Seit 21:30 Uhr Kriminalhörspiel
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 21:30 Uhr Kriminalhörspiel
 
 

Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 20.11.2015

Biblischer Archäologe Dieter Vieweger Trauer um Steine und Menschen

Moderation: Katrin Heise

Dieter Vieweger (imago/epd)
Dieter Vieweger war Pfarrer des Leipziger Thomanerchores, jetzt arbeitet er als biblischer Archäologe. (imago/epd)

Er arbeite in der "Südlichen Levante", sagt er möglichst politisch und sachlich korrekt. Denn dort, wo der biblische Archäologe Dieter Vieweger gräbt, haben Muslime, Juden und Christen ihre heiligsten Stätten. Seine Funde können Ansprüche untermauern oder Legenden widerlegen.

Früher war Dieter Vieweger Pfarrer des Leipziger Thomanerchores. Heute ist er biblischer Archäologe und Direktor von wissenschaftlichen Instituten in Jerusalem, Amman sowie an der Bergischen Universität Wuppertal. Seit 25 Jahren gräbt er in der südlichen Levante, obwohl der Krieg immer näher kommt. 

"Wir sind durch Syrien gefahren, wir sind durch Libyen gefahren, wir sind durch den Libanon gefahren, wir sind durch Israel, Palästina, Jordanien und durch den Sinai gefahren. Jedes Jahr. Und wenn man sich überlegt, wie klein unsere Reise geworden ist – im Prinzip ist es jetzt Israel, Palästina und Jordanien – dann tränen einem die Augen, und wenn man sieht, was alles da verloren geht, und wenn man sich überlegt, dass Palmyra gesprengt ist, dass Aleppo geschändet ist!", sagt der im Erzgebirge aufgewachsene Vieweger, der fließend hebräisch und arabisch spricht. Das zu sehen, tue weh. "Aber ich denke immer noch, ich trauere um die Steine, und dann gibt es Menschen, die da gestorben sind, zu Tausenden, zu Hunderttausenden. Das ist furchtbar. Man sieht dann einfach, das Leid ist unermesslich."

Der Alltag bei den Ausgrabungen sei von einer gewissen Spannung geprägt, da der Grabungsort nur 12 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt sei. "Dort, wo wir wohnen, sind wir nur noch fünf Kilometer von Syrien entfernt. Wir sehen auf die syrischen Gebiete hin. Und wir hören auch immer al-Nusri im Hintergrund, das ist immerhin ein Al-Qaida-Abzweig und keine lustigen Menschen, die da kämpfen", sagt Vieweger. "Also, man hört immer das Donnergrollen und weiß, da wird gekämpft und das seit Jahren. Das macht schon ein wenig kirre."

Mehr zum Thema

Archäologie und Politik - Schlacht um Jerusalem
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 22.10.2015)

Im Gespräch

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur