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Kulturnachrichten

Freitag, 18. März 2016

Britische Theatertruppe erhält Ibsen-Preis

Forced Entertainment mischen die Bühnen auf

Die britische Theatergruppe Forced Entertainment ist mit dem Internationalen Ibsenpreis ausgezeichnet worden. Die Gruppe sei bekannt für ihren bahnbrechenden und genresprengenden Ansatz, hieß es am Freitag in der Begründung der Jury. Sie erneuere und fordere das Theater heraus und nutze die Kraft, die in dieser Kunstform liege. Forced Entertainment nehme die Rolle des Theaters in der Gesellschaft sehr ernst. Die Truppe besteht aus sechs Personen und wurde 1984 in Sheffield gegründet. Sie hat vor allem im Bereich des Performance-Theaters auf sich aufmerksam gemacht und in den letzten Jahren mit dem Einsatz von Video und digitalen Plattformen experimentiert. Der internationale Ibsenpreis gilt als einer der prestigeträchtigsten Theaterpreise der Welt. Er ist mit 2,5 Millionen norwegischen Kronen (263 000 Euro) dotiert und wird vom norwegischen Staat finanziert.

Schauspieler Rudolf Waldemar Brem ist tot

Zusammen mit Fassbinder gründete er das Münchner Antitheater

Der Film- und Theaterschauspieler Rudolf Waldemar Brem ist tot. Brem wurde 1948 geboren und als 18-Jähriger von dem damals 21-jährigen Regisseur Rainer Werner Fassbinder entdeckt. Die beiden freundeten sich an - Brem spielte in zahlreichen Filmen und Theaterstücken Fassbinders mit. Gemeinsam mit Schauspielkollegen gründeten die Freunde 1968 das Münchner Antitheater, Brem gehörte zum festen Ensemble. Im weiteren Verlauf seiner Karriere stand Brem für verschiedene Münchner Schauspielhäuser auf der Bühne, drehte zahlreiche Fernsehfilme und war unter anderem mehrfach im Tatort zu sehen. Zuletzt kämpfte der Darsteller gegen Lungenkrebs. Sein letztes Projekt, den schwäbischen Dorfkrimi "Trash Detective", dreht er bereits schwerkrank im vergangenen Jahr zu Ende. Der Film lief im Februar in den Kinos an.

Deutsche Ausgabe von "Zaman" publiziert weiter

Großteil der zugelieferten Texte der türkischen Mutterredaktion fallen weg

Die Deutschland-Ausgabe der türkischen Oppositionszeitung "Zaman" soll auch nach der Übernahme des Istanbuler Blattes durch regierungsnahe Treuhänder weiter erscheinen. "Sie schreiben weiterhin meinungsstark und kritisch über die Türkei, versicherten sie uns", berichtete Frank Überall, der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), nach seinem Besuch der Redaktionsräume in Berlin am Freitag. Rund 60 Prozent der bisher zugelieferten Texte von der Mutterredaktion würden aber wegfallen, habe es bei Gesprächen mit "Zaman Almanya"-Chefredakteuer Durzun Celik geheißen. Die Zeitung war Anfang März unter staatliche Aufsicht gestellt worden. Eine offizielle Begründung für den auch international als Einschränkung der Pressefreiheit kritisierten Schritt gab es nicht.

Preis für Künstlerbuch über Srebrenica-Massaker

Es zeigt Aufnahmen von Überresten aus den Gräbern.

Ein niederländisches Künstlerbuch über das Massaker von Srebrenica ist als "Schönstes Buch der Welt" ausgezeichnet worden. Mit der Publikation "Other Evidence: Blindfold" von Titus Knegtel wird der mehr als 8000 Menschen gedacht, die 1995 bei dem Völkermord ums Leben kamen und in anonymen Massengräbern vergraben wurden. Es zeigt Aufnahmen von Überresten aus den Gräbern. "Blindfold" bedeutet "mit verbundenen Augen". "Man wird dieses Buch verstört als Ausdruck der Scham wertschätzen, aufbewahren - und dann und wann, in Momenten der Fassungslosigkeit, zur Hand nehmen und sich fragen: Wie konnte es dazu kommen?", heißt es in der Begründung der Jury. Am Freitag wurde das Werk zusammen mit 13 weiteren ausgezeichneten, gestalterisch anspruchsvollen Büchern auf der Leipziger Buchmesse präsentiert. Die Leipziger Buchmesse verzeichnet zur Halbzeit ein Besucherplus gegenüber dem vergangenen Jahr

Mehr Kurzfilme aus freier Szene

Kurzfilm emanzipiert sich von Hochschulen und traditionellen Vertriebswegen

Beim Drehen von Kurzfilmen holt die freie Szene qualitativ immer weiter auf. Das beobachtet die Jury der Internationalen Kurzfilmtage in Oberhausen. Der Anteil der dazu eingeladenen Produktionen von Film- und Kunsthochschulen nimmt zugleich ab. "Erschwingliche Produktionsmittel und das Internet als Vertriebsplattform tragen dazu bei, dass der Kurzfilm sich weltweit ebenso von den Filmhochschulen wie von den traditionellen Vertriebswegen emanzipiert", erklärte das Festivalbüro bei der Vorstellung der Wettbewerbs-Auswahl am Freitag. So stammten von den 24 Kurzfilmen im deutschen Wettbewerb nur einer von einer Film- und drei von einer Kunsthochschule. "Die interessanteren Filme, die wir gesehen haben, sind fast durchweg außerhalb der Film-Ausbildungsstätten entstanden", kommentiert Carsten Spicher, der den Bundes- und NRW-Wettbewerb leitet. Ferner werde sichtbar, "wie kreativ und produktiv die freie Szene in Nordrhein-Westfalen ist: Acht von zwölf ausgewählten Filmen sind freie Produktionen."

Fluchtgeschichten auf Straßenbahn

Ein Jahr lang in Düsseldorf zu sehen

Mit einer bunt bemalten Straßenbahn weisen junge Flüchtlinge in Düsseldorf auf ihre Geschichte hin. Zwölf Jugendliche unter anderem aus Syrien, Afghanistan und Eritrea hatten Zeichnungen entworfen, die ihre Fluchtgeschichten erzählen und sie schließlich zu einem großen Bild zusammengefügt. Die Straßenbahn werden ein Jahr lang überall in Düsseldorf unterwegs sein, teilte ein Sprecher der Initiatoren am Freitag mit. Die Projektkosten übernahm das Bundesprogramm «Kultur macht stark», welches sich vor allem für bessere Bildungschancen von benachteiligten Kindern und Jugendlichen einsetzt.

Presserat-Rügen 30 Tage im Netz

Leser können sich länger über Sanktionen informieren

Medien, die gegen den Pressekodex verstoßen haben, sollen Leser künftig 30 Tage lang im Netz über eine Rüge informieren. Die Sanktion solle sichtbar sein, sobald Nutzer den Beitrag online anschauten, teilte der Deutsche Presserat am Freitag in Berlin mit. Für die bereits vorher geltende Regelung, Rügen im Netz zu publizieren, gab es bislang noch kein konkretes Muster. Mit der neuen Beschwerdeordnung reagierte die Selbstkontrolle der Printmedien nach eigenen Angaben auf den online-spezifischen Wandel. Bei ethisch problematischer Berichterstattung will der Presserat künftig anders verfahren: Bringt eine Redaktion den Beitrag unverzüglich von sich aus in Ordnung, könne sich das "strafmildernd" auswirken, wie eine Sprecherin sagte. Die öffentliche Rüge gilt als die schärfste Sanktion, die ausgesprochen werden kann. Seit Beginn des Jahren waren es elf, davon richteten sich den Kontrolleuren zufolge sieben gegen Online-Medien.

"Winnetou" weiterhin geschützte Marke

EU-Gericht erklärt Löschung für ungültig

Mit Erfolg hat der Bamberger Karl-May-Verlag vor dem EU-Gericht in Luxemburg für den Schutz seiner Wortmarke "Winnetou" gekämpft. Die Richter erklärten die Löschung der Marke für ungültig. Bereits im Jahr 2003 hatte sich der Verlag den Namen der Romanfigur für Waren wie Körperpflegeartikel, Konfitüre, Tee und Schmuck beim Europäischen Markenamt eintragen lassen. Die Münchner Constantin Film hatte zunächst durchsetzen können, dass die Behörde den Schutz für fast alle Produkte wieder aufhob. Mit der Begründung dafür war das EU-Gericht aber nicht zufrieden. Deshalb muss das Markenamt nun neu über die Löschung befinden und dabei das Urteil berücksichtigen. Die Constantin Film kann noch in die nächste Instanz gehen. Verleger Bernhard Schmid zeigte sich erfreut über den Etappensieg. Die "Winnetou"-Figur sei äußerst wichtig für den Karl-May-Verlag und eine "Säule unseres Geschäfts".

Lit.Cologne sammelt Geld für Flüchtlinge

Musiker Herbert Grönemeyer warnt vor Ende der Willkommenskultur

Bei einer Benefiz-Gala in der Kölner Lanxess-Arena hat das Literaturfestival Lit.Cologne gestern Abend für Flüchtlinge gesammelt. Mit dem Erlös des Abends sollen Sprachkurse finanziert werden. Spracherwerb sei der Schlüssel zur Integration, sagte Moderator Matthias Opdenhövel. Der Schriftsteller Franz Schätzing sagte: "Sprache ist die Brücke, die wir alle bauen müssen. Wenn wir eine gemeinsame Sprache haben, können wir uns Geschichten erzählen und feststellen, dass uns viel mehr verbindet als uns trennt." In der Gala traten unter anderem die Schauspielerin Annette Frier, Til Schweiger und der Musiker Herbert Grönemeyer auf. Grönemeyer sieht in Deutschland die Stimmung kippen und zeigte sich tief besorgt - die derzeitige Debatte könne den Flüchtlingen den letzten Lebensmut nehmen. Für ihn sei es eine selbstverständliche menschliche Geste, den Flüchtlingen zu helfen. Jedes Engagement dafür lohne sich. Grönemeyer rief zu einer Fortsetzung der Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen auf.

Museum für polnische Judenretter eröffnet

Haus steht in symbolträchtigem Ort

Erstmals ist ein Museum in Polen ganz der Geschichte der Menschen gewidmet, die während des Zweiten Weltkriegs versuchten, verfolgten Juden das Leben zu retten. Gestern abend eröffnete der polnische Präsident Andrzej Duda im südostpolnischen Markowa das Museum der polnischen Judenretter. Der Ort ist nicht zufällig gewählt: In Markowa ermordeten deutsche Polizisten am 24. März 1944 das Ehepaar Jozef und Wiktoria Ulma, seine sechs Kinder und die beiden jüdischen Familien, denen das Ehepaar in seinem Haus Zuflucht gewährt hatte. Obwohl im vom nationalsozialistischen Deutschland besetzten Polen die Todesstrafe auf Hilfe für Juden stand, setzten Tausende ihr Leben aufs Spiel, um bedrohten jüdischen Nachbarn zu helfen. Mehr als 6000 Polen wurden vom israelischen Institut Yad Vashem für ihr Engagement als "Gerechte unter den Völkern" mit der höchsten Ehrung des Landes ausgezeichnet.

Swing-Musiker Hugo Strasser gestorben

Seine Weggefährten waren Max Greger und Paul Kuhn

Der Swing-Musiker und Klarinettist Hugo Strasser ist tot. Der Münchner Musiker begann seine Karriere nach dem 2. Weltkrieg und spielte Swing und Jazz in amerikanischen Clubs. 1955 formierte er ein erstes eigenes Tanzorchester. Strassers Platten verkauften sich millionenfach. Ausgezeichnet wurde Hugo Strasser unter anderem mit zwei Goldenen Schallplatten, dem Deutschen Schallplattenpreis und dem Goldenen Tanzschuh - Tanzmusik begeisterte ihn von Anfang an am meisten. Noch mit 65 Jahren gründete Hugo Strasser das Quintett Hot-Five. Mit den Musikerkollegen Max Greger und Paul Kuhn war er mehr als zehn Jahre als Swing-Legende unterwegs. Strasser hatte bis zuletzt auf der Bühne gestanden. "Ich möchte so lange weitermachen, wie mich der Herrgott lässt", sagte er noch vor gut einem Jahr anlässlich seines 60. Bühnenjubiläums bei einem Auftritt im Deutschen Theater in München. Hugo Strasser starb nach längerer Krankheit im Alter von 93 Jahren.

Ai Weiwei ließ sich im Flüchtlingslager Haare schneiden

Chinesischer Künstler spricht von "symbolischer" Aktion

Der chinesische Künstler Ai Weiwei hat sich im Flüchtlingslager Idomeni an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien die Haare schneiden lassen. Er habe ohnehin einen Haarschnitt nötig gehabt, aber zugleich sei das Schneiden der Haare an diesem Ort "symbolisch", sagte Ai Weiwei. "Nun habe ich einige meiner Haare auf Dauer hier zurückgelassen - sie werden nie zu mir zurückkehren." Ai Weiwei kümmert sich schon seit Tagen um das Schicksal der Flüchtlinge im Südosten Europas. In Idomeni stellte er am Samstag einen weißen Flügel im Schlamm auf und ermöglichte es einer Syrerin, unter einer Plastikplane im Regen Klavier zu spielen. In der vergangenen Woche sorgte Ai Weiwei für Aufsehen, als er sich für das Magazin "India Today" am Strand von Lesbos fotografieren ließ. Dabei stellte er das Bild des ertrunkenen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi nach, das im September um die Welt gegangen war.

Osnabrücker Flüchtling zeigt Film bei Festival in Cannes

Kurzfilm läuft außerhalb des Wettbewerbs

Der in Osnabrück lebende syrische Filmemacher Maan Mouslli zeigt auf dem Filmfestival in Cannes im Mai einen Dokumentarfilm über ein Flüchtlingslager in Jordanien. Der Kurzfilm "Shakespeare in Zaatari" werde außerhalb des Wettbewerbs in der Abteilung "Short Film Corner" bei den internationalen Filmfestspielen in der südfranzösischen Stadt zu sehen sein, sagte Mouslli. Der Film zeigt, wie der syrische Schauspieler und Regisseur Nawar Bulbul in dem jordanischen Flüchtlingslager Zaatari mit Kindern das Stück "King Lear" von William Shakespeare inszeniert. Er selber sei nicht in dem Lager gewesen, sagt der 2013 aus Syrien geflohene Mouslli. Er habe Filmmaterial von drei Kameramännern von den Arbeiten verwendet und den Film daraus geschnitten. Angenommen wurde sein 34 Minuten langer Film auch beim Los Angeles Filmfestival, wo das Werk im Juni zu sehen sein wird.

Leipziger Belletristik-Preis für Guntram Vesper

Er erhält die Auszeichnung für seinen Roman "Frohburg"

Der Autor Guntram Vesper hat den renommierten Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen. Die Jury zeichnete seinen Roman "Frohburg" in der Kategorie Belletristik aus. Sie begründete die Auszeichnung damit, dass Vesper ein Geschichts- und Geschichtenpanorama entwirft, das sich zumeist aus eigenem Erleben und Beobachten speist und dabei ein Land und eine Zeit gültig festhält. Der 74-Jährige beschäftigt sich in dem Roman mit dem Ort seiner Geburt: Frohburg, einer Kleinstadt südlich von Leipzig, wo er Kindheit und Jugend verbrachte, ehe die Familie 1957 in die Bundesrepublik floh. Weitere Preisträger sind die Übersetzerin Brigitte Döbert und der Sachbuchautor Jürgen Goldstein. Die Sieger nahmen die mit insgesamt 45 000 Euro dotierte Auszeichnung zu gleichen Teilen entgegen. Der Preis zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen in Deutschland.

Bleutge erhält Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik

Lyriker und freier Literaturkritiker geehrt

Nico Bleutge hat den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 2016 erhalten. Er nahm die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung auf der Leipziger Buchmesse entgegen. Bleutge sei ein "Brückenbauer zu den reizvollen und oft geheimnisvollen Landschaften der Poesie", sagte Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Das Verbandsorgan "Börsenblatt" vergibt den Preis jährlich auf der Leipziger Buchmesse. Bleutge wurde 1972 in München geboren. Seine Gedichte wurden in zahlreichen Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht. Im Jahr 2006 debütierte er mit dem Gedichtband "klare konturen". Seit 2001 arbeitet Bleutge als freier Literaturkritiker, unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung", "Neue Züricher Zeitung", "Tagesspiegel" und "Stuttgarter Zeitung".

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Fazit

Visual Lead AwardsMit Fotografien neue Erzählformen finden
Die Deichtorhallen präsentieren vom 27. August bis 30. Oktober 2016 alle Nominierten und Gewinner des Visual Lead Awards. (Tamara Göbel)

Auch in diesem Jahr werden in den Hamburger Deichtorhallen die Nominierten und Gewinner der Visual Lead Awards ausgestellt: Die besten Fotoreportagen, Anzeigen und Websites, die 2015 in Deutschland erschienen sind. Einige findet unsere Autorin herausragend. Mehr

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