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Kompressor | Beitrag vom 25.09.2014

Böse ClownsKrusty säuft, Pennywise tötet Kinder

Ausstellung in Dortmund zeigt die "unheimliche" Karriere eines Spaßvogels und Harlequins

Von Michael Köhler

Ein im Stil des Clowns Pennywise, der in Stephen Kings Roman «Es» Kinder auf schreckliche Weise verstümmelt, verkleideter Teilnehmer nimmt am 12.07.2012 in San Diego an der Comic-Con teil. (picture alliance / dpa / Sean M. Haffey / UT San Diego/ZUMAPRESS )
Ein im Stil des Clowns Pennywise, der in Stephen Kings Roman "Es" Kinder auf schreckliche Weise verstümmelt (picture alliance / dpa / Sean M. Haffey / UT San Diego/ZUMAPRESS )

Eine beunruhigende Figur, der maskierte Spaßmacher bringt uns einerseits zum Lachen – das uns aber sehr schnell im Halse stecken bleiben kann. Der Hartware MedienKunstVerein geht in seiner internationalen Ausstellung in Dortmund der ambivalenten Figur des (bösen) Clowns auf den Grund.

Hier geht es nicht um die lustige Person, den Pierrot oder Harlequin, sondern den bösen Clown. Der Fernsehclown Krusty ist übertrieben albern, hat Suchtprobleme und ist ein Opfer des Showbiz.

Inke Arns: "Ja, Krusty ist natürlich ein ganz unglücklicher Typ, von den Simpsons, der im Prinzip im Fernsehen der lustige Clown ist, aber raucht und trinkt und alles mögliche Schlimme tut."

Kuratorin Inke Arns wollte eine Ausstellung zu bösen Clowns machen, weil das eine Figur sei, die seit Mitte der Achtziger Jahre verstärkt unsere Fantasie, die Leinwände und das Unterbewusste bevölkert. Mit der sich auch Künstler beschäftigen. Auffällig etwa Jack Nicholson in der Rolle des Joker in "Batman" oder diabolischer noch später durch Schauspieler Heath Ledger, der durch seinen Tod 2008 der Rolle noch einmal besonderes Gewicht gab.

Im Dortmunder Medienkunstverein sind Foto-und Videoarbeiten zusehen. Der böse Clown  bevölkert nicht nur unsere Fantasie , sondern auch Figuren der Realgeschichte.            

Im politisch-feministischen Aktivismus etwa tauchen sie auch auf.

Inke Arns: "'Pussy Riot' und 'Guerilla Girls' sind deswegen spannend und für mich auch in die Kategorie der bösen Clowns einzuordnen, weil natürlich Pussy Riot ist bekannt durch den  Auftritt in der Christ-Erlöserkathedrale in Moskau 2012. Die haben diese wahnsinnig bunte Kleidung, die erst mal lustig aussieht, dann tragen sie aber diese Sturmhaubenin neongrellen Farben und singen dann laut ihre Kritik an Putin. Die Guerilla Girls sind für mich deswegen so wichtig, weil sie eben auch in Masken auftreten. Man weiß bis heute nicht wer dahintersteckt. Das sind Künstlerinnen aus dem amerikanischen Kulturbetrieb. Und die tauchen mit Gorilla Masken auf und fordern einfach größere Präsenz von Frauen im Kulturbetrieb."

Das monströs Böse taucht in der realhistorischen Figur Pogos auf. Das war ein amerikanischer Serienmörder, der in selbstgenähtem Clownskostüm bis 1978 allein 30 Jungen in Amerika sexuell missbraucht, umgebracht und unter seinem Haus vergraben hat. Er wurde gefasst, verurteilt und 1994 hingerichtet. Für Inke Arns bildet er auch die Vorlage von "Pennywise" aus Stephen Kings Clownthriller "Es".

Das Lachen bleibt dem Betrachter auch bei den gemalten Selbstporträts der französischen Künstlerin Marion Auburtin im  Halse stecken. Weißes Gesicht, rote Nase, darunter aber ein Mund , der dem Gebiss eines Schädels gleicht.

Inke Arns: "Vom Clown zum Totenschädel, in der Tat, es ist ein ganz kurzer Weg. Das leichenblasse Gesicht. Diese überzeichneten Augen, die an Augenhöhlen erinnern, so ein rot geschminkter Mund, der eher so was Vampirisches hat. Also es ist extrem viel Totensymbolik und Vampirsymbolik in dieser Maske enthalten."

Aber auch in der Musikkultur war man sich des bösen Clowns schon bewusst. Die Düsseldorfer Popband "Der Plan" sang 1979 schon von gefährlichen Clowns.

Im Dortmunder Hartware Medienkunstverein hat Inke Arns ein Panorama der beunruhigenden Figur des bösen Clowns zusammengestellt. Sie taucht in Werbung, im politischen Aktivismus, in Fernsehserien, , in Horror- und Hollywoodfilmen, in der Popmusik und der zeitgenössischen Kunst auf. Ein großformatiges Selbstporträt der Fotokünstlerin Cindy Sherman ist auch dabei.

Die Fratzen des Bösen, die Maskeraden des Todes haben ein Clownsgesicht.

Inke Arns: "Eine Ausstellung, die sich mit der Figur des bösen Clowns so intensiv auseinandergesetzt  hat, ist mir nicht bekannt."

Böse Clowns
Dortmunder U | 3. Etage | 27. September 2014 - 8. März 2015
Eröffnung: Freitag, 26. September 2014, 19 Uhr

Fazit

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