Montag, 25. Mai 2015MESZ15:30 Uhr

Literatur

Athen bei NachtWenn sich der Abend senkt
Athen - Akropolis Griechenland (picture alliance / dpa / Andreas Neumeier)

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Fritz Rudolf Fries zum GedenkenDer Rausch im Niemandsland
Fritz Rudolf Fries (imago/ gezett)

Im Alter von sechs Jahren zog der in Bilbao geborene Fritz Rudolf Fries in die DDR. Jazz, Literatur, Politik: Von einem magischen Dreieck handelt das Feature über den späteren Schriftsteller, der letztes Jahr gestorben ist und am 19. Mai 80 Jahre alt geworden wäre.Mehr

OptimierungEntwürfe des perfekten Menschen
Smartphone mit einer Fitness-App, daneben eine Hantel auf einem Handtuch (Imago / Westend61)

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Literatur / Archiv | Beitrag vom 05.09.2006

Beim Häuten der Zwiebel

Ein Erinnerungsbuch von Günter Grass

Vorgestellt von Sigried Wesener

Der Schriftsteller Günter Grass (AP)
Der Schriftsteller Günter Grass (AP)

Günter Grass hat mit seinem Erinnerungsbuch "Beim Häuten der Zwiebel" eine höchst kontroverse Debatte über Schuld, Verschweigen und Verschleiern ausgelöst. Der in Danzig geborene Schriftsteller blickt zurück auf seine ersten drei Lebensjahrzehnte, auf begeisterte Mal- und Schreibversuche, den sensationellen Erfolg mit dem Roman "Die Blechtrommel" aber auch auf Zeiten in Uniform und Krieg und schreibt zum ersten Mal über seine Mitgliedschaft als 17Jähriger bei der Waffen-SS.

Der bildhafte Titel deutet bereits an, dass der Autor sich Schicht um Schicht zu sich selbst aufmacht, auch schmerzhafte, schamvolle Momente nicht ausspart. Grass ruft sich Szenen, Empfindungen, Zäsuren in Erinnerung, die sich eingekerbt haben und Erfahrungen einer ganzen Generation beschreiben. In Episoden, zitierfähigen Sprüchen und allerlei Merk-würdigem liefert er Porträts von Verwandten, Freunden, Lehrern.

Fast erstaunt schaut er auf die "doppelte Rune am Uniformkragen". Noch einmal erlebt er das "Hungerlager" in der Oberpfalz, in das Grass nach einer Kriegsverwundung geraten ist. Ein ehemaliger Chefkoch in Hotels zwischen Bukarest und Wien findet sich als "Kanonier der Gulaschkanone" in einem Kochkurs mit Kreide und Tafel wieder. Seine genüsslichen Beschreibungen beleben den Heißhunger auf die Zubereitungen deftiger Kost wie Schweinekopfsülze und "grützige Darmfüllungen" mit Stampfkartoffeln und Sauerkraut. Und Günter Grass gesteht, dass er bis heute leidenschaftlich mit Töpfen und Füllungen hantiert.