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Fazit / Archiv | Beitrag vom 26.09.2006

Boombranche Kultur

Hamburg legt ersten Kulturwirtschaftsbericht vor

Von Werner Nording

Der Bericht widerlegt Vorurteil, Kultur sei nur im elitären Bereich angesiedelt.  (Stock.XCHNG / jacob gerritsen)
Der Bericht widerlegt Vorurteil, Kultur sei nur im elitären Bereich angesiedelt. (Stock.XCHNG / jacob gerritsen)

Der Kultursektor ist in der Hansestadt längst ein leistungsfähiger Wirtschaftszweig geworden. Dies belegt der erste Kulturwirtschaftsbericht. Jedes zehnte Unternehmen ist demnach auf diesem Gebiet tätig. Die Zahl der selbstständigen Künstler habe sich seit 1996 von 5000 auf 9000 fast verdoppelt.

Mit 20.000 Beschäftigten und 4,3 Milliarden Umsatz pro Jahr ist Hamburgs Kulturbetrieb ein wichtiger ökonomischer Faktor. Der Kulturbereich ist längst zum leistungsfähigen Wirtschaftszweig geworden, sagt Friedrich Look vom Institut für Kultur- und Medienmanagement an der Hochschule für Musik und Theater, der den Kulturwirtschaftsbericht angefertigt hat:

" Nehmen wir das Beispiel Tagesgäste. Die Hamburg Tourismus hat ermittelt, dass rund 100 Millionen Tagesgäste pro Jahr nach Hamburg kommen, 20 Prozent nutzen Kulturveranstaltungen, wenn jeder Tagesgast 40 Euro ausgibt, sind das 800 Millionen Euro, das dokumentiert sehr eindrücklich, weshalb man wirklich von einem Wirtschaftsfaktor sprechen kann. "

Jedes zehnte Unternehmen in Hamburg ist auf dem Kultursektor tätig. Im Jahr 2003, dem Stichjahr der Untersuchung, waren 8500 kulturwirtschaftliche Unternehmen in der Hansestadt angesiedelt. 40 Theater, 60 Museen und 100 Musikclubs würden das Bild der Stadt prägen. Von Brahms über die Beatles bis hin zu den großen Orchestern sei auch die Musik ein starker Anziehungspunkt.

Neben der Darstellenden Kunst und der Musik werden in dem Bericht vier weitere Teilmärkte der Kulturwirtschaft unterschieden. Das sind die Bildende Kunst mit Galerien und Kunstsammlungen, die Angewandte Kunst mit Architektur, Design und Mode, das Kulturelle Erbe mit Denkmalschutz und Museen sowie die Literatur mit Bibliotheken und Buchverlagen. Die Zahl der selbstständigen Künstler habe sich in Hamburg seit 1996 von 5000 auf 9000 fast verdoppelt. Mit insgesamt 30.000 Kulturschaffenden gebe es in der Stadt genauso viele Beschäftigte wie in der zivilen Luftfahrtindustrie, sagte die Hamburger Kultursenatorin Karin von Welck.

" Ich glaube, so klare Zahlen hat es bislang noch nicht gegeben in so einer Summierung und Konzentration, und deshalb finde ich das gut, dass man sich das noch mal klarmacht, wenn man sich allein überlegt, dass in der Kulturwirtschaft in Hamburg genauso viel Menschen beschäftigt sind, wie bei der zivilen Luftfahrt, finde ich das einfach eine tolle Zahl, eine spannende und sehr aussagekräftige Zahl. "

Der Bericht sei überfällig gewesen, sagt die Senatorin selbstkritisch. Damit werde die Position der Kultur in Hamburg gestärkt. Wichtig sei eine noch größere überbehördliche Abstimmung im Bereich der Kulturwirtschaft:

" Wir sind das zehnte von 16 Bundesländern, die einen solchen Kulturwirtschaftsbericht vorlegen, und es wäre schön gewesen, wenn wir es ein bisschen früher gemacht hätten, aber gleichwohl, er ist eine gute Grundlage für unsere weiteren Überlegungen, fasst alle Zahlen, die in verschiedensten Ecken existiert haben, zusammen. "

Kultur sei eine Boombranche, in die man verstärkt investieren müsse, sagt der Autor des Hamburger Kulturwirtschaftsberichts, Friedrich Look. Jeder öffentlich eingesetzte Euro ziehe 60 Euro an Investitionen nach sich. Der Bericht widerlege das Vorurteil, Kultur sei nur im elitären Bereich angesiedelt.

" Das tut er allein schon dadurch, dass man sich anschaut, wie viel Menschen Kultureinrichtungen in Hamburg besuchen, das sind pro Tag 50.000 Menschen, das spricht schon für sich, dass man da nicht mehr von einem Luxusgut sprechen kann. "

Mit 50.000 Besuchern zähle Hamburg zu den führenden Kulturmetropolen Europas. 160 Millionen Euro an Zuwendungen gebe die Stadt jährlich für seine Kulturinstitutionen aus. Das seien 122 Euro pro Einwohner und Jahr. Von Welck widersprach der Aussage. Kultur sei ein Luxus, dessen Subvention man sich nicht mehr leisten könne.

" Ich glaube wir sind da auch ganz konform mit den Vereinbarungen, die im Koalitionsvertrag auch in Berlin zwischen den Regierungsparteien sind, wo richtig auch klar festgelegt ist, Kulturinvestitionen sind keine Subventionen , sondern Investitionen in die Zukunft unserer Gesellschaft. "

Scharfe Kritik am ersten Hamburger Kulturwirtschaftsbericht übten die Grünen in der Hamburger Bürgerschaft. Der Bericht sei "wertlos", wichtige Bereiche der Hamburger Kulturwirtschaft wie Werbung, PR, Film, Funk und Fernsehen würden ohne plausible Begründung ausgeschlossen. Dabei würden allein in der Medienwirtschaft in Hamburg 20 Milliarden Euro im Jahr umgesetzt.

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