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Wissenschaft und Technik

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Radiofeuilleton - Wissenschaft und Technik / Archiv | Beitrag vom 15.07.2012

Computer im Käppi, Waschmaschine im Rucksack

Die Fachmesse "Outdoor" in Friedrichshafen

Von Thomas Wagner

Wandergruppe auf dem Mosel Klettersteig in Calmont
Wandergruppe auf dem Mosel Klettersteig in Calmont (Ralf Goergen Bremm)

Wer heute zu Fuß Landschaften erkundet, trägt natürlich High-Tech-Funktionskleidung und hat einen Mini-Computer dabei. Weitere interessante Neuheiten für den avancierten Draußen-Sportler zeigte die Messe "Outdoor" in Friedrichshafen.

Hochbetrieb auf dem Freigelände der Messe Friedrichshafen: Manche Besucher probieren auf einem speziellen Parcours neue Schuhe aus, andere testen Zelte oder joggen ganz einfach übers Gelände. Und der Computer joggt mit, auch wenn man ihn nicht sieht.

"Das ist wie eine Schirmmütze. Und wenn ich so eine Schirmmütze auf hab', dann hab' ich im Gesichtsfeld, so am Rand, diese Sonnenblende. Und diese Sonnenblende beinhaltet eine Art Display. Und da kann ich Daten sehen."

..so Dirk Sandrock vom Weinheimer Outdoor-Hersteller o'synce. Er zeigt einen Mini-Computer, der so ganz unscheinbar in einer Schiebermütze eingebaut ist. Statt auf einen Bildschirm schielt der Nutzer immer mal wieder schräg nach oben, auf ein Display. Und dort kann er alles ablesen, was fürs Training wichtig ist …

"… also zum Beispiel Herzfrequenz, aber auch Geschwindigkeit, die Distanz, Temperatur, Zeit."

In verschiedenen Kleidungssensoren sind winzige Sensoren integriert. Und die funken die Daten nach oben, zum Mini-Rechner in die Schirmmütze. Der Jogger oder der Skilangläufer erkennt dabei sofort, wie es um seinen Trainingszustand bestellt ist – und zwar unabhängig von seinem subjektiven Wohlbefinden, das durchaus auch trügerisch sein kann.

Doch für einen guten Trainingszustand muss ein Outdoor-Fan ordentlich schwitzen – und das bekommen seine Mitmenschen unangenehm zu riechen. Der Australier Ashley Newland hat für solche Situationen eine tragbare Outdoor-Waschmaschine entwickelt. Die sieht von außen aus wie ein zusammenfaltbarer Plastikbeutel:

"Es hat darin ein flexibles Waschbrett. Man muss das auffüllen mit ein bisschen Wasser und ein bisschen Shampoo, Washing Liquid ..."

Wenn Ashley Newland den Plastikbeutel mit Wasser auffüllt, ist von innen das so genannte Waschbrett erkennbar – ein kleines, mit hervorstehenden Noppen versehenes Plastik-Brettchen, das mit der Hülle des Beutels fest verbunden ist. Ashley Newland stopft ein verflecktes T-Shirt in den Beutel.

"Jetzt macht man das zu. Dann kommt die Luft aus dem Ventil ..."

Dabei presst der junge Mann aus Australien den Plastiksack zusammen.

"Man muss dann die Wäsche an das Waschbrett reiben..."

Ashley Newland legt den Beutel auf den Tisch, reibt die obere Oberfläche und damit die T-Shirts kräftig über dem Waschbrettchen.

"Das Wasser kommt raus ... und das Waschen ist fertig."

Tatsächlich! Keine Flecken mehr auf dem T-Shirt, kein lästiger Schweißgeruch mehr. Das Beispiel zeigt: Der Erfindergeist kennt auch dann keine Grenzen, wenn es wieder zurück geht zur Natur. Beispielsweise beim Laufen:

"Es ist in der Tat ein Barfuß-Laufgefühl, ein 98-prozentiges Barfuß-Laufgefühl. Es ist unmittelbarer. Ich spüre sofort, wodrauf ich stehe. Und ich habe eine ganz tolle Durchblutung. Und damit gehören kalte Füße der Vergangenheit an."

Torsten Ludwig, Vertreter des Unternehmens Sole Runner aus Diessen am Ammersee bei München, stellt so genannte Barfuß-Schuhe vor:

"Es ist gesund. Genau das ist der Punkt. Weil: Barfuß trete ich nicht so hart auf. Ich trete barfuß wesentlich schonender auf, wesentlich gelenkschonender auf. Und das ist das Positive: Dass der Körper nicht diese Schläge absorbieren muss, die ich im Grunde durch stark gedämpfte Schuhe erhalte."

Dafür müssen die Barfuß-Schuhe dem Fuß das Gefühl vermitteln, direkt mit dem Untergrund verbunden zu sein:

"Wir haben eine ganz, ganz dünne, höchst abriebfeste Sole. Und die schützt vor den entsprechenden Umwelteinflüssen, so dass ich über spitze Steine gehen kann, durch den Wald gehen kann, ohne Angst haben zu müssen, mich zu verletzen an Dornen, spitzen Steinen oder ähnlichem."

Bei dieser Fülle an Neuheiten mögen vor allem ältere Outdoor-Freunde mit ein wenig Sehnsucht an vergangene Jahrzehnte zurückdenken – an damals, als sie statt mit dem Computer mit Spazierstock oder Wanderstab unterwegs waren. Selbst für Dirk Sandrock, der vom Mini-Rechner in der Schirmmütze schwärmt, hat alles seine Grenzen:

"Ich denke, diese Abstinenz von der Überflutung aus der digitalen Welt, die wollen wir eigentlich alle. Drum gehen wir ja in die Natur. Sonst könnten wir ja im Büro sitzen. Was ich viel wichtiger finde: Dass ich mich beim Wandern wieder auf das konzentriere, was eigentlich wichtig ist: Nämlich auf das Wandern und Erleben."

... und dies aber, ohne ständig mit der digitalen Welt verbunden zu sein. Technisch wäre dies, in Verbindung mit einem Smart-Phone, zwar ohne weiteres möglich. Aber beim Bewegen in der Natur sollte auch einmal eine digitale Pause drin sein.