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Radiofeuilleton - Wissenschaft und Technik / Archiv | Beitrag vom 08.06.2008

Bedrohung für die Könige der Lüfte

Seeadlersterben durch Bleivergiftung

Von Uta Greschner

Seeadler (AP Archiv)
Seeadler (AP Archiv)

Der Bestand der Seeadler hat sich hierzulande in den vergangenen 15 Jahren dank vieler Schutzmaßnahmen gut entwickelt. Über 500 Brutpaare gibt es in Deutschland. Nun droht dem Seeadler neue Gefahr durch bleihaltige Munition in Tierkadavern.

So werben Seeadler im Frühjahr umeinander. Inzwischen sind ihre Küken schon sechs bis acht Wochen alt. Der diesjährige Nachwuchs lässt auf weitere Stabilität im Bestand hoffen.

Zugleich aber stirbt eine zunehmende Zahl dieser imposanten Greifvögel an Bleivergiftungen. Besonders zwischen Oktober und März. Allein im Müritz Nationalpark waren es in den letzten drei Jahren zwölf Seeadler. Das entspricht dort etwa dem Seeadler-Nachwuchs eines Jahres. Hauptverursacher, das gilt als wissenschaftlich zweifelsfrei erwiesen, ist die bleihaltige Geschossmunition der Jäger, die sich in feinsten Splittern in der Beute der Seeadler unter anderen bei angeschossenen Rehen, Hirschen und Wildschweinen wiederfindet. Dr. Oliver Krone vom Institut für Zoo- und Wildtierforschung beschreibt die verheerenden Folgen der Bleipartikelchen
:
Krone: "Das Blei wird von der Magensäure des Seeadlers angelöst, die Oberfläche wird aufgelöst, gelangt in die inneren Organe und schädigt, das ist viel schlimmer, das Nervensystem der Seeadler. Durch die Schädigung des Nervensystems ist der Seeadler nicht mehr in der Lage seine Körperfunktionen zu regulieren. Er kann nicht mehr jagen, er kann nicht mehr fliegen. Und häufig verhungern die Seeadler dann an den Folgen der Bleivergiftung."

Im Berliner Forscherteam von Dr. Krone arbeitet seit 2006 auch die junge Tiermedizinerin Anna Trinogga an der Entwicklung von Lösungsvorschlägen gegen das Seeadlersterben.
Sie untersucht dazu die Tötungswirkung und Giftigkeit von bleihaltigen und bleifreien vor allem Kupfer -Geschossen.
Die Doktorandin nahm bisher über 400 bei der Jagd erlegte Wildtiere genauer unter die Lupe vor Ort im Wald mit einem transportablen Röntgengerät und in der Klinik im CT. Ihr bisheriges Fazit:

"Wir haben anhand unserer Röntgenuntersuchungen feststellen können, dass bei der Verwendung von Teilmantelgeschossen, also von Geschossen, die einen Bleikern besitzen immer Geschosssplitter im Tierkörper verbleiben, auch wenn keine Knochen getroffen sind. Dahingegen hinterlassen die bleifreien alternativen Geschosse gar keine oder nur wenige große Splitter im Tier. Es gibt Untersuchungen von anderen Wissenschaftlern, die zeigen, dass Seeadler in der Lage sind, diese großen Splitter auszusortieren. Dass sie also gar nicht mit aufgenommen werden beim Fressen. Und man kann sagen, dass die Alternativmaterialien wesentlich weniger giftig sind als Blei."

Diese und weitere Forschungsergebnisse aus dem Berliner Institut für Zoo- und Wildtierforschung stießen jüngst im Mai 2008 an der Universität von Boise im amerikanischen Bundesstaat Idaho auf großes Interesse. Das lässt sich leicht erklären so Dr. Oliver Krone, selbst Teilnehmer des internationalen Forums:

"Gerade die Amerikaner sind jetzt dabei sich Strategien zu überlegen, wie gehen sie selbst mit diesem Bleiproblem um. Sie haben dieses Problem insbesondere beim Kalifornischen Kondor. Eine Tierart, die mit viel Aufwand und Geld vor dem Aussterben gerettet werden konnte. Und das lag nicht an den schwindenden Lebensräumen, das lag auch an der Umweltbelastung. Da der Kondor Aas frisst und hier besonders gern auch Großtiere also Hirsche zum Beispiel Maulbeerhirsche oder Wapitis frisst und diese ebenfalls mit bleihaltigen Geschossresten kontaminiert sein können, ist das also die größte Gefahr für den Kalifornischen Kondor. Und es sind bisher 12 gestorben von nicht einmal 100, die in Freiheit leben. Und alle Kondore werden jährlich eingefangen und gegen Blei behandelt, ansonsten würde diese Tierart tatsächlich aussterben."

Erfahrungen japanischer Experten zeigen:

"Dass nach dem Verbot der bleihaltigen Munition auf Hokkaido, der nördlichsten japanischen Insel, die Anzahl der Bleivergiftungen bei den Riesenseeadlern und bei den eurasischen Seeadlern deutlich zurückgegangen ist."

Deshalb sind die Berliner Wissenschaftler bereits seit langem im Gespräch mit den Jagdverbänden und der Waffenindustrie, weil sie ein Verbot von Bleimunition für den wirksamsten Seeadlerschutz halten, und weil Deutschland eine besondere Verantwortung für die weitere Verbreitung des Seeadlers nach West- und Südeuropa hat, wo er noch immer als ausgestorben gilt.

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