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Feiertag / Archiv | Beitrag vom 22.07.2012

"Dann wird die Wüste zum fruchtbaren Land"

Biblische Landschaften als Spiegel der Seele

Von Dietrich Heyde, Jübek

Die Wüste spielt in der Bibel eine herausragende Rolle.
Die Wüste spielt in der Bibel eine herausragende Rolle. (Deutschlandradio - Daniela Kurz)

Man hat von der biblischen Landschaft als vom fünften Evangelium gesprochen. Stimmt das? Können Orte Worte aufschließen? Dietrich Heyde sucht am Beispiel der Wüste nach einer Antwort und entdeckt die Landschaft als Spiegel der Seele, aber auch die Seele des Menschen als Spiegel der Landschaft.

Welche Bedeutung haben biblische Landschaften und Orte für das Verständnis und die Auslegung biblischer Texte? Kann die Landschaft, können Orte einen Zugang zum biblischen Wort schaffen, es erschließen und aufschließen? Ja, darf man soweit gehen, mit Blick auf die biblischen Landschaften als dem "5. Evangelium" zu sprechen?

Vor Jahren hörte ich auf dem Zionsberg in Jerusalem einen Vortrag unter dem Titel: "Das Land als Kontext, um Tradition zu lernen." Darin erklärte der Referent, das Land sei sein Lehrer. Und er sprach von der "Geografie des Heils", wo Gott sich offenbart habe. Ob man soweit gehen darf, mag fraglich sein. Aber dies habe ich, sooft ich im Land der Bibel war, selbst vielfältig erfahren: Der topografische Hintergrund verhilft tatsächlich zu einem besseren Verständnis der biblischen Texte. Es ist der Kontext, ein Mit-Text, der hilft, biblische Worte aufzuschließen. Denn Worte haben ihre Orte.
Die jüdische Dichterin Else Lasker-Schüler, die 1933 nach Jerusalem emigrierte und dort am 22. Januar 1945 starb, schrieb in ihrem Buch "Hebräerland":

"Man muss in Palästina leben oder eine Weile gelebt haben, um an die Wahrheit unserer gebenedeiten Bücher nicht mehr zu rühren. Der Aufenthalt im Gelobten Lande, vor allen Dingen in Jerusalem, stärkt den Glauben an Gott." (1)

Im Grunde ist alles, was existiert, einem Prozess der Veränderung und Verwandlung unterworfen. Das gilt auch für die Landschaft. Sie ist in biblischer Sicht nicht Objekt, nicht statisch, sondern Subjekt und damit eine dynamische Größe. Ich könnte auch sagen: Sie ist wie alles, was existiert, der Zeit unterworfen. Als Teil der Natur, die dem Werden und Vergehen unterworfen ist, gehört die Landschaft dennoch zu den Zeitkonstanten. Denn sie sieht dich dort, wo sie nicht in die Hände des Menschen gefallen ist, noch genauso an wie vor tausend, zweitausend oder dreitausend Jahren.
Anatot zum Beispiel, wo der Prophet Jeremia als Spross einer Familie von Priestern zur Welt kam – heute ein arabisches Dorf, nicht fern von Jerusalem – schmiegt sich nach wie vor in die ländliche Umgebung ein, die der Prophet in seinen Verheißungen erwähnt:

"Dieselben mühsam zu bestellenden Äcker, derselbe großartige Dreiklang aus Oliven, Gerste und Feigen, dieselben staubbedeckten Weinstöcke, dieselben kahlen Berge und Täler, in denen kleine Schafherden weiden. Es gibt im rauen Gelände plötzliche Abbrüche in die Tiefe. Und unmittelbar dahinter erstreckt sich gewaltig und ehrfurchtsgebietend – die Wüste."

Alles wie vor dreitausend Jahren. Es ist die Landschaft, die dich gleichzeitig macht mit der Welt eines Jeremia.

Dass biblische Landschaften nicht Objekt, sondern Subjekt sind und damit eine dynamische Größe, hat noch eine weitere Bedeutung:
Nur ein Subjekt kann jubeln, loben und preisen. Und nur ein Subjekt kann trauern, klagen und Schmerz empfinden. In biblischer Sicht hat nicht nur der Mensch eine Seele, auch die Natur, auch die Landschaft. Als David seine Klage über den Tod seines Freundes Jonathan anstimmt, da ruft er den Bergen von Gilboa zu:

"Ihr Berge von Gilboa, es soll weder tauen noch regnen auf euch, ihr trügerischen Gefilde." (1Sam 1,21)

Die Berge stehen also nicht passiv neben dem Geschehen. Sie sind nicht unbeteiligt. Sondern nehmen teil am Geschick des Menschen. Ein geradezu klassisches Beispiel ist Psalm 114:

Bald nachdem das Volk Israel aus Ägypten, dem Sklavenhause, ausgezogen war, kam es in eine ausweglose Lage. Vor ihnen tat sich das Meer auf. Und im Rücken näherte sich der Pharao mit seiner Reiterarmee. Eingeschlossen war das Volk. Ausweglos umstellt. Da geschieht es, dass sich das Meer teilt und den Weg freigibt, sodass Mose und das Volk weiterziehen können.

