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Literatur / Archiv | Beitrag vom 29.06.2014

BosnienVerbrannte Erinnerung

Die Bibliothek von Sarajewo als Symbol einer wechselvollen Geschichte

Von Stefan May

Das alte Rathaus in Sarajevo (dpa / picture alliance / Thomas Brey)
Das alte Rathaus in Sarajevo (dpa / picture alliance / Thomas Brey)

Hundert Jahre nach dem Attentat von Sarajevo wurde das Gebäude der Bibliothek, das einst das Rathaus beherbergte, wieder aufgebaut. Der österreich-ungarische Erzherzog und Thronfolger Franz Ferdinand war nach seinem Besuch in diesem Rathaus getötet worden.

Seit 1947 beherbergte das Gebäude die Nationalbibliothek, während der Belagerung der bosnischen Hauptstadt im jugoslawischen Bürgerkrieg wurde es 1992 in Brand geschossen. Dabei wurden mehr als zwei Millionen Bücher und Dokumente vernichtet. Die Erinnerung Bosnien-Herzegowinas verbrannte - ein symbolhaftes Ereignis. Eine andere Erinnerung aller Länder, die einst zur K. und K.-Monarchie gehört haben, scheint lange schon verbrannt zu sein: Jene an das Ende der Habsburgerzeit und das Entstehen von Nachfolgestaaten. Nur vereinzelt beschäftigten sich Autoren mit dem Ende des Vielvölkerstaats.

Stefan May ist an zwei entgegengesetzte Enden des alten K.- und K.-Reichs gereist, nach Sarajevo und nach Lemberg. Dort hat er Schriftsteller über ihr kulturelles Selbstverständnis, ihre Sicht auf die untergegangene Monarchie und den Habsburgermythos befragt, der vielerorts seit dem Ende der kommunistischen Regime in Ost- und Südosteuropa aufsprießt. Dazu hat er Schriftsteller aus jenen beiden Nachfolgestaaten getroffen, die noch heute vom Trauma der Zeitenwende nach dem Ersten Weltkrieg geprägt sind: Österreich und Ungarn.

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