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Curiosity am Start und nicht im Ziel

Die NASA freut sich auf viele Jahre Marsforschung

Von Dirk Lorenzen

Eine künstlerische Darstellung zeigt die Landung des Roboterfahrzeugs Curiosity auf dem Mars.
Eine künstlerische Darstellung zeigt die Landung des Roboterfahrzeugs Curiosity auf dem Mars. (picture alliance / dpa / NASA/ JPL-Caltech)

Diese Woche hätte für die NASA nicht schöner beginnen können: Montag früh unserer Zeit ist der Rover Curiosity mit einem waghalsigen Manöver perfekt auf dem Mars gelandet. Doch damit hat Curiosity nicht die Ziel-, sondern die Startlinie überquert. In den kommenden Monaten und Jahren soll die rollende Forschungseinheit einige Geheimnisse des roten Planeten lüften. Für die Wissenschaftler und Ingenieure beginnt jetzt das große Abenteuer auf dem Mars.

Der Jubel über die geglückte Landung der Marssonde Curiosity ist schnell eifriger Geschäftigkeit gewichen. Denn nun gilt es, die Flugsonde, die mehr als acht Monate von der Erde zum Mars unterwegs war, für den jahrelangen Einsatz als fahrende Forschungsplattform vorzubereiten. Voraussetzung dafür ist eine gute Kommunikationsverbindung zur Erde. Um die hat sich die Mission-Managerin Jennifer Trosper gleich nach Curiositys erster Nacht auf dem Mars gekümmert:

"Wenn der Rover aufwacht, klappen wir die Hauptantenne aus und drehen sie Richtung Erde - dann haben wir eine leistungsstarke direkte Verbindung von der Erde zu Curiosity. Bisher haben wir zu Curiosity vor allem Kontakt über zwei andere Marssonden, die um den Planeten kreisen und uns als Relais-Satelliten dienen. Zur Sicherheit gibt es auch noch eine Hilfsantenne, über die wir jederzeit dem Fahrzeug Funkbefehle zukommen lassen können, sofern im Gale-Krater die Erde über dem Horizont steht."

Für den Funkkontakt zur kleinen Sonde auf dem Mars kommen die siebzig Meter großen Antennenschüsseln des Deep Space Networks der NASA zum Einsatz. Seit Mittwoch ist Curiositys Hauptantenne korrekt ausgerichtet - jetzt lassen sich viel einfacher Befehle zum Rover funken und Messdaten empfangen. Und das NASA-Team um Missions-Manager Mike Watkins klingt mittlerweile so, als arbeite man auf dem Mars mit einer guten Freundin.

"”Curiosity had another busy day. She is asleep right now, getting ready for tomorrow.""

Curiosity habe einen weiteren anstrengenden Tag gehabt. Sie schlafe gerade, um für morgen fit zu sein. Die Arbeitszeiten richten sich im wesentlichen nach dem Tageslicht im Gale-Krater, wo Curiosity nur knapp zwei Kilometer neben dem angepeilten Landepunkt aufgesetzt hat. Da der Marstag um fast 40 Minuten länger ist als ein Tag auf der Erde, beginnen und enden die Arbeitsschichten Tag für Tag 40 Minuten später.

"Wir haben das Strahlenmessinstrument für einige Stunden angeschaltet und schon exzellente Daten bekommen. Außerdem wurden die Sensoren der Wetterstation an Bord überprüft und der Roboterarm mit den Messinstrumenten ausgeklappt."

Mittlerweile hat Curiosity ein erstes Parorama-Bild zur Erde gefunkt. Die Szenerie erinnert an Wüsten auf der Erde. In der Umgebung des Rovers gibt es nur kleine Steinchen von wenigen Zentimetern Größe.

Die Räder sind in den festen Boden nicht eingesunken und es gilt als unwahrscheinlich, dass man dort Materialproben entnehmen kann, um sie an Bord zu analysieren. Zum Erschrecken des NASA-Teams wurden beim Landemanöver etliche Steinchen auf die Oberfläche des Rovers gewirbelt – allerdings sind keine beweglichen Teile oder Messgeräte blockiert.

In den kommenden Tagen wird der Bordcomputer vom Flugstatus auf Marsbetrieb umprogrammiert. Erst wenn das abgeschlossen ist, gelangen Bilder höchster Auflösung zur Erde. Doch schon jetzt sorgt der Gale-Krater bei der stellvertretenden Projektwissenschaftlerin Joy Crisp für große Freude:

"In front of us are no obstacles for driving, we have the ultimate goal of the mission eventually to get over to Mount Sharp."

In der Umgebung von Curiosity gäbe es keine Hindernisse. Der Rover werde gut fahren können - das große Ziel der Mission sei schließlich, Mount Sharp zu erreichen. Schon tüftelt das NASA-Team an der besten Fahrt-Route zu diesem fünf Kilometer hohen Berg, dessen korrekte Bezeichnung Aeolis Mons ist.

Dort gibt es geschichtetes Gestein, das den Forschern verraten soll, ob auf Mars einst lebensfreundliche Bedingungen geherrscht haben. Auch wenn der Berg nur gut sechs Kilometer entfernt ist, so mahnt Projektmanager Pete Theisinger zur Geduld.

"Wir haben es nicht eilig. Wir nehmen uns viel Zeit, um alles an Bord präzise zu überprüfen. Erst wenn wir genau verstehen, wie wir mit Curiosity in dieser nicht einfachen Umgebung arbeiten können, beginnen wir mit dem wissenschaftlichen Programm."

So werden womöglich noch einige Wochen vergehen, bis Curiosity die ersten zaghaften Fahrversuche auf dem Mars unternimmt. Anfangs wird das Fahrzeug nur wenige Meter am Tag zurücklegen. Sicherheit steht immer an erster Stelle - denn niemand will riskieren, dass das mehr als zwei Milliarden Dollar teure Gefährt einen Unfall erleidet und die auf mindestens zwei Jahre ausgelegte Mission vorschnell zu Ende ist.

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