Seit 05:07 Uhr Studio 9
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 05:07 Uhr Studio 9
 
 

Literatur / Archiv | Beitrag vom 05.09.2006

Beim Häuten der Zwiebel

Ein Erinnerungsbuch von Günter Grass

Vorgestellt von Sigried Wesener

Der Schriftsteller Günter Grass (AP)
Der Schriftsteller Günter Grass (AP)

Günter Grass hat mit seinem Erinnerungsbuch "Beim Häuten der Zwiebel" eine höchst kontroverse Debatte über Schuld, Verschweigen und Verschleiern ausgelöst. Der in Danzig geborene Schriftsteller blickt zurück auf seine ersten drei Lebensjahrzehnte, auf begeisterte Mal- und Schreibversuche, den sensationellen Erfolg mit dem Roman "Die Blechtrommel" aber auch auf Zeiten in Uniform und Krieg und schreibt zum ersten Mal über seine Mitgliedschaft als 17Jähriger bei der Waffen-SS.

Der bildhafte Titel deutet bereits an, dass der Autor sich Schicht um Schicht zu sich selbst aufmacht, auch schmerzhafte, schamvolle Momente nicht ausspart. Grass ruft sich Szenen, Empfindungen, Zäsuren in Erinnerung, die sich eingekerbt haben und Erfahrungen einer ganzen Generation beschreiben. In Episoden, zitierfähigen Sprüchen und allerlei Merk-würdigem liefert er Porträts von Verwandten, Freunden, Lehrern.

Fast erstaunt schaut er auf die "doppelte Rune am Uniformkragen". Noch einmal erlebt er das "Hungerlager" in der Oberpfalz, in das Grass nach einer Kriegsverwundung geraten ist. Ein ehemaliger Chefkoch in Hotels zwischen Bukarest und Wien findet sich als "Kanonier der Gulaschkanone" in einem Kochkurs mit Kreide und Tafel wieder. Seine genüsslichen Beschreibungen beleben den Heißhunger auf die Zubereitungen deftiger Kost wie Schweinekopfsülze und "grützige Darmfüllungen" mit Stampfkartoffeln und Sauerkraut. Und Günter Grass gesteht, dass er bis heute leidenschaftlich mit Töpfen und Füllungen hantiert.

Literatur

BücherfrühlingKathy Zarnegin: "Chaya"
Kathy Zarnegin zu Gast beim "Bücherfrühling" von Deutschlandradio Kultur bei der Leipziger Buchmesse 2017 (Deutschlandradio / Stefan Fischer)

Wie entfernt man sich möglichst weit von den Werten und Prägungen der Familie, um eine selbständige Frau, eine unabhängig Liebende und Schriftstellerin zu werden in einer neuen Umgebung und vor allem in einer anderen Sprache? Kathy Zarnegins Romandebüt steckt voller bissiger Beobachtungen, radikaler Argumente und Ambivalenzen.Mehr

BücherfrühlingChris Kraus: "Das kalte Blut"
Chris Kraus liest aus "Das kalte Blut" auf der Deutschlandradio-Bühne  (Deutschlandradio / Stefan Fischer )

Zwei Brüder aus Riga machen Karriere: erst in Nazideutschland, dann als Spione der jungen Bundesrepublik. Die Jüdin Ev ist mal des einen, mal des anderen Geliebte. In der leidenschaftlichen Ménage à trois tun sich moralische Abgründe auf.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur