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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 13.07.2011

"Barney's Version"

Filmische Lebensbeichte eines chaotischen Hedonisten

Gesehen von Hannelore Heider

US-Schauspieler Paul Giamatti, der kanadische Regisseur Richard J. Lewis und die britische Schauspielerin Rosamund Pike bei der Vorstellung von "Barney's Version" bei den 67. Filmfestspielen von Venedig. (picture alliance / dpa / Claudio Onorati)
US-Schauspieler Paul Giamatti, der kanadische Regisseur Richard J. Lewis und die britische Schauspielerin Rosamund Pike bei der Vorstellung von "Barney's Version" bei den 67. Filmfestspielen von Venedig. (picture alliance / dpa / Claudio Onorati)

Barney Panofsky hat drei Ehen hinter sich und eine Mordanklage am Hals. Weil sein Erzrivale seine Memoiren veröffentlicht, sieht sich Barney gezwungen, seine Version der Geschichte abzuliefern. Verfilmung des Romans des kanadischen Erfolgsautors Mordecai Richler.

Die Verfilmung der Romanvorlage des kanadischen Autors Mordecai Richler provoziert Verlegenheit, denn für die Genrebezeichnung findet man gleich zwei Einordnungen: Drama und Komödie. Kein Wunder, erzählt der Film doch in langen Rückblenden von 40 bewegten Lebensjahren des jüdischen Kanadiers Barney Panofsky, beginnend in den wilden 70ern in Rom, wo sich ein Kreis junger Künstler und Lebenskünstler, wie Barney einer war, ein sorgloses Dasein bescherte.

40 Jahre später - jetzt -sitzt Barney im gediegenen Fauteuil und guckt mit grauen Barthaaren und zerknittertem Gesicht traurig in die Welt. Er hat gerade seine dritte Ehefrau und große Liebe verloren, immer noch eine Mordanklage am Hals und einen Job, der ihm zwar viel Geld, aber keine Befriedigung bringt – er produziert Softpornos.

Barney ist in diesem Geschäft zynisch geworden und so ist sein sarkastischer Blick auf die Medienwelt eine vergnügliche Facette dieser Lebensbeichte, wie auch Dustin Hoffmans Rolle als Barneys Vater und pensionierter Cop, der alle Lebensstationen seines Sohnes mit respektlosen Ratschlägen begleitet.

Barney selbst ist vieles in einem – chaotischer Hedonist, harter Geschäftsmann, großzügiger Freund und hoffnungsloser Romantiker, der seine zweite Vernunftsehe mit einem reichen jüdischen Mädchen (Minnie Driver), schon auf der Hochzeitsfeier aufs Spiel setzt, weil er sich in die stille schöne Miriam (Rosamund Pike) verliebt. Über Jahre hinweg setzt er alles daran, sie trotz ehelicher Verpflichtungen zu gewinnen. Das gelingt und führt doch nicht zum Happy End, was dem Film zunehmend in sentimentales, melodramatisches Fahrwasser bringt.

Wäre nicht der großartige Darsteller und Publikumsliebling Paul Giamatti, bliebe dieser Film nichts als ein Bilderreigen in Hochglanzoptik, der kaum dramatische Höhepunkte aufweist. Doch Paul Giamatti vermag aus diesem Barney einen dann doch liebenswerten und komplexen Charakter zu formen. Gemeinsam mit einem brillanten Dustin Hoffman und der ergreifenden Rosamund Pike vermag er dieser uninspirierten Romanverfilmung dann doch ein paar Glanzpunkte auf zu setzten.

Italien, Kanada 2010. Regie:Richard J. Lewis. Darsteller: Paul Giamatti, Rosamund Pike, Rachelle Lefevre, Minnie Driver, Dustin Hoffman. 134 Minuten, ab 12 Jahren

Filmhomepage Barney's Version

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