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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 02.05.2014

Bürgerprotest"Auf, ihr Schwaben, ergreifet die Freiheit“

Das Aufständische im Wesen des Schwaben

Von Uschi Götz

Teilnehmer der Montagsdemonstration gegen das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 laufen am 03.03.2014 bei einem "politischen Rosenmontagsumzug" als Gefangene verkleidet durch Landeshauptstadt Stuttgart (Baden-Württemberg). Sie haben dabei ein Transparent mit der Aufschrift: "Wir lassen uns nicht kriminalisieren". Die Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 demonstrieren seit mehreren Jahr bei einer Montagsdemo gegen das Bauvorhaben.  (picture alliance / dpa / Foto: Bernd Weißbrod)
Montagsdemonstration gegen das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 (picture alliance / dpa / Foto: Bernd Weißbrod)

Stuttgart 21 trieb die Bürger auf die Straßen - die Baden-Württemberger waren auf einmal auch als Revoluzzer bekannt. Dabei hat der Widerstand eine alte Tradition. Schon vor 500 Jahren begehrten die Bauern im Ländle auf.

Landtagspräsident Guido Wolf: "Die Themen um die es beim ´Armen Konrad` und dem Tübinger Vertrag ging, sind Themen, die uns natürlich auch heute beschäftigen, vielleicht aktueller denn je. Und da wollen wir als Landtag, als Bürgerparlament, natürlich mit dabei sein.“

Mutig! Das Thema ist heikel. Es geht um den Widerstand gegen die Obrigkeit und es geht um die Frage: was ein Bauernaufstand vor 500 Jahren mit heutigen Formen des Aufbegehrens zu tun haben könnte? 

Theater Lindenhof bei Proben zum Stück "Armer Konrad“

Historiker Andreas Schmauder: "Bei diesem ´Armen Konrad` da kann man herauslesen, was ist das Herrschaftsverständnis, oder das Herrschafts- Untertanen-Verhältnis und dies zeichnet sich da relativ klar ab: Die Untertanen sind wirklich bereit, den Herrschenden, den Regierenden ein gewisses Maß an Repräsentation zuzugestehen, auch ein gewisses Maß an Veränderungen, wo sie nicht unbedingt beteiligt sein wollen. Aber, wenn dieses Maß eine gewisse Reiz- oder Toleranzschwelle übersteigt, dann fühlen sich die Beherrschten legitimiert Widerstand zu leisten."

Arm steht in diesem Fall nicht für eine materielle Armut. Vielmehr bedeutete arm hier, die fehlende Möglichkeit der Mitbestimmung. Gibt es den Armen Konrad immer noch? Als Bühnenstück ja, aber auf der Straße?Heißt dieser heute Wutbürger?

Christoph Palm, Ober Oberbürgermeister von Fellbach: "Die Protestkultur, auch zu sagen, aus der Mitte der Gesellschaft kommt da ein Protest und das sind nicht irgendwelche Randgruppen, da meine ich, gibt es doch etwas Vergleichbares. Und es ging damals bei dem Bauernaufstand außer dem Punkt der Steuern, die man für ungerecht hielt, eben auch um Mitbestimmung.“

Württemberg vor 500 Jahren

Die Bauern, aber auch Teile der sogenannte Ehrbarkeit waren unzufrieden. Allerdings hatten die einfachen Leute andere Sorgen als die besser gestellten Stände. Ein Rückblick auf die Verhältnisse in Württemberg vor 500 Jahren:  

1514. In Stuttgart regiert Herzog Ulrich, er betreibt eine katastrophale Wirtschaftspolitik. Um einen Bankrott abzuwenden, erlässt Herzog Ulrich eine Mehrwertsteuer auf Lebensmittel. Doch der Getreidepreis ist nach Missernten sowieso schon gestiegen, die Steuerdaumen nach obenprovoziert die Menschen. 

Den Daumen runter zeigt der Herzog bei den Gewichten: er führt leichtere Gewichte ein. Wer ein Stück Fleisch kaufte, bekam weniger als er glaubte, zahlte jedoch den ursprünglichen Preis.

Der Gaispeter aus Beutelsbach nahe Stuttgart hat die Schnauze voll vom Herzog. Am 2. Mai 1514 beschließt er: ein Gottesurteil muss her in Form einer Wasserprobe. Er wirft die neuen Gewichte in das Flüßle Rems mit den Worten: "Haben die Bauern recht, so fall zu Boden, hat aber unser Herr recht, so schwimm empor." Die Bauern gewinnen die Wasserprobe. Überliefert ist, dass der  Gaispeter danndie Bewegung "Armer Konrad" ins Leben gerufen hat. Historiker Dr. Andreas Schmauder: 

"Dieser ´Arme Konrad` war eine Untergrundbewegung, er ist im Anfang im Geheimen aufgekommen, in den Hinterzimmern von Wirtshäusern, in irgendwelchen privaten Stuben, und nur ein Teil der städtischen und der bäuerlichen Bevölkerung hat sich angeschlossen. Man musste durch Schwur sich dem Armen Konrad verpflichten und damit natürlich auch die Ziele mittragen, gewaltsam oder wie auch immer. Im damaligen Ständesystem bildete der arme, gemeine Mann den untersten Stand. Und ´Hinz und Kunz`, also Heinrich und Konrad, das steht für Jedermann, diese Kombination: arm, jedermann, der arm war, hat sich dieser Bewegung angeschlossen.“

Der Protest ging vom Remstal aus, das östlich von Stuttgart liegt. In kürzester Zeit schlossen sich den Remstälern weitere Widerstandsgruppen aus ganz Württemberg an. Gemeinsam wollte man nach Untertürkheim ziehen: 

"In Untertürkheim, quasi in Hauptstadtnähe, und ganz zentral, den landesweiten Widerstand zu organisieren und zu firmieren beim Kirchweihfest. Da entstand natürlich - durch dieses Vorhaben des ´Armen Konrad` - ein riesen Druck auf die Herrschenden, wenn Hunderte oder Tausende in Untertürkheim zusammengekommen wären.“

Die Macht der Bauern 

Herzog Ulrich verhinderte das Treffen, indem er den Aufständischen einen Landtag versprach. Vor dem sollten die Bauern ihre Beschwerden äußern können. So etwas gab es noch nie. An einem württembergischen Landtag nahmen sonst nur Prälaten, der Adel und Vertreter der  sogenannten Landschaft teil, zusammengefasst Vertreter der Ehrbarkeit:

"Und jetzt hatte Herzog Ulrich das erste Mal versprochen, unter dem Druck des Widerstands, auch den armen gemeinen Mann zu den Landtagsverhandlungen zuzulassen. Man kann sich vorstellen, dass die anderen drei, bislang Beteiligten davon nicht sehr begeistert waren."

Der Tübinger Vertrag aus dem Jahre 1514 im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart (Baden-Württemberg). Der damalige Herzog von Württemberg sicherte darin seinen Untertanen erstmals gewisse Rechte zu. Experten bezeichnen den Vertrag deshalb als wichtigen Schritt in Richtung Demokratie.  (picture alliance / dpa / Foto: Bernd Weißbrod)Der Tübinger Vertrag aus dem Jahre 1514 im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart. (picture alliance / dpa / Foto: Bernd Weißbrod)

So versprach der Herzog dem Armen Konrad einen Bauernlandtag in Stuttgart und der Ehrbarkeit einen anderen Landtag in Tübingen. Die Ehrbarkeit und der Herzog einigten sich. Am Ende stand ein mit Blut unterzeichneter Vertrag, der Tübinger Vertrag. 

"Nachdem in Tübingen beim Landtag der Vertrag zu Tübingen ausgehandelt war, wurden die Bauern in Stuttgart heimgeschickt. Dann hat die Herrschaft verlangt, dass die Bauern Huldigung leisten, auf den Tübinger Vertrag, ohne dass ihre Beschwerden gehört worden waren. Die Bauern haben es nicht akzeptiert, jetzt hat sich der Widerstand erst richtig firmiert."

