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Fazit / Archiv | Beitrag vom 08.04.2015

"Cake" von Daniel BarnzSelbsthass großartig gespielt

Von Hans-Ulrich Pönack

Die Schauspieler Sam Worthington und Jennifer Aniston vor der Premiere von "Cake" in Toronto am 8. September 2014 (dpa / picture alliance / Hubert Boesl)
Die Schauspieler Sam Worthington und Jennifer Aniston vor der Premiere von "Cake" in Toronto im September 2014 (dpa / picture alliance / Hubert Boesl)

Die Hauptfigur in "Cake", Claire Bennett, ist nach Schicksalsschlägen äußerlich wie innerlich von Hässlichkeit und Verzweiflung geprägt. Trotz der Depri-Stimmung ist der Film packend - dank Jennifer Anistons eindringlicher Interpretation ihrer Rolle. Die brachte ihr bereits eine Golden Globe-Nominierung ein.

Bisweilen treten Stars aus ihren "üblichen Rollen" heraus, um sich an "umgekehrten" Figuren zu versuchen. Jennifer Aniston ist vornehmlich bekannt als taffe Sexy-Blondine in Hollywood-Komödien wie "Trennung mit Hindernissen", "Marley & Ich", "Kill The Boss" oder "Wir sind die Millers". Ab und an jedoch tritt sie aus "ihrer Besetzung" heraus, um sich hochinteressant in Charakter-Rollen zu probieren. Wie zum Beispiel 2002 in "The Good Girl", 2006 in "Freunde mit Geld" und nun hier.

Jennifer Aniston spielt die geplagte Claire Bennett. Claire leidet an chronischen Schmerzen, konsumiert Mengen von Pillen, ist depressiv und durch einen Verkehrsunfall, bei dem ihr Sohn ums Leben kam, am Körper durch Narben verunstaltet. Kein Wunder, dass sie sich – höflich gesprochen – "grob" gibt. Deshalb fliegt sie auch aus ihrer Selbsthilfegruppe, nachdem sie sich despektierlich über den Selbstmord ihrer besten Freundin Nina (Anna Kendrick) geäußert hat. Der Selbsthass dieser Claire ist enorm. Zu den wenigen Personen, die noch zu ihr halten, gehören die Haushälterin ,der Ex-Mann Jason (Chris Messina), die bis an die Umgangsgrenzen gutmütige Leiterin der Selbsthilfegruppe und Ninas Witwer Roy (Sam Worthington).

Eigentlich nicht zu ertragen

Auch für den Zuschauer ist es schwer, mit Claire Bennett halbwegs "auszukommen". Spürte man eben noch Mitleid, beginnt im nächsten Moment das pure Genervtsein. Diese Person Claire ist eigentlich nicht zu ertragen, aber – Jennifer Aniston leistet in ihrer Darstellung Großes. Mit sehr differenzierten Ausdrucksmitteln und einer wandlungsfähigen Körpersprache zeigt sie die Spannungen und Launen dieser Person so kraftvoll, leise und präsent, dass man an ihrer traumatisierten Claire nicht "vorbeikommt" und sie auch noch lange in Erinnerung behält.

Für ihren Part wurde Jennifer Aniston für den "Golden Globe" nominiert. Ihre Claire-Konsequenz, deren äußerliche wie innerliche Hässlichkeit und Verzweiflung darstellerisch voll auszureizen, ist enorm. "Cake" ist ein Film, den ich eigentlich wegen seiner kräftigen Missmut- und Depri-Stimmung eher distanziert sehe, der mich aber über diese eindringliche, nachhaltige Interpretation durch Jennifer Aniston dann doch packt, berührt und aufrüttelt. Packt. 

 

"Cake" 
Regie: Daniel Barnz
USA 2014
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