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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 17.01.2009

Chancen und Grenzen der Krebsforschung

Prof. Dr. Harald zur Hausen, Krebsforscher und Medizin-Nobelpreisträger

Der deutsche Krebsforscher Harald zur Hausen  (AP)
Der deutsche Krebsforscher Harald zur Hausen (AP)

Es war eine Sensation: Erstmals nach neun Jahren wurde im Dezember 2008 wieder ein Nobelpreis an einen deutschen Mediziner verliehen, an den Krebsforscher Harald zur Hausen. Der 72-jährige ehemalige Leiter des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg wurde für seine bahnbrechende Entdeckung geehrt, die die Krebstherapie revolutionieren dürfte.

Er hat als Erster herausgefunden, dass Gebärmutterhalskrebs durch Viren ausgelöst wird. Damit legte er den Grundstein für einen Impfstoff gegen das sogenannte krebsauslösende Humane Papillomvirus.

In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 6500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, etwa 1700 von ihnen sterben. Hinzu kommen etwa 100.000 Frauen, die von der gefährlichsten Vorstufe dieser Krankheit betroffen sind. 200.000 Frauen sterben jährlich weltweit an der Krankheit. Sie ist nach wie vor die dritthäufigste Krebserkrankung bei Frauen.

Umso größer ist die Hoffnung, die in den Impfstoff gegen die auslösenden Viren gesetzt wird. Wobei Harald zur Hausen nicht müde wird zu betonen, dass diese Impfung die Entstehung der gefährlichen Vorstufen verhindern soll. Es sei noch nicht bewiesen, dass damit auch der Gebärmutterhalskrebs selbst verhindert werden kann. Dafür bedürfe es längerer klinischer Erfahrungen. Er weist aber die Skepsis gegenüber der Impfung zurück: "Wir haben eine Karenzzeit von 20 bis 25 Jahren. Wollen Sie wirklich so lange warten? Wollen Sie die möglichen Todesfälle in Kauf nehmen?"

Sein Nobelpreis nährt auch die Hoffnung, dass auch bei anderen Krebsarten ebensolche Forschungserfolge erzielt werden. Diese Hoffnung treibt auch Harald zur Hausen an. "Wir wissen heute, dass jede fünfte Krebserkrankung durch Erreger ausgelöst wird. Dazu zählt der Magenkrebs, der durch Bakterien namens Helicobacter pylori entstehen kann. Viren vom Typ Hepatitis B oder C können Leberkrebs verursachen. Das sogenannte Epstein-Barr-Virus führt zu Krebs, in den Lymphknoten, im Magen und im Nasen-Rachen-Raum. Gegen das Virus, das die gefährliche Leberentzündung Hepatitis B auslöst, die sich zu Krebs entwickeln kann, gibt es bereits einen Impfstoff. Eine entsprechende Immunisierung wird ja Reisenden in bestimmte Länder empfohlen. Was Impfstoffe gegen andere Krebserreger betrifft, müssen wir noch Geduld haben."

Gemeinsam mit seiner Frau, der Virologin Ethel Michelle de Villiers, die ebenfalls am deutschen Krebsforschungszentrum arbeitet, forscht er derzeit an der Entstehung von Brustkrebs und Dickdarmkrebs.

"Es gibt enorme Fortschritte bei einigen Krebsformen, etwa in der Behandlung von Leukämien bei Kindern oder bei Hodentumoren. Da können wir die allermeisten heilen. Aber es gibt viele Schattenseiten: In der Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs ist keinerlei Fortschritt messbar. Lungenkrebs hat ebenfalls immer noch eine schlechte Prognose, das Gleiche gilt für Magenkrebs. Bei anderen Krebsformen können wir immerhin die Lebensqualität für einen gewissen Zeitraum sehr positiv verändern. Auch das ist eine große Leistung."

"Chancen und Grenzen der Krebsforschung" – Darüber diskutiert Gisela heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit dem Medizin-Nobelpreisträger Prof. Dr. Harald zur Hausen. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der kostenlosen Telefonnummer 00800 / 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.


Informationen über das Deutschen Krebsforschungszentrum
[url=http://www.dkfz.de/ title="Deutsches Krebsforschungszentrum” target="_blank"]Deutsches Krebsforschungszentrum

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