Ähnlich die Situation bei der Landnahme. Von Osten näherte sich Josua und das Zwölf-Stämme-Volk dem gelobten Land. Da stellt sich ihnen der Jordan als großes Hindernis in den Weg. Doch plötzlich teilen sich auch hier die Wasser, dass sie trockenen Fußes hinüberkommen. Hören wir einmal, wie diese dramatischen Ereignisse in der Natur und Landschaft Ausdruck finden. Psalm 114 sagt es ebenso poetisch wie komprimiert:

"Als Israel aus Ägypten zog, das Haus Jakob aus dem fremden Volk,
da wurde Juda sein Heiligtum, Israel sein Königreich.
Das Meer sah es und floh, der Jordan wandte sich zurück.
Die Berge hüpften wie die Lämmer, die Hügel wie die jungen Schafe.
Was war mit dir, du Meer, dass du flohest,
und mit dir, Jordan, dass du dich zurückwandtest?
Ihr Berge, dass ihr hüpftet wie die Lämmer,
ihr Hügel, wie die jungen Schafe?
Vor dem Herrn erbebe, du Erde, vor dem Gott Jakobs,
der den Felsen wandelte in einen See und die Steine in Wasserquellen!"


Der jüdische Philosoph Abraham Joshua Heschel erklärt dazu:

"Der Mensch ist nicht das einzige Wesen, das Gott verherrlicht. Ihn preisen heißt, sich mit allen Dingen in ihrem Lobgesang zu Ihm zu vereinen. Unsere Verwandtschaft mit der Natur ist eine Verwandtschaft des Lobpreises. Wir leben in einer Gemeinschaft der Preisung." (2)

Kaum eine Region dieser Erde umfasst so viele unterschiedliche Landschaften wie die Wüste. Zwischen den Sandmeeren liegen vulkanische hohe Gebirge und sandsteinerne Hochplateaus. Es gibt die Steppe mit ihrem kargen Bewuchs und Ebenen, die von Horizont zu Horizont ein Mosaik farbiger Steine bilden. Ein weit gefächertes Adersystem ausgetrockneter Flussläufe und Wadis durchzieht die trockene Region.
Die Wüste spielt in der Bibel eine herausragende Rolle. Sie bringt ans Licht, wer wir eigentlich sind und hat die Kraft zu verändern und zu verwandeln. Sie ist die Bühne für Visionen und Depressionen, für Verfall und Verheißungen, für Leben und für Tod. Dürr und ausgebrannt ist die judäische Wüste fast das ganze Jahr über. Aber im Frühjahr brechen aus den Halden Blumen hervor und die Steppe wird grün.

"Es triefen auch die Auen in der Steppe und die Hügel sind erfüllt mit Jubel." (Ps 65,13)

Heißt es in den Psalmen; und beim Propheten Jesaja steht:

"Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien." (Jes 35,1)

Was Psalmist und Prophet hier sagen, ist keine Idylle oder Kleinmalerei einer Naturbeschreibung, die um ihrer selbst willen geschildert wird. Was in der Natur geschieht, weist vielmehr über sich hinaus und wird zum Spiegel des Menschen. Die Landschaft macht sichtbar, wie es um die menschliche Seele bestellt ist und wohin sie sich verändern und verwandeln darf – nämlich aus einem dürren Land in einen blühenden Garten.

Wie aber kommt es dazu, dass aus dürrem Land ein blühender Garten wird? Wie wird aus einer verdorrten, verzagten Seele eine blühende, kraftvolle, hoffnungsfrohe Seele?

Es gibt einen alten Hymnus auf das Sonnenlicht. Er ist aus dem Jahre 1360 v.Chr. und wird dem ägyptischen Pharao Amenophis IV./Echnaton zugeschrieben. Darin dankt Echnaton seinem einzigen Gott dafür, dass er mit besonderer Weisheit für das Leben auf den fernen Bergländern von Syrien und Palästina Sorge getragen hat. Diese göttliche Tat – es ist die Gabe des Regens – wird von einem Land her besungen, das ausschließlich durch den Nil bewässert wird. Und so heißt es bezeichnenderweise:

"Du hast einen Nil an den Himmel gesetzt,
dass er herabsteige zu ihnen,
er schlägt Wellen auf den Bergen, wie der Ozean,
ihre Äcker sind trunken in ihren Ortschaften."
(3)

Warum hat Gott dem Volk Israel ein Land mit Bergen und Auen gegeben, die der Regen vom Himmel tränkt? (Dtn 11,11) Warum nicht eines jener Länder, die durch große Ströme bewässert werden wie Ägypten und Mesopotamien?

Darüber haben die jüdischen Schriftgelehrten intensiv nachgedacht und mehrere Gründe für die weise Anordnung Gottes herausgefunden. Der entscheidende Grund aber ist:

"Damit alle Menschen ihre Augen nach oben wenden und der Mensch feststellen kann, dass er dem Himmel etwas schuldig ist." (4)

Der Geber der Fruchtbarkeit soll dem Menschen stets vor Augen sein. Im Sinnbild des Regens, des von oben strömenden Wassers, wird Gott selbst anschaulich erfahren. Wenn nun das Land diese Gabe empfängt, in der Gott selbst gegenwärtig ist, dann verwandelt sich die Wüste in fruchtbares Land. Wie in der Wüste nichts aufblüht ohne Regen, so nichts im Menschen ohne Gott. Vor diesem Hintergrund kann der Prophet Jesaja den betrübten Seelen zurufen:

"Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln. Stärket die müden Hände und macht fest die wankenden Knie! Saget den verzagten Herzen: Seid getrost, fürchtet euch nicht!" (Jes 35,1.3.4)

Dieses "Seid getrost, fürchtet euch nicht!" hat in ganz eigener Weise der Prophet Elia erfahren: Als er vor dem König Ahab und seiner Frau Isebel fliehen musste, um sein Leben zu retten, überfiel ihn eine tiefe Depression, ein Burn-out würden wir heute sagen, ein absolutes Ausgebrannt- und Leersein.
Was tat er?

Er zog sich zurück in die Wüste. In der Felswüste des Sinai suchte er neue Kraft und neuen Mut. Und Elia fand sie dort in einer Vision, in einer Offenbarung. Wie aber offenbarte sich Gott dem Propheten? Bezeichnenderweise nicht in einem gewaltigen Naturereignis – nicht im Sturm, nicht im Erdbeben und nicht im Feuer.

"Und ein großer, starker Wind, der Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor dem Herrn her; der Herr aber war nicht im Winde. Nach dem Wind kam ein Erdbeben; aber der Herr war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles sanftes Sausen. Als das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging hinaus." (1Kön 19,11-13)

Gott offenbarte sich dem Propheten in einem "stillen sanften Sausen" übersetzt Luther. Bei Leo Baeck heißt es: Gott begegnet ihm in der "Stimme leisen Schweigens". Was dürfen wir daraus schließen?
Offensichtlich ist die Bereitschaft für Gott immer auch eine Bereitschaft zur Wüste. Sei es als Sand- oder Felswüste, als Wasserwüste oder Betonwüste der großen Städte, sei es als innere oder äußere Wüste – Wüste ist die einfachste Beschreibung des Ortes, an den Gott seine Menschen bringen will, um neu mit ihnen anzufangen.

Es gibt ein Echo der Stimme leisen Schweigens, wie Elia sie erfahren hat, in der menschlichen Seele. Ich konnte es wahrnehmen, als ich einmal allein durch ein Wadi ging und auf die Stille hörte, die aufstieg aus Sand, Schluchten und Felsen. Es war wie das Strömen des Blutes in den Adern, das du erst wahrnimmst, wenn der Lärm um dich herum und in dir verstummt ist. In diesem Schweigen tun sich dir neue Horizonte der Zeit auf. Und du spürst deutlich: Deine Zeit nimmt zu im Schweigen.

Die Wüste ist der Ort, der dir Großes schenkt. Doch ist sie nicht weniger der Ort, der dir alles abverlangt. Was diese Landschaft deiner Seele abverlangt, ist eine Begrenzung, eine Beschränkung. Das ist ablesbar an den Bewohnern der Wüste, den Nomaden. Sie, die ein Leben führen, das seine Impulse von der Fußsohle her erhält, stellen dich vor die Frage, was dir wichtiger ist – der Weg oder das Gepäck? Die Wüste zwingt den Menschen, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Wenn das Gepäck, dein Habenwollen zu viel, zu umfangreich, zu schwer wird, wenn du zu viel mitnehmen willst, wird dir der Atem ausgehen und dein Weg nur kurz sein.

