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Thema / Archiv | Beitrag vom 02.07.2013

Balkanland im Stillstand

Der multiethnische Staat Bosnien-Herzogowina

Von Stephan Ozsváth

Gedenkstätte im ostbosnischen Srebrenica: Der Krieg wirkt bis heute nach. (picture alliance / dpa Foto: Fehiim Demir)
Gedenkstätte im ostbosnischen Srebrenica: Der Krieg wirkt bis heute nach. (picture alliance / dpa Foto: Fehiim Demir)

Bosnien und Herzegowina ist ein kleines Land – es hat nur etwa viereinhalb Millionen Einwohner. Und es ist geteilt: In eine bosnisch-kroatische Föderation – und eine Serbische Republik. Ein Erbe des Friedensvertrages von Dayton.

Er beendete den Bürgerkrieg 1995 – in den fast vier Jahren Krieg wurden etwa 100.000 Menschen getötet. Der Bürgerkrieg war geprägt von sogenannten "ethnischen Säuberungen", also gezielten Vertreibungen, Massenvergewaltigungen und gezielten Angriffen auf Kultureinrichtungen wie die Bibliothek von Sarajevo. Schreckliches Sinnbild des Krieges war das Massaker in der ostbosnischen Stadt Srebrenica – damals wurden von bosnisch-serbischen Verbänden etwa 8000 Muslime getötet.

Der Krieg wirkt bis heute nach. Bosnien-Herzegowina ist immer noch minenverseucht. Und die Gräben zwischen den Ethnien sind tief.

Die Idee von Dayton war – alle drei Staatsvölker – also Serben, Kroaten und muslimische Bosniaken sollten gleichberechtigt sein in dem Staat. Geführt hat das zu einem großen Verwaltungs-Wasserkopf, der heute einen Großteil des Budgets verschlingt:

Lähmende Bürokratie - hohe Arbeitslosigkeit

Es gibt den Gesamtstaat mit einem dreiköpfigen Präsidium – es repräsentiert die konstituierenden Ethnien Bosniens. Jede Teilrepublik stellt eine eigene Regierung. Und jeder der 10 Kantone der Föderation. Die Folge: In Bosnien gibt es mehr als 140 Minister. Ein alter Witz in Sarajevo geht so: Wer in Sarajevo ruft "Hallo Herr Minister", erlebt, dass sich jeder Zweite umdreht.

Und seit Jahren – so die jüngste Diagnose des Obersten Repräsentanten Inzko – einer Art internationalem Aufpasser, herrscht in dem kleinen Balkanland Stillstand, verantwortlich macht dafür macht er die lokalen Politiker – die schauten nur auf den eigenen Vorteil und das der eigenen Volksgruppe und nicht auf das Wohl des Landes. Seit Wochen demonstrieren Bosnier gegen ihre Eliten. Vordergründig geht es um die Einführung von Identifikationsnummern – ohne die gibt es keinen Pass und keine Gesundheitsversorgung.

Wirtschaftlich geht es den Bosniern sehr schlecht. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, mehr als 40 Prozent der Bosnier haben offiziell keinen Job. Korruption ist allgegenwärtig. Und ein EU-Beitritt liegt in weiter Ferne.

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