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Interview / Archiv | Beitrag vom 06.02.2016

Beschneidungen von Frauen und MädchenKeine Frage einer bestimmten Religion

Renate Bähr im Gespräch mit Axel Flemming

Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung, bei einer Pressekonferenz in Berlin (2012).  (picture alliance / dpa / Hannibal Hanschke)
Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung (picture alliance / dpa / Hannibal Hanschke)

Weltweit sind laut einem Unicef-Bericht 200 Millionen Mädchen und Frauen Opfer von Genitalverstümmelungen. Auch in Deutschland gibt es Fälle. Mit einer bestimmten Religion haben die Beschneidungen nichts zu tun, sagt Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung.

Beschneidungen von Frauen und Mädchen können nach Ansicht der Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung, Renate Bähr, nicht mit einer bestimmten Religion in Verbindung gebracht werden. Die Hälfte der Fälle weltweit komme in Äthiopien, Ägypten und Indonesien vor, sagte Bähr am Samstag im Deutschlandradio Kultur. "Sie sehen, das ist sowohl ein christlich geprägtes Land wie Äthiopien, als aber auch ein eindeutig islamisches Land. Womit auch klar ist: Man kann es einer Religion direkt nicht zuordnen." Die Beschneidungen von Frauen und Mädchen seien "ein Ausdruck von patriarchalischen Strukturen".

In Kenia deutlich zurückgegangen

Bähr erklärte, es handele sich bei Genitalverstümmelungen um ein weltweites Phänomen. Schwerpunkte seien Afrika und Teile Asiens. Durch Zuzug gebe es aber auch Fälle in Europa. "Wir haben gerade auch in Deutschland immer noch die Fälle von Beschneidungen – auch von illegalen Beschneidungen von Mädchen –, weil diese Traditionen werden natürlich auch hierhin transportiert und importiert", so Bähr.

Ein gestern veröffentlichter Unicef-Bericht, wonach die Opferzahlen seit 2014 um 70 Millionen auf mindestens 200 Millionen Frauen und Mädchen gestiegen sind, seien jedoch mit Vorsicht zu genießen, so Bähr. "Zum einen stellen wir weltweit bei vielen Fragen fest, dass die Datenlage sich verbessert. Und damit treten natürlich auch mehr Fälle zutage, die man vorher einfach nicht erfassen konnte. Auf der anderen Seite gibt es zum Teil auch wirkliche Fortschritte." So sei in Kenia die Zahl von Genitalverstümmelungen in den vergangenen 30 Jahren deutlich zurückgegangen.

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