Seit 03:05 Uhr Tonart
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 03:05 Uhr Tonart
 
 

Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 12.02.2016

Berlinale-Kurator Wieland SpeckKann schwul-lesbisches Kino noch verstören?

Wieland Speck im Gespräch mit Katrin Heise

Wieland Speck, seit 1992 Kurator der Sektion Panorama der Berlinale, hier bei der Pressekonferenz der 66. Internationalen Filmfestspiele Berlin am 2. Februar 2016 (picture alliance / ZB / Jens Kalaene)
Wieland Speck ist seit 1992 Kurator der Sektion Panorama der Berlinale - bis heute (picture alliance / ZB / Jens Kalaene)

Wieland Speck ist ein Berlinale-Urgestein. Als Mitbegründer des Teddy Award interessiert er sich besonders für queere Stoffe. Ein Gespräch über schwul-lesbisches Kino, Männeremanzipation und ungedrehte Filme.

Wieland Speck gehört zu den wichtigsten Köpfen der Berlinale und leitet seit 1992 die Sektion "Panorama" bei den Internationalen Filmfestspielen. Rund 3000 Filme werden dort jährlich gesichtet, von denen dann 40 bis 50 im Panoramaprogramm zu sehen sind. Einer der Themenschwerpunkte von Wieland Speck, der auch selbst Regie führte, ist der schwul-lesbische Film. Für den besten wird alljährlich auf der Berlinale der Teddy Award verliehen, in diesem Jahr zum 30. Mal.

Preisträger als Vorreiter 

"Wir haben den Teddy Award schon gegründet, damit die Mainstreammedien auch mal einen Blick auf das schwul-lesbische Kino werfen", sagte Speck im Deutschlandradio Kultur. Er erinnerte an den Preisträger 2010  "The kids are all right" über eine lesbische Familie, der fast schon ein Hollywood-Film gewesen sei. Leider  liefen solche Filme oft nicht in den Ländern, in denen es wirklich wichtig gewesen wäre. "Man hat oft schon  das Gefühl, dass die Emanzipation sehr viel weiter sei, als sie wirklich ist", sagte er. "Das muss man immer kritisch anschauen." Aber der Film habe der Neuformatierung von Familie gut getan.

Dieses Jahr werde ein Film aus Chile gezeigt, der auch eine lesbische Familie zeige und die Probleme von zwei Müttern in der chilenischen Gesellschaft. Das wäre gar nicht möglich gewesen ohne einen "Frontrunner" wie "The kids are all right". Chile mache  gerade die Schritte aus einem sehr finsteren Tal heraus. "Man könnte sagen, dass sie dabei sind, ihre Adenauer-Zeit zu überwinden."

"Hail, Caesar!" in der Kurzrezension from Deutschlandradio Kultur on Vimeo.

Auch in Deutschland hätten die Nazi-Gesetze noch bis 1969 weiter gegolten und Homosexuelle seien ins Zuchthaus gesteckt worden. "Die Leute sind heute noch nicht rehabilitiert." Aus Chile kämen jetzt Filme, die in Deutschland vor 20 Jahren gedreht worden seien.

Ein Film zum Thema Aids 

Schwul-lesbisches Kino könne heute vermutlich nicht mehr verstören, sagte Speck. "Allerdings könnte man es probieren mit einem großartigen Werk aus Frankreich." Der Film "Theo et Hugo dans le meme bateau" (Theo und Hugo im selben Boot)  von den Regisseuren Olivier Ducastel und Jacques Martineau sei dem Thema Aids heute gewidmet.

#berlinalemoments - der Berlinale-Start im Netz from Deutschlandradio Kultur on Vimeo.

Das Werk beginne in einem schwulen Darkroom in Paris und mit einer sexuellen Orgie von Männern.  Dort fänden sich zwei Männer, verliebten sich ineinander und verließen diesen Ort. Den Rest der Nacht verbringen sie auf der Straße und werden plötzlich mit HIV konfrontiert.

Bei seiner Auswahl von Filmen für "Panorama" frage er in den Ländern, die er bereise, immer auch nach queren Filmen und stoße dadurch das Nachdenken dort an. So habe sich beispielsweise das Kino in Korea in den letzten zehn Jahren gewandelt, aber auch aus anderen Ländern kämen erstaunliche Filme. "Es geht darum, Prozesse anzuwirbeln", sagte Speck.

 

Im Gespräch

Journalistin Ruth Kirchner"In China geht es eher ruppig zu"
Die Hörfunk-Journalistin Ruth Kirchner zu Gast bei Deutschlandradio Kultur, zehn Jahre lang berichtete sie für die ARD aus China (Deutschlandradio / Cornelia Sachse)

Durch die Kulturrevolution sei in China der gesellschaftliche Zusammenhalt verloren gegangen, sagt die Journalistin Ruth Kirchner, die zehn Jahre lang für die ARD aus Peking berichtete. Die Zeit, in der man sich gegenseitig an die Behörden verriet, habe Spuren hinterlassen. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur