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Fazit / Archiv | Beitrag vom 22.10.2010

Bollywood in Berlin

Shah Rukh Khan ist der indische James Bond

Von Susanne Burg

Der Alexanderplatz dient als Kulisse für Shah Rukh Khans Bollywoodstreifen in James-Bond-Manier. (Deutschlandradio / Bettina Straub)
Der Alexanderplatz dient als Kulisse für Shah Rukh Khans Bollywoodstreifen in James-Bond-Manier. (Deutschlandradio / Bettina Straub)

Das große Aushängeschild der indischen Filmindustrie und dort auch der erfolgreichste Schauspieler, Shah Rukh Khan, weilt mit seinem Team in Berlin. Anlass ist der Dreh von Don II, einem Actionfilm und der Fortsetzung seines Erfolgsstreifens "Don – Das Spiel beginnt" von 2006.

Fotos von Shah Rukh Khan flackern über eine Leinwand, er guckt böse und cool über seine Sonnenbrille, der Soundtrack zu Don dröhnt aus den Boxen. Das Signal: Hier ist ein großer gefährlicher Actionfilm mit Hochglanzoptik in der Mache.Sehr viel weniger gefährlicher, dafür ein bisschen albern dann der reale Shah Rukh Khan, elegant im Anzug mit Weste. Charmant, intelligent und witzig.

Wartet ab, ihr werdet euch vor Indern hier bald nicht mehr retten können, scherzt der 44-Jährige. Und spricht damit locker ein erhofftes Ziel von deutscher Seite aus: Don II soll indische Touristen in die Stadt locken. Ein Bollywood-Film als touristisches Aushängeschild. Bei anderen Orten hat das bisher gut geklappt. Die Schweiz erkannte bereits in den 80ern die Gunst der Stunde und spezialisierte sich auf Rundumbetreuung von indischen Filmproduktionen. Das führte dazu, dass in den 90er Jahren in Bollywood-Filmen immer wieder Heldinnen im Sari über eine Wiese voll Löwenzahn laufen, im Hintergrund das Alpenpanorama.

Shah Rukh Khan:

"Die Schweiz hat indische Filmteams mit offenen Armen empfangen. Ich habe alleine sieben oder acht Filme dort gedreht. Die Schweiz war ein guter Ort zum Drehen, da wir unsere Ruhe hatten. Das letzte Mal, dass ich dort war allerdings, waren 500 Fans am Set. Das Fremdenverkehrsamt hat uns gesagt, dass der Tourismus von Indern, aber auch von anderen enorm zugenommen hat."

Seit dieser Erfolgsgeschichte umwarben Dutzende Länder der Erde diese größte Filmindustrie der Welt, die jährlich rund 1.000 Filme hervorbringt. Malaysia bekam den Zuschlag für den ersten Don-Film aus dem Jahr 2006. Was dazu führte, dass Inder in Scharen nach Kuala Lumpur reisten und auf den Spuren dieses Gang-Chefs Don zu wandeln, der sich mit einem Film aus den 70ern bereits tief in das kulturelle Gedächtnis Indiens gegraben hatte.

Nun also kommt Don in einer neuen Ausgabe auf verschlungenen Wegen nach Berlin, liefert er sich eine wilde Verfolgungsjagd rund um den Gendarmenmarkt. Und ein Stunt-Double stürzt sich aus einem Hotel-Hochhaus am Alexanderplatz. Für indische Augen eine unverbrauchte und exotische Kulisse, so der Regisseur Farhan Akhtar:

"Die Zuschauer wollen häufiger auch mal was Neues sehen. Es gibt bereits viele indische Filme, die in London spielen oder in Australien oder den USA. Bei Don geht es eben auch ein bisschen geheimnisvoll zu, und da ist es schön für den Zuschauer, einen neuen Ort zu entdecken und zu denken: "Da würde ich auch gerne mal hinfahren." Für mich hatte Berlin alles Wichtige: Die Stadt ist lebendig und hat großartige Architektur, die im Hintergrund zu sehen ist. Das ist eine gute Mischung, die den Film visuell bereichert."

Die indische Seite hält sich bedeckt, wie teuer der Film werden soll, von zwölf Millionen Euro ist vorsichtig die Rede.

"Von Berliner Seite gibt es etwa eine Millionen Euro, und dann gibt es noch Geld in etwa noch einmal genauso viel vom Deutschen Filmförderfonds, das ist der DFFF. Also insgesamt werden von der deutschen Seite etwa zwei Millionen aufgewendet."

Sagt Kirsten Niehuus die Geschäftsführerin vom Medienboard Berlin-Brandenburg. Und weiter:

"Der DFFF ist die Förderung, die auch in Inglorious Bastards gegangen ist oder auch die Walküre. Der steht allen großen Filmen offen."

Bollywood hat sich gewandelt und ist damit auch für andere Länder interessant geworden. Eine relativ junge Entwicklung. Denn erst im Jahr 1998 hat die indische Regierung die Finanzierung von Filmen als Geschäft zugelassen. Vorher regierte die indische Mafia. Statt Verträgen wurden Vereinbarungen per Handschlag getroffen und Bezahlungen erfolgten cash, Filme waren ein beliebter Weg, Schwarzgeld zu waschen. In den 90ern wurde der Einfluss der Mafia so groß, dass etliche Filmschaffende starben, die sich weigerten, Schutzgelder zu zahlen. Heute ist Zelluloid also ein Renditeobjekt. Und eine junge Garde an progressiven Produzenten und Regisseuren verändern das Filmemachen. Shah Rukh Khan über Don II:

"Es ist ein typischer Bollywood-Film, aber es gibt seit einiger Zeit einen neuen Trend in den Filmen: sie werden realistischer. Wir behalten das Masala, das Tanzen und Singen und das etwas Schnulzige. Das ist Teil unserer Kultur. Aber fremde Orte tauchen nicht mehr nur in einem Song auf wie früher, sondern als wichtiger Teil der Handlung."

Neben fremden Orten gibt es nun auch fremde Schauspieler. Florian Lukas mimt einen deutschen Ermittler, der hinter Don her ist. Lukas:

"I don’t think I have to dance."

Er ist zuversichtlich, dass er nicht tanzen muss. Dafür müsse er im Film ein bisschen Hindi sprechen, scherzt Shah Rukh Khan, und übt schon mal mit ihm.

Also auch ein bisschen Kultur- und Sprachaustausch. Ganz optimistisch geben sich die Produzenten, dass dieser indische James-Bond-Film satte 500 Millionen Zuschauer in die Kinos lockt und auch das deutsche Publikum noch einmal mehr für den Bollywood-Film begeistert. Was sie dabei nicht bedenken: Der Charme des Exotischen und Skurrilen hat sich ein bisschen abgenutzt. Und bei reinen Actionfilmen ist Hollywood nur schwer zu schlagen. Aber wir werden uns selbst ein Bild machen können: Anfang 2012 soll Don II in die deutschen Kinos kommen.

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