Seit 01:05 Uhr Tonart
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 01:05 Uhr Tonart
 
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 31.05.2012

Bauarbeiten an der Elbphilharmonie wieder aufgenommen

Hamburgs Kultursenatorin "vorsichtig optimistisch"

Von Verena Herb

Gegenstand des Streits: Die oberste Kuppel des Großen Konzertsaals (dpa / picture alliance / Christian Charisius)
Gegenstand des Streits: Die oberste Kuppel des Großen Konzertsaals (dpa / picture alliance / Christian Charisius)

Sieben Monate lang ging auf der Baustelle der Elbphilharmonie nichts mehr: Die Stadt Hamburg, der Baukonzern Hochtief und das Architektenbüro Herzog & de Meuron konnten sich nicht auf eine Dachkonstruktion einigen. Nun wollen die zerstrittenen Parteien kooperieren - vorerst.

Von einem Durchbruch und einem Ende der Querelen will Kultursenatorin Barbara Kisseler nicht sprechen:

"Zu so viel Sonnenschein bin ich noch nicht bereit …"

Der Baukonzern Hochtief hat per Pressemeldung mitgeteilt: Es wird weitergebaut an Hamburgs Elbphilharmonie - nach sieben Monaten Baustopp. Ein Grund für den Stillstand: Hochtief hatte Sicherheitsbedenken bezüglich der Statik am komplizierten Tragwerk des Daches für den großen Konzertsaal. Anders sahen das die Generalplaner, das Architekturbüro Herzog und de Meuron aus der Schweiz. Chefplaner David Koch:

"Das Dach ist sicher. Daran haben wir keine Zweifel. Das wurde von unserem Statiker mit zwei Modellen überprüft und mit einem dritten Modell und von einem externen Gutachter überprüft. Und da hat keiner der Beteiligten Zweifel dran."

Hochtief wollte das nicht gelten lassen, kündigte zwar Ertüchtigungsmaßnahmen an der Konstruktion an. Doch es passierte nichts. Vor sechs Wochen hatte die Stadt dem Baukonzern dann ein Ultimatum gestellt: Sollte das Dach des großen Konzertsaales nicht bis zum 31.5. abgesenkt werden, so werde die Stadt von ihrem Kündigungsrecht wegen unberechtigter Leistungsverweigerung Gebrauch machen. Bis zur letzten Sekunde zögerte das Unternehmen eine Reaktion hinaus - und kündigte dann kurz vor knapp an:

"Hochtief bereitet die Baustelle Elbphilharmonie auf eine 'Absenkung' des Saaldaches vor und entspricht damit dem Wunsch der Freien und Hansestadt Hamburg."

Wann genau es weitergeht, dazu gab es keine Angaben. Hochtief spricht von einer konstruktiven Lösung, die ein positives Klima für eine Einigung schaffen soll - und kritisiert, dass die Stadt eine Kooperation verweigere und Dokumente nicht aushändigt, die nachweisen sollen, dass das Saaldach auch unter voller Belastung hält. Barbara Kisseler lässt diesen Vorwurf nicht gelten und erklärt gegenüber dem Deutschlandradio Kultur:

"Das scheint bei Hochtief noch nicht ganz angekommen zu sein, immer noch nicht: Wir verweigern überhaupt keine Gutachten, wir haben eine genehmigte Planung für das Saaldach. Genehmigt von einer unabhängigen, dafür zuständigen Institution. Die auch nicht weisungsgebunden ist. Und mit diesen Unterlagen, auch mit den Planungsunterlagen dazu, kann Hochtief bauen."

Unabhängig von der Frage nach der Absenkung und dem Weiterbau am Saaldach hat es auch Gespräche über eine generelle Neuordnung des Projektes gegeben. Während Hochtief von einem noch andauernden Gesprächsprozess berichtet, sieht die Kultursenatorin das als bereits beschlossene Sache an:

"Neben der Zusage von Hochtief, die Arbeiten am Saaldach fortzusetzen und überhaupt auf der Baustelle endlich wieder tätig zu werden, ist ja auch die Einigung erzielt worden, dass der Generalplaner - also Herzog & de Meuron - und der Generalunternehmer Hochtief die Planung der Technischen Gebäudeausstattung gemeinsam weiter durchführen wollen."

Also eine Kooperation bei der weiteren Planung der Details. Das wäre ein Fortschritt - denn bislang gab es keinerlei direkte Zusammenarbeit zwischen Hochtief als Bauunternehmen und dem Architektenbüro Herzog & de Meuron als Planer. Außerdem konnte man sich auf einen weiteren Punkt verständigen:

"Dass Hochtief seine Zustimmung gegeben hat zu einem Schiedsgerichtsverfahren, in dem alle strittigen Fragen, die in der Vergangenheit zu diesen Verkantungen auch geführt haben, geklärt werden können."

Ob die Vorhaben nun alle so umgesetzt werden, wie angekündigt - die Politikerin ist zurückhaltend:

"Vorsichtiger Optimismus ist genau die Kategorie, die jetzt passt."

Deutlichere Worte finden indes die Oppositionsparteien: Von "läppischen Zusagen von Hochtief" ist die Rede. Der FDP-Bürgerschaftsabgeordnete Robert Bläsing verkündete per Mail: "Die Einigung der Elphi-Streithähne ist so tragfähig wie die umstrittene Dachkonstruktion."

Was wohl bedeutet: Fortsetzung folgt.

Mehr zum Thema:

Elbphilharmonie: Stillstand nach fünf Jahren Bauzeit (DKultur)
Generalintendant der Elbphilharmonie: Künftiger Konzertsaal ist einmalig und spektakulär (DKultur)
Länderreport: Hamburgs Turmbau zu Babel (DKultur)

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Fazit

62. Verleihung der Goethe-MedaillenMigration als Motor
Der nigerianische Fotograf Akinbode Akinbiyi  (Emeka Okereke)

"Migration der Kulturen - Kulturen der Migration" - dies war das Motto der 62. Verleihung der Goethe-Medaillen. Ausgezeichnet wurden der Schriftsteller Juri Andruchowytsch, der Fotograf Akinbode Akinbiyi und der Direktor des georgischen Nationalmuseums David Lordkipanidze.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur