Seit 19:00 Uhr Oper
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 19:00 Uhr Oper
 
 

Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 26.08.2009

Besuch wider Willens

Vor 50 Jahren: US-Präsident Eisenhower besucht die Bundesrepublik

Von Claus Menzel

Im August 1959 besuchte US-Präsident Eisenhower Deutschland.  (AP)
Im August 1959 besuchte US-Präsident Eisenhower Deutschland. (AP)

Im August 1959 kam mit Dwight D. Eisenhower der erste amerikanische Präsident nach Deutschland. Der Besuch sollte vor allem die Bürger und Bundeskanzler Konrad Adenauer beruhigen.

Eigentlich hätte sich der Gast am liebsten gedrückt: In den führenden Zeitungen seines Landes war dringend vor den Missverständnissen gewarnt worden, die sich aus diesem Besuch ergeben könnten, seine Mitarbeiter hatten so gut wie einstimmig die schwersten Bedenken geäußert, und er selbst verspürte offenbar auch nicht gerade die allergrößte Lust. Nur hatte Amerikas Botschafter in der Bundesrepublik die politischen Folgen einer möglichen Absage in so drastischen Tönen geschildert, dass Präsident Dwight D. Eisenhower dann doch bereit war, im Rahmen einer Europareise, an diesem 26. August 1959 in Bonn den deutschen Bundeskanzler, Konrad Adenauer, zu treffen.

"Es ist mir eine große und von Herzen kommende Freude, Sie auf deutschem Boden im Namen der Bundesrepublik Deutschland willkommen heißen zu können. Es hat mich immer wieder ergriffen, dass an der Eingangspforte Ihres Landes in New York das große Monument der Freiheit steht. Ich habe Ihnen, Herr Präsident, wiederholt im Namen der Deutschen zum Ausdruck bringen können, dass wir in dieser so ungewöhnlich schwierigen und auf uns allen lastenden Zeit gerade in den Vereinigten Staaten den Bannerträger der Freiheit in der Welt sehen."

Keine Frage: Es bestand Gesprächsbedarf. Schließlich drohte genau das einzutreten, was der alte Mann im Bonner Palais Schaumburg immer befürchtet hatte: eine Verständigung der Westmächte mit der Sowjetunion ohne Rücksicht auf die Interessen der Deutschen. Die Alarmsignale jedenfalls waren kaum zu überhören.

Nicht genug damit, dass ausgerechnet Dwight D. Eisenhower Gespräche mit Vertretern der DDR längst nicht mehr so kategorisch ausschloss wie die Bonner Regierung sich dies vorstellte – mit Charles de Gaulle hatte in Frankreich ein Politiker die Macht übernommen, der die politische Einheit des Westens dem nationalen Interesse seines Landes eindeutig unterordnete. Und auf die Briten, so schien es, war ohnehin kein Verlass mehr, nachdem ausgerechnet der konservative Premierminister Harold McMillan Sympathien für den europäischen Abrüstungsplan des polnischen Außenministers Rapacki erkennen ließ. Vor allem aber: Als der amerikanische Außenminister John Foster Dulles im Mai 1959 an Krebs gestorben war, hatte Konrad Adenauer seinen mächtigsten Verbündeten verloren. Nicht ganz ohne Grund stand dessen Nachfolger, Christian Herter, im Verdacht, den Amerika-Besuch des sowjetischen Parteichefs Nikita Chruschtschow im September 1959 organisiert oder sogar initiiert zu haben.

Was Wunder also, dass die Bonner Regierung die Stipp-Visite des amerikanischen Präsidenten mit Genugtuung zur Kenntnis nahm. An Streicheleinheiten für seinen empfindlichen Gastgeber ließ es Dwight D. Eisenhower denn auch nicht fehlen.

"Für Ihre Willkommens-Wünsche und den herzlichen Empfang, den Ihre Landsleute, Herr Bundeskanzler, mir und meiner Begleitung bereitet haben, bin ich Ihnen zutiefst dankbar. In meinem Land ist der Name Adenauer zum Symbol für die Entschlossenheit der Deutschen geworden, stark und frei zu bleiben. Wenn es darum geht, diese Entschlossenheit durchzusetzen, steht dass amerikanische Volk an ihrer Seite und es überbringt ihnen durch mich die besten Wünsche für den Erfolg. Und das amerikanische Volk steht an ihrer Seite in der Versicherung, dass sich die freien Deutschen in Berlin darauf verlassen können, auch künftig das Privileg der Freiheit zu genießen. Wie Sie Herr Bundeskanzler, freue ich mich auf unsere Gespräche."

So ganz zufrieden mit dem Ergebnis der Gespräche konnte der Kanzler freilich nicht sein. Ganz anders als die Deutschen sahen die Amerikaner in Chruschtschows Berlin-Ultimatum vom November 1958 nur den letzten und obendrein recht schlappen Versuch der Russen, das Berlin-Problem in ihrem Sinn zu lösen und danach aber zu vernünftigen Abrüstungsverträgen zu kommen.

Einmal mehr freilich bewies auch Konrad Adenauer, dass er die Zeichen der Zeit durchaus zu deuten wusste. Falls es um Berlin künftig keinen Ärger mehr gebe, erklärte er, könnte die Bundesrepublik durchaus bereit sein, Botschafter nach Prag und Warschau zu schicken, obwohl dort doch auch Botschafter der DDR amtierten.

Kalenderblatt

Vor 100 JahrenDer Schriftsteller Wolfgang Hildesheimer geboren
Der Schriftsteller (u.a."Masante", "Klage und Antiklage") Wolfgang Hildsheimer, aufgenommen während der Internationalen Frankfurter Buchmesse im Oktober 1977. Er wurde am 9. Dezember 1916 in Hamburg geboren und ist am 21. August 1991 in Poschiavo (Schweiz) gestorben. (picture alliance / dpa )

Wolfgang Hildesheimer, Sohn jüdischer Eltern, emigrierte 1934 nach Palästina, studierte Malerei in London und war Simultan-Dolmetscher bei den Nürnberger Prozessen. Danach begann er zu schreiben: Essays, Romane und Theaterstücke. Den größten Erfolg errang er mit seiner Mozart-Biografie.Mehr

Regisseur Richard FleischerDer Meister der B-Movies
Der Regisseur Richard Fleischer (1916-2006) während Dreharbeiten hinter der Filmkamera (undatiert) (picture alliance / dpa / Bert Reisfeld)

"Die phantastische Reise", "Conan der Zerstörer", "20.000 Meilen unter dem Meer": Richard Fleischers Filme verströmen schon im Titel den Willen zum Entertainment. Er war ein besessener Handwerker Hollywoods und zeigte, dass auch Unterhaltungsfilme zur Gesellschaftskritik taugen.Mehr

Vor 75 JahrenDer Angriff auf Pearl Harbor
Japanische Kampfflugzeuge aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs (picture alliance / dpa / Publifoto)

Am 7. Dezember 1941 startete Japan einen überraschenden Luftangriff auf den amerikanischen Militärstützpunkt Pearl Harbor. Große Teile der US-Pazifikflotte wurden dabei zerstört. Ein traumatisches Ereignis für die Amerikaner, das weitreichende weltpolitische Folgen hatte. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur