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Weltzeit | Beitrag vom 08.02.2016

Beerdigungskultur 2.0In Japan erscheinen Mönche auf Mausklick

Von Jürgen Hanefeld

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Ein Wahrzeichen Japans: das Torii vor dem Itsukushima-Schrein auf der Insel Miyajima bei Hiroshima (Deutschlandradio / Frank Barknecht)
Ein Wahrzeichen Japans: das Torii vor dem Itsukushima-Schrein auf der Insel Miyajima bei Hiroshima (Deutschlandradio / Frank Barknecht)

In Japan können Trauernde sich jetzt Mönche über Amazon mieten - für Beerdigungen. Nichts für unseren Korrespondenten Jürgen Hanefeld. Aber der wundert sich schon lange nicht mehr. Schließlich gibt es ja auch den Priester-Mietservice für Hochzeiten - ganz ohne christlichen Glauben.

Offen gestanden: Ich mag 'Amazon' auch nicht. Sie ruinieren die Buchläden und beuten ihre Mitarbeiter aus. Deswegen boykottiere ich den Internethändler - soweit es geht. Ich meine damit: Es geht eben nicht immer. Hier in Japan, wo ich mit Frau und Katze lebe, lassen wir uns zwei Dinge ins Haus liefern: Sprudelwasser und Katzenstreu. Raten Sie mal, wer was kriegt. Auf das jüngste Angebot der Versandfritzen sind wir noch nicht angewiesen, aber wer weiß...?

Der Mietmönch ist jedenfalls im Kommen. Ich nehme an, der Lieferservice ist genauso wie bei Mineralwasser und Katzenstreu: Sauber, pünktlich und preiswert. In einem Land, in dem buddhistische Beerdigungen in Tempeln sündhaft geworden sind, ist der "Monk Delivery Service" eine prima Sache. Schnell und geschmacklos: Opa tot, Mönch kommt ins Haus, klingelt mit dem Glöckchen, brummelt Unverständliches, kassiert und ... ab mit der Urne.

Gibt es auch das 'Rundum-Nirwana-Package'?

Mal ehrlich: Wir haben doch so wie so keine Zeit mehr für das umständliche Brimborium von früher. Weinen, Trauern, Karten schreiben, Sarg aussuchen, Leichenschmaus bestellen ... ach Gott! Ich bin sicher, auch Opa hätte dafür Verständnis - an meiner Stelle, meine ich.

Ich frage mich nur, ob 'Amazon' auch bei diesem Produkt gleich das nächste Angebot hinterher schiebt: "Kunden, die ihren Opa per Mietmönch ins Jenseits geschickt haben, bieten wir jetzt das Rundum-Nirwana-Package! Dauer-Erleuchtung für alle!"

In Tokio betreiben Mönche sogar eine Musikkneipe

Übrigens: Auch beim Grabbesuch ist man hier in Japan schon viel flotter und flexibler: Wie beim Sushi-Laufband kommt die gewünschte Urne auf Knopfdruck herbei. Da dauert so ein virtueller Friedhofsbummel in der Mittagspause maximal, nun ja, zehn Minuten. Immer noch genügend Zeit für ein leichtes Lunch.
Buddhisten sind anpassungsfähig, sagen die Buddhisten, nicht nur bei Sterberitualen, auch bei lebensnahen Freuden.

Hier in Tokio betreiben sie eine Musik-Kneipe, in der Mönche bunte Cocktails mixen. "Höllenfeuer" und "Vollkommenes Glück" kann man da bestellen. Wo es keine Kirchensteuer gibt, da muss man sich eben anders finanzieren. Schließlich schläft ja auch die Konkurrenz nicht. Shinto-Schreine vollziehen sündhaft teure Rituale für Kinder, und in jedem zweiten Hotel-Palast Asiens gibt es eine auf christlich getrimmte Hochzeitskapelle. Wer unbedingt die Braut in Weiß will, leistet sich eben auch das Wedding-Package "Rent-a-Priest" - Ganz ohne Glauben übrigens, aber Messwein inklusive.

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