Frieden. Denn, wenn einer stirbt, dann bleibt auch immer einer zurück, der gerne noch was geklärt, was bereinigt hätte.

Die Gebete am Grab wollen das Zittern der Seele lindern. Sie sprechen von der Hoffnung auf ein Wiedersehen im Himmel. Es sind Worte, die ich mir zusagen lassen will und die mir biblisch verbrieft zugesagt sind.

Die Bestattung ist teuer. Der Dienst des Priesters bei der Bestattung kostet nichts. Trotzdem haben Angehörige oftmals das Bedürfnis, bei der Bestattung Geld zu spenden. Das Bedürfnis, etwas geben zu dürfen - auch wenn schon alles bezahlt ist.

Anscheinend ist in solchen Schwellensituationen bei vielen Menschen der Wunsch groß, etwas zu geben. Es gibt da keinen "Heil und Kostenplan" wie beim Zahnarzt. Das geschieht aus einem inneren Antrieb heraus.

Zu einem Todesfall in meiner Familie schickten uns Verwandte 45 €. Nicht Kranz oder Blumen, sondern was für die Ewigkeit sollte es sein. In der katholischen Kirche ist es guter Brauch, für Verstorbene zu beten. Und es ist guter Brauch, ihrer besonders in der heiligen Messe zu gedenken. Der Verstorbene wird dann namentlich in der Messe genannt, so dass alle, die die Messe mitfeiern, ihn mit in ihr Gebet einschließen. Den Geldbetrag legten meine Tanten bei, um die Messstipendien zu finanzieren. Messstipendium nennt man die Gabe an den Priester, wenn ich um das Gebet für ein bestimmtes Anliegen in der heiligen Messe bitte. Was mich verwundert hat war nicht der Wunsch meiner Tanten, für unseren Verstorbenen zu beten, sondern dass sie anscheinend genau wussten, was drei Messen 'kosten'. Das 'kosten' sage ich jetzt in Anführungsstrichen.

Lange bevor die Kirchensteuer erfunden wurde, war es üblich, dass die Gläubigen zur Messe etwas mitbrachten: Naturalien waren es meist, aber auch Kerzen und Weihrauch für den Gottesdienst. Um den Unterhalt des Priesters zu sichern, der ja kein Einkommen hatte, war es eine Selbstverständlichkeit, dass die Gläubigen ihn mit ernährten. Ein Relikt aus dieser Zeit sind heute noch die sogenannten Messstipendien. Allerdings werden sie in Deutschland nicht mehr zum Unterhalt des Priesters benötigt, sondern für caritative Zwecke verwendet oder in Länder weitergegeben, in denen der Unterhalt des Priesters nicht wie bei uns durch das Kirchensteuersystem abgesichert ist.

Im katholischen Volksmund heißt es dann: "Ich möchte eine heilige Messe bestellen, was kostet das?". Über diese Formulierung darf man wahrlich stolpern. Und die Hinweise in so manchem Pfarrblatt, stattdessen genauer zu sagen: "Ich möchte um das Gebet der Gemeinde in meinem Anliegen bitten", das setzt sich nur langsam durch.

Für manche klingt das nach einem Kuhhandel. Soll da mit Geld das Seelenheil erkauft werden? Das klingt ja wie damals zu Reformationszeiten: "Wenn der Taler im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegfeuer springt". Um Missverständnisse gleich auszuräumen: in jeder heiligen Messe wird für die Verstorbenen gebetet. Und wer um eine bestimmte Messintention bittet, der kann etwas spenden, muss es aber nicht. Trotzdem ist die Tradition, diese Bitte mit einer Spende zu verbinden, in der katholischen Kirche groß.

Die Spende erhält eine zeichenhafte Bedeutung. Wer sich in der Feier der Messe von Gott beschenken lässt, weiß sich selbst verpflichtet zum Geben. Das kann ich auf vielfältige Weise tun. Auch mit einer Spende, bei der ich mir sicher sein darf, dass sie Bedürftigen zu Gute kommt.

Was kann man tun, wenn man nichts mehr tun kann. In den Zeiten der kleinen und großen Unsicherheiten im Leben, die einen ungewissen Ausgang haben.

Vor dem Traualtar stehen - und doch die Zukunft nicht in der Hand haben. Um einen Verstorbenen weinen - und hoffen, dass für ihn ein guter Platz in der Ewigkeit bereitet ist. Die Kerze anzünden, beten – und eher genötigt als freiwillig erkennen, dass ich alles erhoffen, aber nicht alles kontrollieren kann.

Da sind Rituale hilfreich, die die Heilszusage erfahrbar werden lassen. Sie kosten nichts, aber manche geben trotzdem gern. Nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Diese Gebärde drückt dann aus, was im Inneren lebt, was das Herz fühlt und was der Sinn meint. Sie wirkt aber auch in dieses Innere hinein, sie gibt ihm Halt.

Die Haltung des Gebens ist eine Herzensbewegung. Es ist keine Rechnung, die ich bezahlen müsste.

Lothar Zenetti , Theologe und Schriftsteller, beschreibt es köstlich:

Einmal wird uns gewiss
die Rechnung präsentiert
für den Sonnenschein
und das Rauschen der Blätter,
für den Schnee und den Wind,
für die Luft, die wir geatmet haben,
und den Blick auf die Sterne,
und für alle die Tage, die Abende und die Nächte.
Einmal wird es Zeit, dass wir aufbrechen und bezahlen:
Bitte die Rechnung.
Doch wir haben sie ohne den Wirt gemacht:
Ich habe euch eingeladen,
sagt der und lacht, soweit die Erde reicht:
Es war mir ein Vergnügen.


Bezahlt ist schon alles. Gott hat schon einmal und ein für alle Mal im wahrsten Sinne des Wortes unsere Rechnungen durchkreuzt. Es gibt deshalb nichts mehr abzuarbeiten. Dafür darf ich danken. Die Dankbarkeit kann mich selbst zum Geben treiben. Wer sich reich beschenkt weiß, gibt gerne weiter. Ich bin mir sicher: Gott hat keine Kostenpläne für seine Menschen. Gott trägt für jeden von uns einen grandiosen Heilsplan im Herzen.

Musik und Literatur dieser Sendung
•CD Short tales for a viol. English music of the 17 th century for viola da gamba and lyra-viol, Interpret: Vittorio Ghielmi, 2004 Winter & Winter, München
• Allgemeines Dekret der Deutschen Bischofskonferenz zum Kirchenaustritt vom 20.09.2012: "Pastorales Schreiben - an die aus der Kirche ausgetretene Person unmittelbar nach Kenntnisnahme des Kirchenaustritts"
http://www.dbk.de/presse/details/?presseid=2168&cHash=39c11c115b880e0470f356fe77e7e5a0
•Lothar Zenetti, Auf seinen Spuren. Texte gläubiger Zuversicht, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz, 2. Aufl. 2001


Die redaktionelle und inhaltliche Verantwortung für diesen Beitrag hat der katholische Senderbeauftragte für Deutschlandradio Kultur, Pfarrer Lutz Nehk.