Denn die Ehrbarkeit hatte versichert  für die  Schulden des Herzogs aufzukommen. Im Gegenzug kam der Herzog den besser gestellten Ständen in mehreren geforderten Punkten entgegen:

"Die ersten beiden Punkte bedeuten politische Mitbestimmung von führenden Bürgern in den Amtsstätten gegenüber dem regierenden Herzog von Württemberg. Also politische Mitsprache auf höchster Ebene im Landtag bei wichtigen Entscheidungen, Steuergesetzgebung, Krieg- und Frieden usw. im Land. Natürlich eine riesige Errungenschaft, dies  gab es so vorher nicht."

Zwei weitere Punkte brachten in der damaligen Zeit auch und vor allem dem Armen Konrad etwas mehr Spielraum:

"Nämlich das Recht auf Freizügigkeit, auf freien Zug, was ungewöhnlich war. Das Recht auf faire, ordentliche Gerichtsverhandlungen bevor es zu einem Prozess kam, was natürlich entscheidend war bei der Weiterentwicklung im Bereich der persönlichen Rechte.“

Meilenstein der Verfassungsgeschichte

Der Tübinger Vertrag gilt als Meilenstein der europäischen Verfassungsgeschichte und wird bisweilen auch als "württembergische Magna Carta" bezeichnet.

"Mit dem Tübinger Vertrag hat man für den Südwestdeutschen Raum, für Württemberg, einen riesigen Schritt unternommen in Richtung politischer Mitbestimmung der bürgerlichen Untertanen, in einem Herzogtum, das von einem Renaissance-Fürsten regiert war, später von absoluten Fürsten, wie es in anderen Landschaften so in diesem Ausmaß  nicht vorkommt."   

Allerding setzte sich Herzog Ulrich in einem Punkt durch: er führte die Todesstrafe bei Hochverrat ein. Die Anführer des Aufstands könnenumgebracht werden. 

Dem letzten Aufbegehren des Armen Konrad stellte sich eine verhältnismäßig kleine militärische Einheit entgegen. Die Widerständler gaben auf. In der Folge wurden mehrere Rädelsführer geköpft, andere gefoltert: 

Peter Rückert: "Man wurde aufs Rad geflochten, und wenn ich kurz darstellen darf, was mit dem Delinquenten, der zum Rädern verurteilt passierte, dann war das überaus martialisch und erklärt auch und erklärt auch diesen eisernen Ring, die eiserne Verstärkung an dem Rad dahingehend, dass man ja erst einmal einen Menschen so weit , ich sag jetzt mal soweit zerkleinern oder brechen musste, dass er biegsam genug war, um in ein Rad geflochten zu werden.“

Professor Peter Rückert vom Landesarchiv Baden-Württemberg steht vor einem hölzernen Rad mit einem Durchmesser von 1, 40 Meter. Die Speichen sind so angeordnet, dass ausreichend Platz ist, um etwas einzuflechten: Unbeugsame. Sie wurden gerädert und nach dem Martyrium aufgestellt:

"Das Rad wurde dann, wie uns der Schweizer Künstler Urs Graf darstellt auf einen hohen Stamm, ein Pfahl gesetzt, mit dem Gerichteten aufgerichtet, der dann, wenn er noch lebte, den Vögeln zum Fraß vorgesetzt wurde, die dann den Rest dazu taten, dass er auf dem Rad verstarb. Wenn sie so wollen, ist das Rädern zu dem wir heute noch die Bedeutung vor Augen haben, die Schlimmste aller Schand- und Todesstrafen, die wir uns für das Mittelalter und die frühe Neuzeit in unserem Bereich vorstellen können."

Das Rad wird im Rahmen einer Wanderausstellung zunächst im Landesarchiv Baden-Württemberg zu sehen sein. Die Ausstellung zeigt den Aufstand aus der Sicht des Armen Konrads. Verhöre, Sprüche und Lieder aus der damaligen Zeit wurden in Kooperation mit der Stuttgarter Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende für die Ausstellung umgesetzt.

Aus welchem Holz sind die Schwaben geschnitzt? Der schwäbische Schriftsteller Thaddäus Troll fasste vor vielen Jahren in seinem Buch "Preisend mit viel schönen Reden" im Kapitel "Aushalten, haushalten, maulhalten“ das  Wesen der Schwaben so zusammen:

"Es gab zwar viele Revolutionäre und Reformer im Lande, aber ihre Ideen waren Exportartikel. Das Land, das neben allzu viel Ordentlichem auch das Außerordentliche hervorbrachte, hat seinen außerordentlichen Kindern wenig Heimatrecht geboten, hat es ihnen schwer gemacht, sie in die Flucht getrieben und ihnen manchmal sogar das Leben genommen." 

Wenn das Maß voll ist

Soweit Thaddäus Troll. Auch wenn der Schwabe gemein hin als der biedere, geizige Häuslebauer und Kehrwochenerfinder gesehen wird. Bis heute zeigt sich: Der Schwabe steht nicht dann auf, wenn es sich für ihn lohnt, sondern wenn das Maß voll ist, wenn die Oberen zu willkürlich geworden sind. Dort, wo die Widerstandsbewegung ihren Anfang nahm, im Remstal, widmet man sich in einem städteübergreifenden Ausstellungsprojekt den Ereignissen von vor 500 Jahren. In der Stadt Fellbach wird im Jubiläumsjahr nach Parallelen des historischen Aufstands mit der heutigen Protestkultur gefragt. Die Idee zum Gesamtprojekt hatte Fellbachs CDU Oberbürgermeister Christoph Palm.

"Heute will man mehr direkte Mitbestimmung, damals ging es um die Mitbestimmung generell, der größten Bevölkerungsgruppe, insofern machen wir in Fellbach bei unserer Ausstellung einen Parts zu Stuttgart 21, wenngleich es nicht 1:1 übertragbar ist."

Die Stadt Fellbach wird auch Arbeiten von Künstlern zeigen, die sich mit dem Aufstand des "Armen Konrad" beschäftigt haben. So setze sich in der "Aufbaugeneration DDR" vor allem Lea Grundig mit dem Wesen der Widerstandsbewegung auseinander. Im Südwesten war es der Künstler HAP Grieshaber, der sich intensiv mit dem Bauernaufstand und seinem Vorläufer beschäftigte. Kunsthistoriker Dr. Walter Springer:

"Für Grieshaber war der Holzschnitt das bevorzugte Medium. Das war genau die Technik, die am Ende des Mittelalters, also zur Zeit des Armen Konrad, eine Blütezeit hatte. Er hat ja selber immer gesagt, er reißt sozusagen seine Bilder aus dem Holzstock heraus; das ist eine Technik, die sehr viel körperlichen Einsatz verlangt, dementsprechend auch rau und grob ist. Und das passt natürlich dann auch zu Grieshaber zu seiner gesamten Art und seinem gesamten Habitus, war das für ihn ein wichtiges Medium."

Und Grieshaber selbst war wiederum häufig in der DDR:

"Er hatte die Möglichkeit zwischen DDR und BRD hin- und herzureisen und hatte dort auch gute Kontakte, seine ganzen Drucker saßen dort, das Thema war natürlich für die DDR ein wichtiges Thema, weil eben die frühbürgerliche Revolution  im Bauernaufstand sahen. Und deswegen schon von Staats wegen als wichtiges Thema war." 

Von Friedrich Wolf,  Arzt, kommunistischer Politiker und Schriftsteller stammt das Theaterstück "Armer Konrad", das in der DDR viel Resonanz fand. Mit Friedrich Wolfs Stück wird in Kürze das legendäre Freie Theater Lindenhof aus der schwäbischen Gemeinde Melchingen an verschiedenen Orten in Württemberg auftreten.

Der Arme Konrad hat für mehr Mitbestimmung gekämpft. Diese wurde ihm versprochen, doch es kam nicht dazu. Fast 500 Jahre später eskalierte wieder ein Konflikt zwischen unten und oben. Wieder war es in Württemberg. Noch ist nicht abschließend geklärt, wer den Befehl gab, Wasserwerfer gegen Demonstranten des Bahnprojekts Stuttgart21 einzusetzen. Doch auch zu Beginn dieses Konflikts standen Menschen, die mehr Mitbestimmung forderten.

Eskalation durch Stuttgart 21

Mit einem Regierungswechsel konnte dann doch noch ein Volksentscheid durchgezogen werden. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Teilabriss des Hauptbahnhofs begonnen worden. Die neue grün-rote Landesregierung trat mit dem Versprechen an, eine Politik des Gehörtwerdens umzusetzen. Im Rang einer Staatsrätin kümmert sich seit Regierungsbeginn Gisela Erler um die Anliegen des Volkes. Gisela Erler hat den klaren Auftrag die Bürgerbeteiligung im Land auszubauen und zu stärken. Wenige Monate nach Amtsantritt sagte sie:

"Ich wünsche mir, dass die Leute das sichere Gefühl haben im Land, wenn Du was zu sagen hast, dann wirst Du gehört. Und das heißt nicht, dass Dir immer Recht gegeben wird. Also, dass die Leute auch lernen, das ist ja gerade auch in Stuttgart hier die Übung, falls sie sich je nicht mit ihrer Meinung sich durchsetzen und selbst wenn sie Recht hätten, muss man(n) oder frau damit leben lernen…"

...manchmal Recht zu haben, aber das Recht nicht durchsetzen zu können. Immerhin, das hat sich in 500 Jahren verändert. Selbstkritisch zog jüngst auch zum Auftakt der 500 Jahr-Feier des Tübinger Vertrags, der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann eine realistische Zwischenbilanz des versprochenen Politikstilwechsels: 

"Das sind jetzt natürlich große Fortschritte, wenn wir an den Tübinger Vertrag denken, aber das Bürgerparadies wird es trotzdem nicht geben. Auf Erden. Das kann ich Ihnen nicht versprechen. Auch die direkte Demokratie hat ihre Härten. Das habe ich selber gespürt, als wackere Kämpfer gegen Stuttgart 21 musste ich nun nach diesem Volksentscheid, muss ich nun, den Willen durchsetzen, der heißt, dass Stuttgart 21 gebaut wird." 

Der Aufstand des Armen Konrad wird von Historikern unterschiedlich bewertet:

Schmauder: "Herzog Ulrich hat den Landtag in Stuttgart aufgelöst und hat die Bauern in ihre Dörfer zurückgeschickt. Aber ein bis zwei Monate später sind in jedes Dorf herzogliche Beamte gegangen und haben für sehr viele Gemeinde sogenannte Entscheid- und Freiheitsbriefe ausgestellt. Man hat das erste Mal nach einer sehr langen Zeit, die nur mündlich überlieferten Gewohnheitsrechte dieser Gemeinden schriftlich fixiert, so dass dann in späteren Zeiten, im Absolutismus, wenn wieder Herrscher versucht haben in die kommunale Selbstverwaltung einzugreifen, die Bauern diesen Entscheid und Freiheitsbrief herausholen konnten und quasi ihren dörflichen selbstverwaltungs- und Wirtschaftsraum zu schützen."

Rückert:"Wenn wir die Perspektive der Aufständischen einnehmen, dann hat der Aufstand nichts gebracht, dann sind sie zunächst einmal gescheitert, außer ein paar Zugeständnissen, dass sie ihre Äcker vor dem Wild besser schützen können auf dem einen oder anderen Dorf, ist es lächerlich und man fragt sich, wofür sind sie aufgestanden und man sieht natürlich, dass damals die ganze Welt über den deutschen Südwesten hinaus vom Aufstand des Armen Mannes, der langsam eben auch politisch partizipieren wollte, getragen war. Von daher war es absehbar, dass es dabei nicht bleiben würde."

Walter Springer, Kunsthistoriker: "Die Geschichte ist die Geschichte der Herrschenden und die haben das so hingebogen. Ich glaube auch nicht, dass es zehn Jahre ruhig war. Es wurde der Bauernaufstand, der Arme Konrad niedergeschlagen und es dauert dann zehn Jahre, bis sich die Bauern dann wieder erholt hatten von diesen ganzen Strapazen."

Im 1524 brach der Deutsche Bauernkrieg aus. Über 70.000 Bauern fielen diesem Krieg zum Opfer. 

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