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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 20.02.2013

Bartok und Mozart als Fixsterne

Vor 50 Jahren starb der österreichisch-ungarische Dirigent Ferenc Fricsay

Von Wolfgang Schreiber

Der ungarisch-österreichische Dirigent Ferenc Fricsay während einer Orchesterprobe (undatierte Aufnahme). (picture alliance / dpa)
Der ungarisch-österreichische Dirigent Ferenc Fricsay während einer Orchesterprobe (undatierte Aufnahme). (picture alliance / dpa)

Als Chefdirigent des RIAS-Symphonie-Orchesters sowie als Generalmusikdirektor der Städtischen Oper und der Bayerischen Staatsoper machte sich der Dirigent Ferenc Fricsay einen Namen. Am Ende einer schillernden, aber auch ruhelosen Karriere erlag er im Alter von 48 Jahren einem Krebsleiden.

Alles liegt in Trümmern, 1945, auch die Musikkultur im zerbombten Berlin. Die Amerikaner gründen den Sender RIAS und machen den Ungarn Ferenc Fricsay zum Chefdirigenten ihres neuen Symphonie-Orchesters. Der junge Fricsay wird über Nacht zu einem Hoffnungsträger Westberlins, in der Frontstadt der Siegermächte - und bleibt es, über Umwege, bis zu seinem frühen Tod 1963. Anderthalb Jahrzehnte dauert die rastlose Karriere.

Béla Bartók wird zu Ferenc Fricsays Markenzeichen, wie man so sagt, bei Bartók, der 1945 im New Yorker Exil starb, hatte Fricsay in Budapest studiert. Dort 1914 geboren, besucht der Sohn eines ungarischen Militärkapellmeisters die Budapester Franz-Liszt-Musikakademie, wo Bartók sein Klavierprofessor wird. Fricsay lernt mühelos fast alle Orchesterinstrumente spielen, schon mit fünfzehn steht er am Dirigentenpult, geht aber dann lieber als Kapellmeister in die Garnisonsstadt Szeged als ans Budapester Opernhaus, wo er erst Jahre später debütiert. Der internationale Durchbruch gelingt Fricsay, als er 1947 für den erkrankten Otto Klemperer die Uraufführung der Oper "Dantons Tod" dirigiert, bei den Salzburger Festspielen. Längst hatte er sich unsterblich in die Musik Mozarts verliebt, wie er später schrieb.

"Diese Musik ist fähig, alles heraufzubeschwören: abwechslungsreichste Lebensrhythmen, dunkelsten Schreck, schillernde Hoffnung, süßen Schmerz und qualvolles Glück, Verdammnis und Verklärung, Vernichtung und Sieg; sie ist fähig, alle Empfindungen in unmittelbarster und dichtester Form wiederzugeben. Das Geheimnis Mozart ist nur dann zu lösen, wenn wir den Menschen durch seine Musik betrachten. Um seiner Musik willen vergaß er sein Leben."

Mozart und Bartók blieben die Fixsterne in Fricsays musikalischer Welt, aber der Blick reichte von Haydn bis Tschaikowsky, von Beethoven bis Strawinsky, von Rossini bis Verdi. Und der Ruhelose verausgabte sich - er übernahm neben dem RIAS-Symphonie-Orchester in Berlin auch die Deutsche Oper als Musikdirektor, führte beide in kurzer Zeit zum Ruhm. Fricsays Karriere war spektakulär: Er gastierte bei den Festspielen in Salzburg und Luzern, dirigierte die Berliner und die Wiener Philharmoniker, stand am Pult in Paris, Mailand, San Francisco, nur im texanischen Houston scheiterte er. Dann ging Fricsay 1956 als Musikchef an die Bayerische Staatsoper, blieb aber auch hier nur kurze Zeit: Die Münchner wollten mehr Wagner und Strauss hören, nur, Fricsay plädierte für die Musik Italiens.

Eine Krebserkrankung erzwang für Fricsay eine Arbeitspause, danach kehrte er nach Berlin zurück und übernahm zum zweiten Mal das RIAS-Symphonie-Orchesters. Kurz nach dem Bau der Berliner Mauer dirigierte er die Eröffnungspremiere an der neu errichteten Deutschen Oper, den "Don Giovanni". Kurz davor hatte er sich einem Medien-Projekt der Zukunft gewidmet: Fricsay, der Orchestererzieher, leitete fürs Fernsehen eine Probe im Stuttgarter Rundfunk, die berühmt wurde - die "Moldau" von Smetana. Die Intensität, die plastische Bildhaftigkeit seiner Sprache, die vitale Energie dieser Arbeit mit dem Orchester, das ist bis heute bewundernswert geblieben. Aber die Krankheit war stärker, Ferenc Fricsay starb am 20. Februar 1963, mit nur 48 Jahren.

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