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Fazit / Archiv | Beitrag vom 24.03.2010

"Blind Side - Die große Chance"

Hans-Ulrich Pönack über einen Film mit Kitschfaktor

In dem Film gibt eine wohltätige Mutter einem obdachlosen Schwarzen ein Zuhause. Der kann nun erst seine Talente richtig entfalten und wird ein Footballstar.

"Blind Side - Die große Chance" ist ein Film von John Lee Hancock. Der texanische Drehbuch-Autor und Regisseur hat unter anderem die Drehbücher für die Clint-Eastwood-Werke "Perfect World" und "Mitternacht im Garten von Gut und Böse" geschrieben. 2001 inszenierte er den Sportlerfilm "Die Entscheidung - Eine wahre Geschichte" und fiel 2004 mit dem aufwändigen Polit-Western-Drama-Remake "Alamo - Der Traum, das Schicksal, die Legende" gigantisch durch.

Sein neuester Film basiert auf dem gleichnamigen, 2006 veröffentlichten Roman von Michael Lewis. Thema und Motto von Roman und Film: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es." Heutzutage wachen wir auf und konzentrieren uns auf die Nachrichten, die uns das alles lautstark vermitteln, was so schief-/kaputtläuft auf diesem Planeten. Katastrophen aller Art, ob privat, politisch oder gesellschaftlich, werden gierig aufgenommen und entsprechend "platziert". Für uns ist das selbstverständlich, wir haben uns daran gewöhnt.

Dass daraus in unserem Bewusstsein mehr oder weniger eine Welt entsteht, die sich in Privilegierte und Habenichtse aufteilt, nehmen wir billigend in Kauf. Is' halt so - und ab zur Tagesordnung. Dieser Film nun geht einen ganz anderen wie sehr erstaunlichen Weg: Man kann, darf innerhalb der allgemeinen wie privaten Lebenspraxis, durchaus auch mal ein "barmherziger privat-gesellschaftlicher Samariter" sein und daraus, dabei genauso viel "Gewinn" erzielen.

Sein Alibi: Diese Film-Geschichte ist wahr, ist passiert, hat sich tatsächlich so zugetragen. Der Teenager Michael Oher ist ein Verlierer. Ist arbeitslos, obdachlos, aufgewachsen im Armenviertel von Memphis, im Hurt Village. Er ist eines von zwölf Kindern, wird früh von der Mutter getrennt und schlägt sich alleine durchs Leben. Seine Zukunftsaussichten sind düster, nicht vorhanden, gleich null.

Und dies wäre auch so geblieben, wäre ihm nicht Leigh Anne Tuohy begegnet. Leigh Anne ist "Chefin" einer gutbürgerlichen weißen Familie, die aus Ehemann und zwei Kids, Tochter und Sohn, besteht. Als sie den buchstäblich "großen Jungen" auf der Straße im T-Shirt und in kurzer Hose herumtapern sieht, ist es ihr wurscht, dass der schwarz, bärig und ihr unbekannt ist. Sie nimmt ihn mit in ihr großräumiges Haus und lässt ihn dort übernachten.

Aus der Zufallsbekanntschaft wird "mehr". Trotz der sozialen wie kulturellen "Differenzen" wird Michael in die Familie aufgenommen, in ihr untergebracht, "eingemeindet". Wird gefördert. Die gesamte Familie akzeptiert dies, denn Michael erweist sich als sensibler, introvertierter und talentierter "Großer-Bruder"-Bursche.

Der in der Schule langsam "aufwacht" und dessen herausragende Football-Künste "entdeckt" werden. Der Rest ist in den USA bekannt - heute gilt Michael Oher als einer der besten nationalen Football-Asse. Eine "Aschenputtel"-Story. Aber eben nicht platt-versüßt und verschönt, sondern mit viel Sinn, Verstand und gutem Entertainment sehr unterhaltsam erzählt und klug belichtet. Marke - Du kannst, gegen alle Widerstände, Regeln und gegen alles Geschwätz, jederzeit selbst etwas Positives, Schönes, Sinnvolles tun. In jedem Moment deines Lebens. Es ist jederzeit möglich, etwas Praktisch-Gutes zu tun.

Natürlich befinden wir uns im Kino, und natürlich wird dies emotional, clever und mit viel "Illusionen" gezeigt, gesagt, getan. Aber, jederzeit im Bereich einer überzeugenden sensiblen Humanität. Ohne "Cinderella"-Spinnertum, plumpe Übertreibungen oder Weiß-Schwarz-Malereien. Einer guten Frau kommt etwas Gutes in den Sinn und sie praktiziert dies. Mit Unterstützung ihrer Familie.

Man kann Nächstenliebe dazu sagen, man kann christliche Werte ausmachen, man kann sich freuen - von so etwas Erstaunlichem erzählt dieser mit einem Budget von rund 29 Millionen Dollar vergleichsweise preiswert produzierte Streifen. Der dabei keineswegs mitleidheischend, belehrend, foppend, albern bzw. doof daherkommt, sondern wunderbar schön-einfach wie glaubwürdig wie überzeugend und Menschen-spannend.

Sandra Bullock spielt diese wunderbare Leigh Anne ohne Übertreibung, Anmaßung und Geltungssucht. Findet genau die richtige Körpersprache, wirkt authentisch in ihrer "Yes-we-can"-Stimmung. Der "Oscar" dafür belohnte kürzlich eine bewundernswerte "Figur" wie deren großartiges Handeln. Quinton Aaron als Michael ist ein grandioser Begleiter, der nach und nach aufblüht, weil man ihm die Chance dazu vermittelt.

Country-Spezi und Schauspieler Tim McGraw zeigt als Ehemann gutmütige Stichwort-Qualitäten. Lese gerade bei einem Agentur-Kollegen, dass doch hier die "großen Konflikte der amerikanischen Gesellschaft", schwarz und weiß, arm und reich, "ausgelassen" werden und der Film deshalb unkritisch schwächele; ich sage dazu - Gott sei Dank. "Blind Side" ist ein durch und durch Mut machender, humaner, toller, weil in jeder Hin- und Denksicht positiver Unterhaltungsstreich.

USA 2009, Regie: John Lee Hancock, Hauptdarsteller: Sandra Bullock, Quinton Aaron, Tim McGraw, Kathy Bates, 128 Min., frei ab sechs Jahren

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