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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 12.01.2016

Bergmannschöre in Sachsen-AnhaltVom Verschwinden der singenden Kumpels

Von Christoph Richter

Bergleute aus dem Thomas-Münzer-Schacht Sangerhausen ("Mansfeld Kombinat Wilhelm Pieck") 1984.  (picture alliance / dpa / Foto: Thomas Lehmann)
Traditionell gekleidet im Juni 1984. Bergleute aus dem Thomas-Münzer-Schacht Sangerhausen ("Mansfeld Kombinat Wilhelm Pieck") in Fest-Uniform. (picture alliance / dpa / Foto: Thomas Lehmann)

Das Rote Mansfeld war in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung mal ein Eigenname. Bergleute und Kupferschmelzer sorgten dafür – auch mit ihren Liedern. Mit dem Ende des Bergbaus in der Region verschwinden auch langsam die traditionellen Bergmannschöre.

Der Bergmannschor Zielitz. Er singt den Superhit aller Bergleute: "Glückauf, der Steiger kommt."

Der Chor besteht aus 35 Männer und Frauen, alle zwischen 70 und 80. Obwohl die meisten von ihnen überhaupt keine Noten lesen können, tourt der Chor regelmäßig quer durch die Republik. Letztens war man gar auf Chorreise in Österreich.

Der Bergmannschor Zielitz ist der letzte reine Bergwerks-Chor in Sachsen-Anhalt. Dort wo über Jahrhunderte Kohle, wo über Jahrhunderte Kupferschiefer abgebaut wurde, stirbt nun eine langjährige Tradition für immer aus.

Arbeiterlied-Chöre: Sie gibt es in Sachsen-Anhalt bereits überhaupt nicht mehr. Auch nicht im einst roten Mansfelder Land. Zum Glück sind uns da die Männer und Frauen des Bergmannschores Zielitz über den Weg gelaufen. Kein Renner, wie es scheint, denn das jüngste Mitglied ist um die 60.

"Die Tradition zu pflegen und zu erhalten. Den Berufsethos eben pflegen."

Kali-Berge und das weiße Gold von Zielitz

Zweimal im Monat treffen sich die betagten Sänger, um Bergmannslieder zu proben. Das macht man in einem großen Saal eines alten Herrenhauses in Wolmirstedt, das liegt nördlich von Magdeburg. In der Nähe türmen sich weithin sichtbar die Kali-Berge, das weiße Gold von Zielitz. Unter Tage – 1000 Meter tief – bohren sich kilometerweit die armdicken Bohrer durch den Untergrund. Gegründet hat den Bergmannschor Zielitz der einstige Grubendirektor Arno Michalzik. Jahrgang 1934.

"Das ist eine Gemeinschaft, die seit der Arbeit besteht. Denn da musste sich einer auf den anderen verlassen. Damit ist der Chor eine fest gebundene Gemeinschaft der Bergleute."

Doch das ist ein aussterbendes Geschäft. Denn der Bergmannschor Zielitz ist der letzte Chor in Sachsen-Anhalt, der überhaupt noch an der Tradition singender Bergleute festhält. Chorleiterin ist die Mitvierzigerin Nina Sinitsyna. Eine im ukrainischen Charkiw ausgebildete Pianistin. Sie liebt die Bergmannslieder, weil sie so viel Tempo und Energie haben, wie sie sagt. Und lacht.

"Fast alle Lieder sind so marschmäßig. Da bekommt man sofort Feuer im Blut. Sofort 100 Grad."

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