Donnerstag, 2. Oktober 2014MESZ14:39 Uhr

Aus der jüdischen Welt

NationalsozialismusFür die Opfer ohne Lobby
Rosen liegen am Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen "Euthanasie-Morde" in Berlin-Tiergarten.

Hagai Aviel stellte die Namen von 30.000 NS-Euthanasie-Opfern ins Netz - illegal. Doch viele Angehörige waren dankbar für die Aktion. Sie gab einen Anstoß zur Errichtung eines Denkmals für Euthanasie-Opfer in Berlin.Mehr

KunstWiderstreitende Gefühle
Aufnahme vom 11.09.2014 während einer Pressekonferenz in der Neuen Nationalgalerie in Berlin zu seiner Ausstellung "Moshe Gershuni. No Father No Mother". Sie wird vom 13.09. bis zum 31.12.2014 gezeigt und ist die erste umfassende Einzelausstellung des bekannten israelischen Künstlers in Europa. 

Moshe Gershuni ist einer der wichtigsten israelischen Künstler, doch hierzulande kaum bekannt. Er gilt gleichzeitig als Avantgarde-Held und als Enfant terrible. Seine Bilder malt er mit Einsatz des ganzen Körpers. Mehr

Jüdische TraditionTage der Ehrfurcht
Ein jüdisches Gebetsbuch vor einer Menora

Die zehn Tage zwischen dem jüdischen Neujahrstag Rosch ha-Schana und Jom Kippur, dem Versöhnungstag, sind eine Zeit der Umkehr. Ein altes Gebet erinnert die Gläubigen in diesen Tagen an die Legende um einen reuemütigen Rabbiner.Mehr

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Aus der jüdischen Welt / Archiv | Beitrag vom 03.08.2012

Charmanter Retro-Pop

Die preisgekrönte Newcomerband "Brigitte" aus Frankreich

Von Jonathan Scheiner

Sylvie Hoarau (r.) and Aurélie Saada (l.) von der französischen Band "Brigitte" in Cannes
Sylvie Hoarau (r.) and Aurélie Saada (l.) von der französischen Band "Brigitte" in Cannes (picture alliance / dpa / EPA / Guillaume Horcajuelo)

In Frankreich wird das Frauenduo "Brigitte" als beste Newcomerband des Jahres gefeiert. Die Sängerinnen Aurélie Saada und Sylvie Hoarau gelten hierzulande noch als Geheimtipp - höchste Zeit also, die beiden humorvollen Musikerinnen vorzustellen.

"Brigitte" – so nennt sich ein Popduo aus Paris, das im März den renommiertesten Musik-Preis Frankreichs abgesahnt hat – den "Victoire de la Musique" - und zwar als beste Newcomerband. Und das trotz dieses Namens! "Brigitte" könnte man wohl am besten ins Deutsche übertragen mit Hildegard, Hannelore – oder eben mit "Brigitte". Namen, die altmodisch sind oder wie man heute sagt: "retro". Doch genau so kann man diese Musik am besten beschreiben. Retro-Popsongs, die mal in die eine, mal in die andere Schublade passen. Aber diese Songs sind charmant, witzig und vor allem gut gemacht.

Das Duo besteht aus Sylvie Hoarau, die auf der Südsee-Insel Réunion geboren wurde und Aurélie Saada, die maghrebinische Wurzeln hat. Ihre Eltern kamen einst wie viele nordafrikanische Juden nach Frankreich. In ihrer ersten Karriere als Musikerin hat sich Aurélie als Klezmersängerin versucht. Ein paar Songs, die sie mit der renommierten Klezmerband Adama gespielt hat, haben es sogar auf CD geschafft. Darunter auch der Gassenhauer " Bye Mir bist di shain".

Doch die Laufbahn als jiddische Sängerin hat Aurélie Saada genauso abgebrochen wie ihre Karriere als Schauspielerin und Model. Und auch ihre Karriere als Rockröhre
Mayane Delem ist längst Vergangenheit. Als sich dann wieder eine neue Schaffenskrise anbahnte, ging Aurélie Saada mit Sylvie Hoarau in der Pariser Rue de Rosier, im ehemalig jüdischen Viertel, einen dieser leckeren Falafel essen. Und siehe da: Kurzerhand war die Krise überwunden und das Erfolgsduo "Brigitte" geboren. Alles weitere entstand dann zu Hause am Küchentisch, wie Aurélie erzählt:

"Ich habe sie einfach gefragt, ob sie eine Band mit mir gründen will. Und da das vielleicht das Letzte ist, was wir in unserem Leben machen, dann lass es uns doch genauso machen, wie wir das wollen. Lass uns genau die Musik spielen, von der wir immer geträumt haben. Musik, bei der alles gemixt wird, bei der wir uns nicht darum scheren, zu welcher musikalischen Strömung wir zählen. Wir wollten frei sein, die Worte und die Musik zu mixen, frei sein, all die musikalischen Einflüsse miteinander zu vermischen."

Aus der musikalischen Zusammenarbeit hat sich eine große Freundschaft entwickelt. Es wurde nicht nur gemeinsam gekocht, sondern auch Sorgen und Ängste geteilt und über Geheimnisse getuschelt. Und natürlich wurde nach Herzenslust getratscht: zum Beispiel über Typen, die sich anfühlen wie Kaugummi.

"Damals kannten wir uns noch nicht so gut, aber wir haben uns jeden Tag getroffen. Wir saßen in meiner Wohnung am Küchentisch und haben gekocht und komponiert. Wir haben viel in unseren Armen geweint und wir haben viel in unseren Armen gelacht. Wir haben uns unsere Geschichte erzählt, die guten Dinge genauso wie die schlechten Dinge, die uns passiert sind. Und gleichzeitig haben wir unsere Songs geschrieben. Daraus ist dann unsere Freundschaft entstanden."

Diese Freundschaft kann man auch dem Debütalbum anhören. Denselben Humor teilen die beiden Frauen ohnehin - wie man dem grammatikalisch falschen Albumtitel anmerkt. "Et Vous, tu m'aimes?" heißt in der Übersetzung "Und Sie, liebst Du mich?". Doch ganz gleich ob nun "Sie" oder "Du": Zum Verlieben sind diese Songs allemal.

Service:
Mit ihrem Debütalbum im Gepäck spielt die Band am 6.September 2012 in Berlin, am 21.September in Hamburg und am 3. November in Frankfurt.

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