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Lange Nacht / Archiv | Beitrag vom 27.10.2012

Basic Instincts

Die Lange Nacht der Lebensgrundlagen

Von Michael Langer und Uwe Pralle

Wohin führt das ständige Wachsen der Wirtschaft (AP)
Wohin führt das ständige Wachsen der Wirtschaft (AP)

Nach 200 Jahren ständiger industrieller Revolutionen ist es schwer zu glauben, dass es nicht immer so weiter gehen sollte mit Wachstum und Wohlstand. Mittlerweile zeigt sich jedoch sehr scharf, dass mit den Kontereffekten der Wachstums-Ära nicht zu spaßen ist.

Dem Klimawandel werden inzwischen gravierende ökonomische Wirkungen attestiert, Mobilität und Technologisierung zehren rasend die Träger benötigter Energien sowie andere Ressourcen auf, während die Dynamik globaler Kapitalströme das Dilemma ständig weiter antreibt.

"Erneuerbar" ist am Ende der großen Wachstums-Party offenbar viel weniger, als gehofft wird. Wie reagieren die "Basic Instincts", wenn nicht mehr selbstverständlich ist, dass alles immer mehr wird, sondern die Substanz längst schrumpft?


Hans-Peter Dürr (* 7. Oktober 1929 in Stuttgart) ist ein deutscher Physiker. Bis Herbst 1997 war Dürr Direktor am Max-Planck-Institut für Physik (Werner-Heisenberg-Institut) in München -

Hans-Peter Dürr: "Wir brauchen ganz dringend Entwürfe für positive, in vollem Sinne lebenswerte, ökologisch nachhaltige Lebensstile. Es gibt solche Entwürfe, und deshalb wird auch ein Wandel nicht ausgeschlossen sein. Wir müssen den Wandel nur wirklich wollen. Alle sind dazu aufgefordert, dabei mitzudenken, diesen Wandel mitzugestalten und vor allem ihn "katalytisch" richtig auf den Weg zu bringen."

Global Challenges Network e.V. -

Eine Auswahl der von Hans-Peter Dürr erschienenen Veröffentlichungen

Münchner Klimaherbst 2012


Wilhelm Ripl (* 1937) ist Landschaftsökologe und Limnologe (Süßwasserökologe) sowie emeritierter Professor der Technischen Universität Berlin.

Wilhelm Ripl : "In der heutigen Gesellschaft ist das Bewusstsein dafür, was Basis des menschlichen Lebens, was Zivilisation und Kultur sind, zurückgegangen und in mancher Hinsicht überhaupt nicht mehr vorhanden. Die Basis sind die von jedem Bürger täglich benötigten Leistungen der Natur: Wasser, Atmosphäre, Nahrungsmittel, Rohstoffe sowie der Schutz notwendiger Naturfunktionen wie Atmosphärenfunktion, Klima, Bodenfruchtbarkeit. Sie sind in hohem Grade gefährdet. Erst wenn die Subsistenz für die Menschheit gesichert ist, können wir uns fragen: Welche anderen Dienste, Produkte, gesellschaftlichen Einrichtungen und kulturellen Gebräuche können wir uns darüber hinaus leisten? Dazu gehört beispielsweise unser Umgang mit den natürlichen Ressourcen."
Aus dem "Memorandum zum Klimawandel" von Wilhelm Ripl und Hermann Scheer, Berlin, Juli 2007

Hermann Scheer (* 29. April 1944 in Wehrheim; † 14. Oktober 2010 in Berlin) war ein deutscher Politiker und Mitglied des Bundesvorstandes der SPD. 1999 wurde ihm der Righ Livelihood Award für sein Engagement für die Solarenergie verliehen.

Hermann Scheer
Energieautonomie
Eine neue Politik für erneuerbare Energien.
2005 Kunstmann


Memorandum zum Klimawandel (PDF)
Wilhelm Ripl und Hermann Scheer



Richard Buckminster Fuller (oft abgekürzt zu R. Buckminster Fuller, auch Bucky Fuller genannt; * 12. Juli 1895 in Milton, Massachusetts; † 1. Juli 1983 in Los Angeles) war ein US-amerikanischer Architekt, Konstrukteur, Visionär, Designer, Philosoph und Schriftsteller. Er zählt neben Frei Otto und Santiago Calatrava zu den führenden Vertretern einer biomorphen Architektur.


R Buckminster Fuller
Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde
und andere Schriften
Übersetzt von Krausse, Joachim. Herausgegeben von Krausse, Joachim
Philo Fine Arts Verlag 2010
Auf die Rolle des Architekten, Designers, Ingenieurs oder Wissenschaftlers wollte sich R. Buckminster Fuller (1895?1983) nie festlegen lassen, die Grenzziehungen des Spezialistentums hätten Beschänktheit, Unfreiheit und Fehlentwicklungen zur Folge. Mit seinen "Artefakten" strebte er danach, Grenzen zu öffnen, den Sinn für das Ganze zu wecken. Frank Lloyd Wright nannte ihn einen Menschen mit größtem Empfinden und prognostischem Vermögen, Ezra Pound feierte ihn als "Freund des Universums, Glücksbringer, Befreier" und die Beatles widmeten ihm "Fool on the Hill"...

Nachrichten vom Raumschiff Erde
Der amerikanische Visionär Buckminster Fuller
"Das Feature" im Deutschlandfunk vom 18.12.2009. Von Michael Langer


Friedhelm Decher (* 1954) ist ein deutscher Philosoph und Schriftsteller.

Fred Pearce
Wenn die Flüsse versiegen
Verlag Antje Kunstmann 2007
Ohne Öl können wir zur Not leben, ohne Wasser sicher nicht.
Alle Welt redet von schwindenden Energieressourcen, doch daneben bahnt sich eine ungleich gravierende Wasserkrise an. Gigantische Bewässerungsprojekte stellen eine enorme ökologische und ökonomische Verschwendung dar; und selbst wer zu Hause umweltbewusst Wasser spart, weiß selten, wie viel "virtuelles Wasser" er über die Nahrungs- und Kleidungsproduktion tatsächlich verbraucht.

Kein Wunder, dass sich die Flüsse der Welt in atemberaubendem Tempo leeren - während durch Überregulierung anderseits die Flutgefahr dramatisch steigt. Ressourcenkriege um Wasser bahnen sich an - denn ohne Öl können wir zur Not leben, ohne Wasser sicher nicht.

Fred Pearce: " Wie sehr prägen doch die Flüsse die Welt, in der wir leben!
Gibt es ein großartigeres Buch über Amerika als die in Huckleberry Finn beschriebene Reise auf dem Mississippi? Kann man London besser erkunden als mit einer Bootsfahrt auf der Themse nach Greenwich? Einige der größten Abenteuerreisen der Menschheit haben sich an Flüssen abgespielt: Den Orinoko hinauf auf der Suche nach Eldorado oder die Erforschung der Quelle des Nils. Inzwischen ist etwas irritierendes geschehen. Ich wurde mir dessen erst ganz allmählich bewusst, durch die ein oder andere Nachrichtenmeldung. Die Karten in meinem Atlas schienen nicht mehr mit der Wirklichkeit übereinzustimmen. Ganze Binnenmeere und Seen waren verschwunden. Die alten Lektionen aus dem Erdkundeunterricht, wonach ein Fluss in den Bergen entspringt, das Wasser aus den Nebenflüssen aufnimmt und seine angeschwollenen Massen schließlich ins Meer ergießt, waren plötzlich überholt. Da ich Journalist bin, legte ich eine Mappe mit Zeitungsausschnitten an. Der Nil in Ägypten, der Gelbe Fluss in China, der Indus in Pakistan, der Colorado und der Rio Grande in den USA - von allen wird berichtet, dass sie im Sand versickern, manchmal Hunderte Meilen vom Meer entfernt. Nichts wird für die Zukunft der Menschheit auf unserem Planeten im kommenden Jahrhundert von derartiger Bedeutung sein wie das Schicksal unserer Flüsse. Ohne Öl können wir zur Not leben, ohne Wasser sicher nicht.
(Aber) ich bin Optimist. Denn letztlich ist nichts so erneuerbar wie das Wasser.
(Fred Pearce) "


Prof. Arno Gahrmann ist Wirtschaftswissenschaftler an der Fachhochschule Bremen. Sein Metier ist die finanzielle Seite des Wirtschaftslebens mit Faktoren wie Kosten, Zinsen, Vermögen und Renditen.

Ein Denkfehler wird zum System


Arno Gahrmann
Zukunft kann man nicht kaufen
Ein folgenschwerer Denkfehler in der globalen Ökonomie.
2004 Horlemann
Unter den Schlagworten Wirtschaftlichkeit und Kosteneffizienz werden blühende Landschaften in Sozialbrachen verwandelt, und der Terror des Gewinnwahns stürzt weltweit immer mehr Menschen in Arbeitslosigkeit und Armut.
Der Autor, Professor für Finanzierung und Investition an der Hochschule Bremen, zeigt anhand von drastischen Beispielen aus der aktuellen Debatte, wie die politisch diskutierten und auch umgesetzten alten Ansätze, in deren Mittelpunkt fast ausschließlich Kosten und Gewinn stehen (sei es als Maßstab für die Preise zum Beispiel öffentlicher Leistungen im Gesundheits- oder Kulturbereich oder als alleiniges Kriterium für Überleben oder Sterben von Betrieben), in die Katastrophe zu führen drohen. Und wie beim real unveränderten Widerspruch zwischen Ökonomie und Ökologie kann wieder nicht sein, was nicht sein darf: Dass der Fehler in der Ökonomie liegt!

Wer glaubt andererseits ernsthaft, dass dieses ökonomische System nach einer globalen Katastrophe weiter Bestand haben wird? Plötzlich ständen Leben, Sicherheit und Gemeinsamkeit im Vordergrund, statt Rendite, Kosten und globaler Konkurrenz einen kleinen Vorgeschmack lieferten da die diversen Überschwemmungen der letzten Zeit.
Wir müssen freilich nicht warten, bis Fluten oder gesellschaftlich-politische Stürme die vorgeblichen ökonomischen Sachzwänge hinwegschwemmen oder -fegen.

Dieses Buch soll auch - und gerade neben den Managern, Politikern und Wissenschaftlern - einem breiten Publikum die Augen dafür öffnen, dass eine wesentliche Ursache für das ständige Dilemma zwischen Wollen und ökonomischen Sachzwängen in einem pervertierten Gewinn- (und daraus abgeleiteten Kosten-)Begriff liegt.

Es wird gezeigt, dass diese wie selbstverständlich verwendeten Leitgrößen allen wirtschaftlichen Handelns spätestens mit den immer schnelleren Strukturveränderungen durch Deregulierung und Globalisierung ihren ursprünglichen Sinn einer existenzsichernden "Substanzvermehrung" verloren haben und vielfach nur noch virtuelle Wahngrößen sind, die sich wie ein Virus in das reale Leben eingenistet haben und sich seiner immer weiter bemächtigen.

Dagegen soll ein System gestellt werden, das unter sinnvoller Steuerung über den Markt das Wirtschaften an realen Zielen von Leben, Nachhaltigkeit und Menschlichkeit anstelle einer virtuellen Gewinn- und Kostengröße ausrichtet.


Peter Kafka (* 29. Juni 1933 in Berlin; † 23. Dezember 2000 in Unterföhring bei München) war ein deutscher Physiker.

"Eine wichtige Einsicht kommt immerhin allmählich in die Diskussion über mögliche Auswege für den Standort Deutschland: Um in der internationalen Konkurrenz an der Spitze zu bleiben, würde es ja nicht genügen, dass wir - wie früher einmal - die Speerspitze der Forschung und Entwicklung darstellten. Die Anstrengungen in dieser Richtung müssten vergebens bleiben, weil unter den Bedingungen zunehmender Vereinheitlichung
der Welt jeder von uns gemachte Fortschritt von allen anderen sofort nachvollzogen würde. Es hilft also in diesem Wettlauf gar nichts, erster zu sein! Man leistet doch dadurch nur Schrittmacherdienste für die zweiten und dritten, die im Windschatten laufen dürfen!
Müsste nicht, wenn diese Einsicht sich ausbreitete, etwas Unglaubliches geschehen? Die ganze Läuferkolonne könnte plötzlich langsamer werden und schließlich stehen bleiben! Ja womöglich tritt jeder ein paar Schritte hinter seinen Nachbarn zurück und bietet diesem mit einer freundlichen Handbewegung den eigenen Platz an. Zum Lachen, nicht wahr? Wir wissen doch genau, warum dies nicht geschehen kann. Es handelt sich ja nicht um einen Wettkampf der Läufer, sondern um den der Sponsoren! Es geht ums Geld. Irgendwie ist es dem Geld gelungen, sich unsere Lebensgrundlagen anzueignen. Die der einzelnen, wie die ganzer Nationen. Wenn wir nicht so laufen, dass sich das Geld unserer Sponsoren vermehrt, kriegen wir nicht einmal mehr zu essen oder ein Dach über dem Kopf."

