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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 11.04.2011

BND-Beobachtung des Eichmann-Prozesses

Vor 50 Jahren begann der Prozess gegen Adolf Eichmann

Von Gaby Weber

Adolf Eichmann in Jerusalem (AP Archiv)
Adolf Eichmann in Jerusalem (AP Archiv)

Monatelang beherrschte der Prozess gegen den ehemaligen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, Organisator der Deportationen in die NS-Vernichtungslager, die Weltöffentlichkeit. Am 11. April 1961 wurde er seinen Richtern vorgeführt - und im Hintergrund versuchte selbst der BND, einen politisch zu brisanten Verlauf zu vermeiden.

Aus aller Welt waren Journalisten angereist, als am 11. April 1961 in Jerusalem das Verfahren gegen Adolf Eichmann eröffnet wurde. Das erste Mal nach den Nürnberger Prozessen stand ein nationalsozialistischer Funktionsträger vor einem Tribunal, berichtete das amerikanische Fernsehen.

"Es werden die während des Zweiten Weltkrieges begangenen Verbrechen zur Sprache kommen. Die Vernichtung von Millionen europäischer Juden. Drei Richter, alle in Deutschland geboren, werden das Urteil fällen. 15 Jahre lang hielt sich Eichmann versteckt und wurde vor einem Jahr aus Argentinien entführt. Die Anklage lautet auf Verbrechen gegen das jüdische Volk und Verbrechen gegen die Menschheit."

Monatelang beherrschte der Prozess in Jerusalem die Schlagzeilen der Weltöffentlichkeit. Der ehemalige SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, Organisator der Deportationen in die NS-Vernichtungslager, war gewaltsam aus seinem südamerikanischen Versteck geholt worden, um seinen Richtern zugeführt zu werden. In Israel. Endlich sollte Gerechtigkeit geschehen.

Das Auswärtige Amt schickte einen Prozessbeobachter. Und der Bundesnachrichtendienst nahm den Journalisten Rolf Vogel unter Vertrag, um sicherzustellen, dass in Jerusalem nichts öffentlich erörtert würde, was dem Ansehen der Adenauer-Regierung schaden könnte. Im Bundeskanzleramt fürchtete man, dass sich der Angeklagte vor Gericht als Befehlsempfänger darstellen würde.

Konkret ging es um Hans Globke, Autor der Nürnberger Rassengesetze, der im Dritten Reich Ministerialrat im Reichsinnenministerium war. Er hatte als "erfahrener Jurist" an Sitzungen teilgenommen, bei denen geplant wurde, wie man sich das Vermögen der im Ausland deportierten Juden einverleiben könnte. 1960 saß er als allmächtiger Staatssekretär im Bundeskanzleramt und beaufsichtigte den Bundesnachrichtendienst. Wenn seine Rolle während des Nationalsozialismus in Jerusalem zur Sprache gekommen wäre, wäre dies für Konrad Adenauer sehr peinlich gewesen.

Doch der BND zog hinter den Kulissen die Fäden und sorgte dafür, dass sich die Richter ausschließlich auf die Judenverfolgung beschränkten. Andere Themen wie das braune Exil in Argentinien nach 1945, die Zusammenarbeit der deutschen Konzerne mit den Nazis und die SS- und Gestapoleute, die immer noch hohe Posten bekleideten – darüber schwiegen sich alle Prozessteilnehmer aus. Es kam auch nicht zur Sprache, wie Eichmann nach Israel gekommen war. Ob, von wem, wie und warum er entführt worden war. Eichmann belastete Globke vor seinen Richtern nicht, sondern schob die Schuld auf ein "unerfindbares Schicksal":

"Ich bedaure und verurteile die von der damaligen deutschen Staatsführung angeordnete Vernichtungstätigkeit gegen die Juden. Ich selbst aber vermochte auch nicht, über meinen eigenen Schatten zu springen. Ich war lediglich ein Werkzeug in der Hand stärkerer Mächte und stärkerer Kräfte und eines unerfindlichen Schicksals."

Am Ende der Beweisaufnahme, nachdem Eichmann erklärt hatte, Globke nicht zu kennen, zahlte die Adenauer-Regierung über 600 Millionen D-Mark an die Regierung in Jerusalem.

Was hinter den Kulissen passiert ist, blieb im Dunkeln und hinterlasse ein "unangenehmes Gefühl", kritisiert Leopoldo Schiffrin. Der argentinische Richter leitet das "Wahrheitstribunal" in La Plata, das die Verbrechen der Militärdiktatur aufklären soll. Trotzdem sei der Eichmann-Prozess ein Meilenstein gewesen:

"Eichmann war ein typischer Repräsentant der Bürokratie gewesen, der freiwillig, begeistert und kalt die Shoa organisiert hatte. Als Eichmann in Israel eintraf, gab es dort nur ein allgemeines Gesetz betreffend Völkermord, aber kein Gesetz, das seine Verbrechen unter Strafe stellte. Als er sie begangen hatte, existierte der Staat Israel noch gar nicht."

Der Prozess sei der erste und bahnbrechende Fall der "universellen Justiz" gewesen, die Verbrechen gegen die Menschheit aburteilen will – unabhängig davon, wann und wo sie begangen wurden.

Leopoldo Schiffrin: "Diese Verbrechen sind derart furchtbar, dass sie jeder Staat aburteilen und die Täter verhaften kann. Egal, wo und wann diese Verbrechen begangen wurden."

Adolf Eichmann wurde im Dezember 1961 zum Tod durch den Strang verurteilt.

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