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Fazit / Archiv | Beitrag vom 14.11.2012

"Cloud Atlas"

Ambitioniertes Filmprojekt, dem Fantasie fehlt

Von Jörg Taszman

Plakat des Films "Cloud Atlas" von  Lana und Andy Wachowski sowie Tom Tykwer (X Verleih/Filmpresskit)
Plakat des Films "Cloud Atlas" von Lana und Andy Wachowski sowie Tom Tykwer (X Verleih/Filmpresskit)

Tom Tykwer, Lana und Andy Wachowski erzählen viele Geschichten gleichzeitig: Eine Seereise 1846, ein Atomskandal 1973 und ein Aufstand im Jahr 2144 sind nur drei davon. Der Film ist formal sehr gelungen, weist aber diverse Schwachpunkte auf.

Alles ist verbunden: Die Seereise 1846 nach San Francisco, auf der ein amerikanischer Anwalt an der Sklaverei zweifelt. Die verbotene Liebe zwischen einem jungen Komponisten und einem anderen Mann 1936 in England. Das Aufdecken eines Atomskandals 1973 in den USA , der Aufstand in einer totalitären High-Tech Gesellschaft 2144 und eine Welt zwischen Moderne und Steinzeit im Jahr 2346. Die Geschichten, die der britische Autor David Mitchell in seinem Roman "Der Wolkenatlas" größtenteils linear erzählte, sind für das Kino anders aufbereitet worden. Dafür entschieden sich die drei Regisseure Tom Tykwer, Lana und Andy Wachowski.

Es sind vor allem zwei Geschichten, die herausragen. Einmal die von Tom Tykwer inszenierte Episode mit Ben Whishaw und James D'Arcy, in der es um die Komposition der "Wolkenatlas"-Sinfonie geht und die optisch an "Blade Runner" erinnernde Story um eine junge Koreanerin, die als Klon aufbegehrt, die ganz offensichtlich von den Wachowskis inszeniert wurde. Diese beiden Geschichten berühren auch emotional in einem Gesamtwerk, das vor allem formal sehr gelungen ist, aber diverse Schwachpunkte aufweist. Das Hauptproblem besteht in zu rasanten, schnellen Schnitten. Immer wenn man sich an eine Geschichte, eine Epoche, eine Stimmung gewöhnt hat, wird schon wieder in eine andere Zeit- und Erzählebene gesprungen. Ein Höhepunkt jagt den anderen und man wünscht sich mehr Ruhe , um in diese diversen Filmwelten einzudringen.

Problematisch bleibt auch, dass alle Schauspieler wie die Hollywoodstars Tom Hanks, Halle Berry oder Hugh Grant in jeweils bis zu sechs Rollen zu sehen sind. Das amüsiert und unterhält, wird jedoch irgendwann redundant und lenkt von den eigentlichen Geschichten ab. Man achtet mehr auf die Arbeit der Maskenbildner als auf das Spiel. Und so ist "Cloud Atlas" mehr ein ambitioniertes, ungewöhnliches Filmprojekt, als ein wirklich überzeugender, epischer, großer Film. Man bewundert den Mut der Macher aber bedauert einen Mangel an Poesie.

D/USA 2012, Regie: Tom Tykwer, Lana und Andy Wachowski, Darsteller: Tom Hanks, Hally Berry, Susan Sarandon, Hugh Grant, Altersfreigabe: 12 Jahren, 172 Minuten

Filmhomepage "Cloud Atlas"

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