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Fazit / Archiv | Beitrag vom 19.01.2011

"Black Swan"

Hans-Ulrich Pönack über einen Ballettfilm als Psychothriller

In dem Film von Darren Aronofsky geht es um gnadenlose Konkurrenz im Ballett-Betrieb. Nina (Natalie Portmann) will es als Primaballerina ganz nach oben schaffen und wird auf das perfekte Virtuosentum gedrillt, bis sie in einen Teufelskreis aus Perfektionismus und Selbstzerstörung stürzt.

USA 2010; Regie: Darren Aronofsky; Darsteller: Natalie Portman, Vincent Cassel, Mila Kunis, Barbara Hershey, Winona Ryder; Länge: 108 Minuten

"Black Swan" ist ein Film von Darren Aronofsky. Als nächstes Projekt hat der am 12. Februar 1969 in New York geborene "diplomierte" vor, "The Wolverine" mit Hugh Jackman zum weiteren Leinwand-Leben zu bringen. Als "ganz eigenständige" Geschichte und nicht als "X-Men"-Fortsetzungsarie.

Dafür hat er kürzlich, so die US-Fachzeitschrift "Variety", einen mehrjährigen Vertrag mit dem Fox-Studio abgeschlossen. Vorbei ist es also mit der schönen Unabhängigkeit, die sich für Darren Aronofsky bisher mehr als gelohnt hat. Denn auch für dieses, für gerade einmal 13 Millionen Dollar unabhängig hergestellte Werk, fanden und finden sich überall "kultige" Lobeshymnen, seit "Black Swan" Anfang September letzten Jahres das 67. Venedig-Festival triumphal eröffnete.

Es war übrigens bereits der dritte glanzvolle Venedig-Auftritt mit seinem erst fünften Film, denn zuvor räumte er 2008 mit dem grandiosen Mickey-Rourke-Comeback als "The Wrestler" dort schon den Hauptpreis, den "Goldenen Löwen", ab. Nun ist es also die 29-jährige Natalie Portman, bekannt als Padmé Amidala, Ehefrau des Jedi-Ritters Anakin Skywalker in den drei "Star-Wars"-Anfangsfilmen von 1999 bis 2005, die soeben mit dem "Golden Globe" als "Beste Hauptdarstellerin" für ihren "Schwarzen Schwan" ausgezeichnet wurde.

Natalie Portman, 1981 in Israel geboren, spricht mehrere Sprachen (Englisch, Hebräisch, Arabisch, Französisch), Harvard-Abschluss in Psychologie, bekennende Vegetarierin. Die zierliche Akteurin trainierte neun Monate an sechs Wochentagen für vier Stunden, um in diesen außergewöhnlichen Part reinzufinden. In die Rolle der jungen Nina- aufstrebende Ballerina im New York City Ballet.

Sie wohnt noch bei ihrer "ehrgeizigen" Mama, einer dominanten Ex-Ballerina (Barbara Hershey) und ackert besessen für den Auftritt ihres Bühnen-Lebens: Die "doppelte" Schwanenkönigin in Tschaikowskis "Schwanensee". Also sowohl die "weiße", gute, wie auch die düstere, schwarze. Jahrelange Disziplin und Askese sollen sich nun auszahlen.

Aber: Nina, die ewig Zaudernde, Zögerliche, Unsichere, Verunsicherte, vermag offensichtlich nicht, diese schwarze Seele ebenso 100-prozentig zu füllen, auszudrücken, wie den "guten Tanz-Vogel". Viel zu kopflastig beschwert, attestiert ihr der künstlerische Chef des renommierten Hauses, Thomas Leroy (Vincent Cassel). Und lässt trotzdem von ihr nicht ab. Provoziert sie. Sie möge sich doch endlich aus ihrem verklemmten Körper-Korsett befreien.

Und Nina kämpft. Fightet. Noch härter, noch vehementer, noch schmerzhafter, noch blutiger. Und "verwandelt" sich zunehmend. Halluziniert. Oder auch nicht? Entdeckt ihre "ganz andere" Seite. Entpuppt sich als weibliche "Dr. Jekyll/Mr. Hyde"-Furie. Mit nun auch sexuellen Obsessionen. Als körperliche Endlich-Befreiung. Was die "verstörte Mutter" in Rage versetzt. Doch für Nina gilt, eine vermeintlich perfektere Konkurrentin, egal wie, "aus dem Ring" zu schlagen. Dafür ist sie bereit, alles zu tun. Alles. Oder?

Ballett, das ist doch "eigentlich" der Inbegriff von totaler Schönheit. Von Perfektion. Und absoluter Reinheit. Darren Aronofsky verweist dagegen auf blutende Füße, ausgekugelte Schultern, ramponierte Nerven. Auf den zerstörerischen Bewegungs-Dauerkampf. Äußerlich wie innerlich. Physisch wie psychisch. Als eine Art Ich-"Wrestling" im Oberhaus der Kultur. "Beide nutzen ihre Körper für ihre Kunst, schinden sich über Jahrzehnte - und tragen komische Kostüme". Und begeben sich hinein ins schizophrene Getümmel. Mit horroreskem Charme.

Denn um definitive Perfektion zu erreichen, übernimmt nun auch im wahren Leben die dunkle Seele von Nina eindeutig die Oberhand. Für einen faustischen Crash-Pakt: Erfolg für Zerstörung. Und Nina tanzt ihren Lebenstanz.

"Black Swan" atmet. Spannend. Aufregend. Dämonisch. Als bestes Psycho-Verführkino. Mit extremem Thriller-Charme. Suggestiv, packend, verstörend. Seelen-bombastisch, Milieu-außergewöhnlich, Pulpig-faszinierend. Darstellerisch begeisternd. Die Portman ist sensationell. Dampft, zuckt aus allen Poren. Geht unter die Gefühlshaut. Ist schrecklich schön. Wird aber auch vom ebenso prächtigen Ensemble sagenhaft begleitet, unterstützt. Im wahrsten Sinne - wunderbar-irre diese wölfische Ballett-Performance. A la "Wenn der Schwan zweimal klingelt".

Mit motivischen Gedanken an Genre-Klassiker wie "Die roten Schuhe" von Michael Powell & Emeric Pressburger (1948); "Rosemaries Baby" von Roman Polanski (1967) und "Carrie – Des Satans jüngste Tochter" von Brian De Palma (1976). "Black Swan" ist eines jener Movies, die man fortan nicht mehr aus dem Gedächtnis bekommen wird, besitzt sozusagen bereits jetzt schon das "gewisse" Klassiker-Kult-Feeling.

Filmhomepage

Links bei dradio.de:

Kino und Film Kino und Film - Zwischen Wahnsinn und Realität

Kultur heute - Der Schrecken des Tanzes - "Black Swan" mit Natalie Portman (DLF)

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