Seit 05:07 Uhr Studio 9
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 05:07 Uhr Studio 9
 
 

Länderreport / Archiv | Beitrag vom 12.01.2016

Bergmannschöre in Sachsen-AnhaltVom Verschwinden der singenden Kumpels

Von Christoph Richter

Bergleute aus dem Thomas-Münzer-Schacht Sangerhausen ("Mansfeld Kombinat Wilhelm Pieck") 1984.  (picture alliance / dpa / Foto: Thomas Lehmann)
Traditionell gekleidet im Juni 1984. Bergleute aus dem Thomas-Münzer-Schacht Sangerhausen ("Mansfeld Kombinat Wilhelm Pieck") in Fest-Uniform. (picture alliance / dpa / Foto: Thomas Lehmann)

Das Rote Mansfeld war in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung mal ein Eigenname. Bergleute und Kupferschmelzer sorgten dafür – auch mit ihren Liedern. Mit dem Ende des Bergbaus in der Region verschwinden auch langsam die traditionellen Bergmannschöre.

Der Bergmannschor Zielitz. Er singt den Superhit aller Bergleute: "Glückauf, der Steiger kommt."

Der Chor besteht aus 35 Männer und Frauen, alle zwischen 70 und 80. Obwohl die meisten von ihnen überhaupt keine Noten lesen können, tourt der Chor regelmäßig quer durch die Republik. Letztens war man gar auf Chorreise in Österreich.

Der Bergmannschor Zielitz ist der letzte reine Bergwerks-Chor in Sachsen-Anhalt. Dort wo über Jahrhunderte Kohle, wo über Jahrhunderte Kupferschiefer abgebaut wurde, stirbt nun eine langjährige Tradition für immer aus.

Arbeiterlied-Chöre: Sie gibt es in Sachsen-Anhalt bereits überhaupt nicht mehr. Auch nicht im einst roten Mansfelder Land. Zum Glück sind uns da die Männer und Frauen des Bergmannschores Zielitz über den Weg gelaufen. Kein Renner, wie es scheint, denn das jüngste Mitglied ist um die 60.

"Die Tradition zu pflegen und zu erhalten. Den Berufsethos eben pflegen."

Kali-Berge und das weiße Gold von Zielitz

Zweimal im Monat treffen sich die betagten Sänger, um Bergmannslieder zu proben. Das macht man in einem großen Saal eines alten Herrenhauses in Wolmirstedt, das liegt nördlich von Magdeburg. In der Nähe türmen sich weithin sichtbar die Kali-Berge, das weiße Gold von Zielitz. Unter Tage – 1000 Meter tief – bohren sich kilometerweit die armdicken Bohrer durch den Untergrund. Gegründet hat den Bergmannschor Zielitz der einstige Grubendirektor Arno Michalzik. Jahrgang 1934.

"Das ist eine Gemeinschaft, die seit der Arbeit besteht. Denn da musste sich einer auf den anderen verlassen. Damit ist der Chor eine fest gebundene Gemeinschaft der Bergleute."

Doch das ist ein aussterbendes Geschäft. Denn der Bergmannschor Zielitz ist der letzte Chor in Sachsen-Anhalt, der überhaupt noch an der Tradition singender Bergleute festhält. Chorleiterin ist die Mitvierzigerin Nina Sinitsyna. Eine im ukrainischen Charkiw ausgebildete Pianistin. Sie liebt die Bergmannslieder, weil sie so viel Tempo und Energie haben, wie sie sagt. Und lacht.

"Fast alle Lieder sind so marschmäßig. Da bekommt man sofort Feuer im Blut. Sofort 100 Grad."

Mehr zum Thema

Jetzt bohren sie endlich!
(Deutschlandradio Kultur, Länderreport, 13.10.2009)

Länderreport

Rechtsruck in SachsenIst Legida typisch sächsisch?
Versammlung des fremdenfeindlichen Legida-Bündnisses (dpa/picture-alliance/ Dirk Knofe)

Der Pegida-"Ableger" in Leipzig, Legida, hält sich seit anderthalb Jahren in der Stadt. Blühen rechte und rassistische Ideen in Sachsen besonders gut? In den Sozialen Medien fordern Nutzer: Der Freistaat solle Deutschland verlassen.Mehr

Lothar MalskatDie originale Fälschung von Lübeck
Der Kunstmaler Lothar Malskat zündet sich während einer Ausstellung eine Zigarette an (undatierte Aufnahme). Bekannt wurde Malskat durch seine genialen Fälschungen Anfang der 50-er Jahre in der Marienkirche in Lübeck. (picture alliance / Noecker)

Der Maler Lothar Malskat hatte mindestens zwei Leben: eines als erfolgreicher Künstler und eines als Fälscher. In den 50er-Jahren malte er im Auftrag einer Restaurierungsfirma die Basilika Sankt Marien zu Lübeck aus. Dann zeigte er sich selbst als Fälscher an.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur