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Literatur

"Max und Moritz" wird 150Rache tut not!
Das erste Bild der sieben Streiche von Max und Moritz, erdacht und gezeichnet von Wilhelm Busch, aufgenommen am 11.09.2014 in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen (Nordrhein-Westfalen). Die Ausstellung "Streich auf Streich" "150 Jahre deutschsprachige Comics seit Max und Moritz". (picture alliance / dpa / Roland Weihrauch)

Wilhelm Busch ist der "große deutsche Humorist". Seine Bildergeschichten sind zum Hausschatz von uns Deutschen geworden, allen voran "Max und Moritz". Eine Exkursion durch seinen Dschungel der Grausamkeiten in sieben Streichen. Mehr

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Literatur / Archiv | Beitrag vom 05.09.2006

Beim Häuten der Zwiebel

Ein Erinnerungsbuch von Günter Grass

Vorgestellt von Sigried Wesener

Der Schriftsteller Günter Grass (AP)
Der Schriftsteller Günter Grass (AP)

Günter Grass hat mit seinem Erinnerungsbuch "Beim Häuten der Zwiebel" eine höchst kontroverse Debatte über Schuld, Verschweigen und Verschleiern ausgelöst. Der in Danzig geborene Schriftsteller blickt zurück auf seine ersten drei Lebensjahrzehnte, auf begeisterte Mal- und Schreibversuche, den sensationellen Erfolg mit dem Roman "Die Blechtrommel" aber auch auf Zeiten in Uniform und Krieg und schreibt zum ersten Mal über seine Mitgliedschaft als 17Jähriger bei der Waffen-SS.

Der bildhafte Titel deutet bereits an, dass der Autor sich Schicht um Schicht zu sich selbst aufmacht, auch schmerzhafte, schamvolle Momente nicht ausspart. Grass ruft sich Szenen, Empfindungen, Zäsuren in Erinnerung, die sich eingekerbt haben und Erfahrungen einer ganzen Generation beschreiben. In Episoden, zitierfähigen Sprüchen und allerlei Merk-würdigem liefert er Porträts von Verwandten, Freunden, Lehrern.

Fast erstaunt schaut er auf die "doppelte Rune am Uniformkragen". Noch einmal erlebt er das "Hungerlager" in der Oberpfalz, in das Grass nach einer Kriegsverwundung geraten ist. Ein ehemaliger Chefkoch in Hotels zwischen Bukarest und Wien findet sich als "Kanonier der Gulaschkanone" in einem Kochkurs mit Kreide und Tafel wieder. Seine genüsslichen Beschreibungen beleben den Heißhunger auf die Zubereitungen deftiger Kost wie Schweinekopfsülze und "grützige Darmfüllungen" mit Stampfkartoffeln und Sauerkraut. Und Günter Grass gesteht, dass er bis heute leidenschaftlich mit Töpfen und Füllungen hantiert.