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Studio 9 | Beitrag vom 04.09.2015

BreslauGute Akustik für das Jahr als Kulturhauptstadt

Von Joachim Hildebrandt

Blick über Breslau (dpa/picture alliance/Forum Marek Maruszak)
Blick über die Kulturhauptstadt 2016: Breslau von oben (dpa/picture alliance/Forum Marek Maruszak)

Im kommenden Jahr wird Breslau Kulturhauptstadt Europas sein. Heute wird das dortige Musikforum eröffnet, an dem zehn Jahre gebaut worden ist. Für das besondere Jahr sollen dort Konzerte auf höchstem akustischen Niveau stattfinden.

Im Inneren des Gebäudes wird noch gebohrt und gebaut. Die speziellen akustischen Wandverkleidungen sind bereits in den Konzertsälen eingearbeitet. Nur wenige Tätigkeiten sind noch zu verrichten. Der äußere Bau des neuen Musikforums Wroclaw ist fertiggestellt. Der Dirigent und künstlerische Direktor des Musikforums Andrzej Kosendiak:

Andrzej Kosendiak: "Wir begannen unser Projekt vor zehn Jahren. Damals dachten wir natürlich noch nicht an die künftige Kulturhauptstadt Breslau. Aber als wir uns beworben haben für die Kulturhauptstadt 2016, war das Musikforum ein wichtiges Argument dafür. Wir haben auch Konzertsäle hier unter der Straße gebaut, der Hauptsaal hat als tiefsten Punkt 19 Meter unter der Straßenoberfläche."

Da das Gebäude im ehemaligen Südflügel des Königsschlosses in der Nähe einer großen Straße liegt, musste es vor allem sehr gut isoliert sein, um jegliche Vibration innerhalb des Gebäudes zu vermeiden. Das Material besteht aus einer besonderen Art von Beton, mit Glas vermischt. Wichtig bei der Konstruktion war, dass völlige Stille in den Räumen herrscht.

Die Akustik kann in jedem Raum angepasst werden

Auch ein Tonstudio wird entstehen. Der Hauptkonzertsaal bietet für 1800 Zuhörer Platz, in den vier Kammersälen sind weitere 200 bis 450 Sitzplätze verfügbar.

"Sehr wichtig für uns ist, einen Raum für Musik zu schaffen auf dem höchsten akustischen Niveau. Unser Programm enthält nicht nur klassische Musik. Wir werden Jazz bringen und Musik, die junge Leute interessiert."

Die Akustik im Konzerthaus, das sich die Polen großzügig geleistet haben, kann in jedem Raum verändert und dem jeweiligen Musikstil angepasst werden. Um das zu realisieren, haben die Wroclawer die Firma Artec Consultants aus New York beauftragt, eine Lösung für eine perfekte Akustik im Konzerthaus zu entwickeln. Diese Firma hat schon in Luzern sowie in Konzerthäusern von Singapur und Philadelphia für die Klangqualität gesorgt. Die Nutzfläche des Wroclawer Musikforums beträgt etwa 48.000 Quadratmeter. Das Gebäude befindet sich auf dem Wolnosci Platz im historischen Zentrum der Stadt.

"Dieser Raum, der sich ausbreitet wird Türen öffnen. Besonders gut geeignet für Chöre. Wir können Türen öffnen und schließen. Etwa 40 Türen. Oben an der Decke sind überall verstellbare Paneele, entsprechend der Musik, die wir hören."

Eine neue Offenheit

Das kann man auch so verstehen, dass die Stadt Wroclaw eine neue Offenheit bieten möchte am Beispiel einer akustisch ausgefeilten Resonanz im Nationalen Musikforum der Stadt.

Für das Programm und den Neubau von Gebäuden hat die Stadt Wroclaw 50 Millionen Euro zur Verfügung. Dabei ist das neue Konzerthaus zu 40 Prozent aus Brüssel mitfinanziert worden. Die Wiener Philharmoniker werden zu hören sein oder die Londoner Philharmonie. Die Stadt Wroclaw überzeugt schon jetzt vor Eröffnung des Musikforums, ein halbes Jahr bevor sie Kulturhauptstadt Europas sein wird.

Die Innenstadt, der Marktplatz ist geschmückt mit restaurierten alten Bürgerhäusern. Viele Dichter und Denker haben hier gelebt und leben heute wieder hier. Sie haben über all die Brüche dieser Stadt berichtet. Wir denken an die katholische Philosophin Edith Stein, die hier spazieren ging. Angelus Silesius liegt in der St. Matthäus-Kirche begraben. Mickiewicz hat ihn ins Deutsche übersetzt. Dietrich Bonhoeffer ist Breslauer gewesen, der Ungehorsam lehrte gegenüber dem menschenverachtenden Nationalsozialismus. Und Czeslaw Milosz hat seinen Kaffee auch in Breslau getrunken. Dort nahm er den Nobelpreis für Literatur entgegen.

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