Die Wüste spielt im Szenario biblischer Landschaften eine herausragende Rolle. Das hängt damit zusammen, dass der Auszug des Volkes Israel aus dem Sklavenhaus Ägypten zunächst in die Wüste und durch die Wüste führte. Der Exodus ist ein archetypisches, grundlegendes Geschehen von symbolhafter Bedeutung. Eine Landschaft wird dem Menschen sozusagen zum Prüfstein. Wird er der Freiheit, wie Gott sie meint, gewachsen sein? Oder sind ihm die Fleischtöpfe eines inneren oder äußeren Sklavenhauses lieber? Ob einer wirklich reif ist für die Zukunft, für das Land, in dem Milch und Honig fließt, eben darüber entscheidet die Wüste.

Das hat in eigener Weise auch Mose erfahren. Als er die Schafe seines Schwiegervaters Jitro hütet, kommt er eines Tages an den Sinai. Dort am Fuße des großen Berges hat er eine Erscheinung:

""Der Engel des Herrn erschien Mose in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde." Mose geht hin, um diese merkwürdige Erscheinung zu betrachten, warum der Busch brennt, ohne zu verbrennen. Da plötzlich hört er eine Stimme, die ihn aus dem Dornbusch anspricht: "Mose, Mose!"

Es ist die Stimme Gottes, die ihn auffordert:

"Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land!"" (Ex 3,2-5)

Mose soll also barfüßig sein. Aber warum? Warum soll er seine Schuhe ausziehen? Warum sich nur barfüßig dem brennenden Dornbusch nähern? Dahinter steckt eine Symbolik, die uns die tiefere Bedeutung der Wüste als Spiegel der menschlichen Seele erkennen lässt:

"Wüste" entkleidet uns all dessen, was wir "Kultur" oder "Zivilisation" nennen. Die Wüste zieht uns bildlich die Schuhe aus. Sie macht uns bloß, nackt, barfüssig. Sie entkleidet uns unserer Masken und Rollen, mit deren Hilfe wir uns im Alltag zu behaupten suchen. Kurzum: Sie nötigt uns, alles Eigene und Selbstgemachte abzulegen.

Und warum macht sie das? Worin liegt der Sinn, die Absicht?

Schauen wir auf Mose: Natürlich weiß er, dass der Mensch viel zu klein und zu gering ist, um ein so großes Werk zu vollbringen, nämlich ein ganzes Volk aus dem Sklavenhause Ägypten in die Freiheit zu führen. Aber da ist ja noch der Dornbusch, der Geringste von allen Bäumen. Als Mose die Stimme aus dem Dornbusch hört, die sagt: "Ich will bei dir sein!" – da wird ihm schlagartig klar:

"Ich, Mose, bin klein und gering wie der Dornbusch. Ich bin nichts aus mir selbst. Doch vermag ich alles durch den, der sich mir im brennenden Dornbusch offenbart hat, der mich stark macht und mit mir ist. Wenn er bei mir ist und meine Seele bewohnt, dann werde auch ich wie der Dornbusch brennen, ohne zu verbrennen, und werde Gottes Gegenwart spiegeln."

Nach dem, was wir hier über Mose erfahren, ist es wohl nötig, um Gott zu erfahren, alles Eigene abzulegen, sich selbst zu entäußern, wie die Mystiker sagen, also "barfüßig" zu sein. Mit anderen Worten: Nötig ist, sich von Gott überkleiden zu lassen, sich immer neu in Ihm allein zu stärken. Der Psalmbeter bringt es auf diese schlichten Worte:

"Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen." (Ps 37,5)

Musik dieser Sendung:
(1) Johann Sebastian Bach "Orchestersuiten" Nr.3 "Air"
(2) Gabriel Yared / Academy of St Martin in the Fields, Soundtrack "The Englisch Patient", Nr.1

Literaturangaben:
(1) Else Lasker-Schüler, Das Hebräerland, dtv 1695, München 1981, S. 15
(2) Abraham Joshua Heschel, Gott sucht den Menschen. Eine Philosophie des Judentums, Neukirchener Verlag 1980, S. 73
(3) Othmar Keel / Max Küchler / Christoph Uehlinger, Orte und Landschaften der Bibel Bd.1, S. 45
(4) GenR 13,9 zu Gen 2,6; in: Bibliotheca Rabbinica Bd.1, Georg Olms Hildesheim 1967, S.59

Die redaktionelle und inhaltliche Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Pfarrer Frank Michael Theuer, Senderbeauftragter für Deutschlandradio und Deutsche Welle für den Medienbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland.