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Interview / Archiv | Beitrag vom 19.02.2016

Bier"Das Reinheitsgebot ist eine Lüge"

Gerstensaft-Expertin Sylvia Kopp im Gespräch mit Liane von Billerbeck

Ein naturtrübes Pils wird am 16.02.2016 in Mannheim im Technoseum in der Ausstellung "Bier. Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot" von einer Bierflasche in ein Bierglas geschüttet.  (picture alliance / dpa / Uwe Anspach)
Darf Bier mehr enthalten als Hopfen, Hefe Wasser und Malz? (picture alliance / dpa / Uwe Anspach)

Seit 500 Jahren gilt das Deutsche Reinheitsgebot. Höchste Zeit, es abzuschaffen, meint die Bier-Sommelière Sylvia Kopp. Die Vorschrift verhindere heute vor allem in Bayern, dass sich Brauer der Weltbierkultur öffneten und neue Biere brauten.

Die Berliner Bier-Sommelière Sylvia Kopp hat sich für eine Abschaffung des Deutschen Reinheitsgebots ausgesprochen. Schon immer gab es in Deutschland Biere, die nicht nur aus Hopfen, Hefe, Wasser und Malz gebraut wurden, sagte Kopp im Deutschlandradio Kultur. "Das Reinheitsgebot ist ein Mythos, eine Lüge", so Kopp. So habe man in Leipzig Biere mit Salz und Koriander eingebraut und in Bayern Kümmel zugemischt.

Bier aus dem Ausland "unrein"?

Die 500 Jahre alte Vorschrift verhindere heute vor allem in Bayern, dass sich Brauer der Weltbierkultur öffneten und andere Biere brauten, sagte Kopp. Außerdem suggeriere das Reinheitsgebot, dass Biere aus dem Ausland unrein sein. Das sei sehr schade.

Die Bier-Sommelière und Mitarbeiterin der Berlin Beer Academy, Sylvia Kopp (picture alliance / dpa / Friedrich Bungert)Die Bier-Sommelière und Mitarbeiterin der Berlin Beer Academy, Sylvia Kopp (picture alliance / dpa / Friedrich Bungert)

Ochsengalle und Eichenrinde beigemischt

Das sogenannte Reinheitsgebot sieht vor, dass Bier soll nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser enthalten soll. Erlassen wurde das Gebot 1516 in Ingolstadt um die Preise und die Qualität des Bieres zu sichern, über die es zu jener Zeit häufiger Klagen gab, da bisweilen Ochsengalle, Eichenrinde, Schafgarbe und andere Zutaten dem Getränk beigemischt wurden. Der Erlass von 1516 galt nur im Herzogtum Bayern - und war nicht von langer Dauer: Noch im gleichen Jahrhundert wurde die strenge Zutatenliste wieder gelockert. Dennoch blieb das Reinheitsgebot ein Vorbild für die Bestimmungen auch umliegender Länder und floss in die heutige Gesetzgebung mit ein.

Das ganze Gespräch mit Sylvia Kopp zum Nachhören:

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