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Fazit | Beitrag vom 08.03.2016

Bau des Humboldt-ForumsIm Berliner Stadtschloss ist noch vieles offen

Von Barbara Wiegand

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Baukräne ragen an der Baustelle des neuen Berliner Stadtschlosses in den blauen Himmel. (Paul Zinken/dpa)
Das historische Berliner Stadtschloss wird nachgebaut. (Paul Zinken/dpa)

Die Außenhülle des Berliner Humboldt-Forums, der größten Kulturbaustelle Europas, ist in großen Teilen fertig. Für das Innere des Stadtschloss-Nachbaus entstehen gerade die Konzepte. Das Ethnologische und das Asiatische Museum haben für ihre Ausstellungsstücke effektvolle Inszenierungen erarbeitet.

Von draußen ragt das neue, auf der Kubatur des alten Berliner Stadtschlosses errichtete Humboldtforum schon drei Stockwerke in die Höhe – mächtig. Unübersehbar. Doch drin ist es für eine solche Großbaustelle erstaunlich ruhig.

"Wir arbeiten mehr an der Fassade aktuell, der Innenausbau kommt später. Ziel ist, das Gebäude zu schließen",

sagt Tim Ventimiglia vom Architekturbüro Ralph Appelbaum Associates, das die Räume der Staatlichen Museen gestaltet. Während also nach außen "dicht" gemacht wird, vielfach schon die Fenster eingesetzt sind, ist innen vieles noch offen. Im Übertragenen, wie im wörtlichen Sinne. Blickt man etwa am Fuße der großen Freitreppe nach oben, entdeckt man in den Wänden zweier parallel zur Foyerhalle abgeteilter Kuben große Löcher. So groß, dass ein Doppeldeckerbus hindurch passen würde.

"Das sind die Einbringungslöcher für Großexponate. Die werden später geschlossen. "

Großexponate, das sind unter anderem die Boote aus der Südsee, die Einbäume, Katamarane. Doch in den fensterlosen, sich über zwei Stockwerke erstreckenden Sälen soll es neben der "Bootsschau" vor allem auch um Kontexte gehen. Monika Zessnik vom Ethnologischen Museum:

"Hier werden wir den gleichen Objektbestand fast ausstellen, aber das Ganze auch ein bisschen flexibler begehbar machen. Mit einem Schwerpunkt Navigation, Orientierung. Die Kulturen der Südsee, für die ist einfach Seefahrt immer ein zentrales Thema gewesen."

Kontrastartige Präsentation

Noch bevor die anderen 24.000 Objekte aus den Dahlemer Museen nach Mitte transportiert werden, ziehen bis 2018 die großen Exponate um. Wenn dann die die Einbringungsöffnungen geschlossen sind, werden auch die Kuben vom ersten Stock aus nicht mehr zugänglich sein. Hinein kommt man künftig nur von oben, vom Ethnologischen Museum aus, das im zweiten Stock liegt. Vielleicht zu hoch für manche von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit eilenden Berlinbesucher.

"Ja, die Leute nach oben zu ziehen, ist natürlich ganz zentral. Was für uns ein großes Anliegen war, dass wir auch Rolltreppen haben, weil wir einfach wissen, dass Aufzugslösungen allein nicht funktionieren. Und dass natürlich die Hemmschwelle, drei Treppen nach oben zu steigen hoch ist, selbst, wenn Sie das gesundheitlich gut können."

Noch muss man allerdings zu Fuß heraufsteigen zu einem Rundgang durch die oberen Etagen. Wehmütig denkt Kuratorin Zessnick dabei an die gut sechs Meter hohen Räume im ersten Stock, der auf 4000 Quadratmetern vor allem dem Land Berlin vorbehalten ist, mitsamt seinem bisher nur sehr vage formulierten Ausstellungskonzept.

Tatsächlich bleibt abzuwarten, wie etwa einige Bronze-Tafeln aus dem Königshaus in Benin wirken werden. Sie werden in knapp fünf Meter hohen Räumen südlich des Schlüterhofs aufgestellt, wo gerade Teile der originalgetreu aus Backsteinen und Sandstein rekonstruierten Fassade angebracht werden.

"Hier werden die großen Bronzeplatten ausgestellt, in einer Art Screen übereinander. Wie früher im Palast in Benin. Auf der anderen Seite der Platten sieht man ein Ausstellungsmodul, wo man die verschiedenen Perspektiven zu dieser Sammlung wahrnimmt. Alle kommen zu Wort: der König, Wissenschaftler aus Afrika, aus Berlin - und sie teilen ihre Meinungen über die Sammlung, zum Thema Herkunft. Das ist eine kontrastartige Präsentation zwischen einer Vermittlungsebene und auf der anderen Seite einer Schausammlung."

Variabilität durch flexible Ausstellungsmodule

Es sind derlei Perspektivwechsel, die das Gestaltungskonzept des Architekten Ventimiglias und der Museumsmacher ermöglichen soll – auf dem Rundgang entlang von 14.000 ausgestellten Objekten aus Afrika, Amerika, Asien. Das liegt am Endpunkt der kontinentalen Reise, die sozusagen gekrönt wird von der Ausstellung einer mit reichen Wandmalereien verzierten, Jahrtausende alten buddhistischen Kulthöhle unter der Schlosskuppel. Schon jetzt, in seiner Leere hat der Raum eine beeindruckende, sakrale Anmutung. Tim Ventimiglia:

"Das war ja mal eine Kapelle im Schloss. Wir bauen das aber nicht nach. Wir haben ein Konzept entwickelt, wo man eine Art Landschaft bildet, wie auf der Seidenstraße, werden eine Art Höhlen zu entdecken sein. An die Decke projizieren wir einen chinesischen Sternenhimmel."

Die effektvolle, dauerhafte Inszenierung soll aber nur ein Teil der Gestaltung sein. Ansonsten setzt man mit austauschbaren Schaudepots, mit flexiblen Ausstellungsmodulen auf Variabilität. Eine Wandlungsfähigkeit, auch im Hinblick auf den seit Anfang 2016 amtierenden Gründungsintendanten Neil MacGregor, der im Laufe des Jahres seine Ideen konkretisieren will. Grundsätzliches wird sich wohl nichts mehr ändern – zu spät ist dafür die Gründungsintendanz um MacGregor berufen worden, zu weit ist er vorangekommen, der Neubau des Berliner Schlosses - vom Erdgeschoß mit seinem mächtigem Foyer und der Nord-Südpassage über die Belletage bis hin zur 60 Meter hohen Kuppel.

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