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Interview | Beitrag vom 22.11.2016

Biodiversität Warum der Dodo zum Sinnbild des Artensterbens wurde

Matthias Glaubrecht im Gespräch mit Anke Schaefer

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(picture alliance / dpa / Summers Place Auctions)
Das zur Versteigerung stehende Skelett eines ausgestorbenen Dodos aus Mauritius (picture alliance / dpa / Summers Place Auctions)

"Dead as a Dodo" heißt im Angelsächsischen: unwiderruflich tot. Denn holländische Seeleute auf Mauritius aßen um 1600 so viele der Vögel, dass es 100 Jahre später praktisch keine mehr gab. In London wird jetzt ein Dodo-Skelett versteigert: Erlös mindestens 350.000 Euro.

Er war dick, hässlich - und fliegen konnte er auch nicht. Das machte den gut einen Meter großen Dodo zur leichten Beute für die holländischen Seefahrer, die im 16. Jahrhundert nach Mauritius kamen. Und später zum Symbol für das Artensterben. Denn nur etwa 100 Jahre später war der Dodo praktisch nicht mehr existent. 

350.000 - 590.000 für ein Dodo-Skelett

Jetzt wird in London ein fast vollständiges Dodo-Skelett versteigert. Es soll zwischen 350.000 und 590.000 Euro bringen. "Wenige Museen haben überhaupt ein vollständiges. Deswegen erzielt der, der da jetzt zur Auktion steht, auch solch horrendes Geld", sagt Matthias Glaubrecht.

(picture-alliance / ZB / Jan Peter Kasper)Rekonstruktion eines Dodo im Phyletischen Museum der Jenaer Friedrich-Schiller-Universität (picture-alliance / ZB / Jan Peter Kasper)

Bemerkenswert am raschen Aussterben des Dodos findet der Hamburger Zoologe, dass "man eigentlich gar nicht gemerkt hat, dass einem da eine Tierart abhanden kommt". Anfangs habe es so viele Dodos auf Mauritius gegeben, dass die Seeleute, die die Tiere gegessen haben, nicht auf die Idee gekommen seien, die Knochen in eine Sammlung zu bringen.

"Und als man dann gemerkt hat, dass er ausstirbt, waren sie weg."

Auch Martha, die Wandertaube, steht für Artensterben

Ähnlich sei das Schicksal der Wandertauben gewesen: Von diesen hätte es mal eine "Riesenpopulation" gegeben - mal geschätzt drei Milliarden Tiere, so Glaubrecht. Doch am 1. September 1914 starb im Zoo von Cincinnati im Alter von 29 Jahren Martha, die letzte Wandertaube.  

Ausgestorbene Wandertaube im Naturkundemuseum Potsdam (imago / Uwe Steinert)Ausgestorbene Wandertaube im Naturkundemuseum Potsdam (imago / Uwe Steinert)

Bei beiden Arten habe man gedacht, es gebe davon so viele, dass sie niemals aussterben könnten, sagt der Zoologe. "Die haben gar nicht darüber nachgedacht, dass das gerade bei Inselpopulationen sehr, sehr schnell zu Ende sein kann."

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