Peter Kafka
Gegen den Untergang
Schöpfungsprinzip und globale Beschleunigungskrise
Carl Hanser Verlag München Wien, 1994



Musikliste der Langen Nacht

More is Insane
Strange Parcels & Bim Sherman
Maxwell/Alexander/Wimbish
On-U Sound
On-U CD 20

One Step Forward
Max Romeo
Perry/Romeo
CRNCD 6 524379-2

Pollution
Tom Lehrer
Lehrer
Rhino 79831

Leggy
Fila Brazilia
Cobby/McSherry
Pork Island 524225-2

Am I Wrong
Etienne de Crécy
de Crècy
Disques Solid SLD028CD


Kaltes klares Wasser
Chicks on Speed
Köster/Kuhnke/Gut
Monika Enterprises /Universal

Timber
Coldcut & Hexstatic
Black/More/Warren-Hill
Ninja Tune/ZEN CDS65B

Don't Go Near the Water
The Beach Boys
Jardine/Love
Capitol 7243 5 25692 2 9

Freunde der Realität
Funny van Dannen
van Dannen
Trikont/US-0317

Mu-Getsu
DJ Krush & Toshinori Kondo
Krush/Kondo
Apollo/AMB 8949 CD

Fourth World
Jackdaw with Crowbar
Ron Johnson Records
ZRON 24

Disposable Society
Esther Phillips
McDaniels/Ellis
Harmless
HURTCD053

Die Diktatur der Angepassten
Blumfeld
ZickZack eastwest

The Bare Necessities
Baloo (Phil Harris)
Sherman/Sherman
Disney/Warner

Zuitar
UV POP
Extra Records/EXTRA

Lange Nacht

Eine Lange Nacht der portugiesischen Sehnsucht nach der FerneLand der Unruhe
Die portugiesische Flagge in Grün und Rot. (picture-alliance / dpa / Federico Gambarini)

"Navegar é preciso", Navigieren tut not - so lautet eine Gedichtzeile von Fernando Pessoa, dem großen portugiesischen Dichter. Portugiesen suchen ihr Glück gern in der Ferne. Davon berichten in Frankfurt gelandete Krankenschwestern, zurückgekehrte Gastarbeiter und der Bürgermeister einer inzwischen sehr portugiesischen Gemeinde im Odenwald.Mehr

Eine Lange Nacht über Fritz WunderlichUnd es blitzen die Sterne
Fritz Wunderlich singt den Titelpart in der Oper "Palestrina" an der Wiener Staatsoper im Jahr 1964.  (picture-alliance / dpa / Votava)

Schlicht ein blöder Stolperer beendete allzu früh das Leben jenes Sängers, der bis heute als bester lyrischer Tenor, zumindest in der Ära der Tonaufnahme, gilt. Während eines Jagdaufenthalts stürzte Fritz Wunderlich (1930 - 1966) derartig unglücklich über eine Treppe, dass er am nächsten Tag in der Früh an seiner schweren Kopfverletzung verstarb. Mehr

Lange Nacht über armenische Erinnerungswelten Fern vom Ararat
Jerewan, im Hintergrund der Berg Ararat  (AFP / STEPHANE DE SAKUTIN)

In einer Langen Nacht über armenische Erinnerungswelten kommen Armenier aus Deutschland wie auch aus Frankreich zu Wort. Ganz unterschiedliche Lebensläufe, die doch alle eines gemeinsam haben: die über Generationen wachgehaltene Erinnerung an das Schicksal ihres Volkes.Mehr

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